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„Ich selber!“ – Begleiten Sie Kinder auf dem Weg zu Selbstbestimmung und Autonomie

Mika wird feuerrot im Gesicht. Er holt tief Luft und dann übertönt sein Gebrüll für einige Momente alle Geräusche der anderen Kinder. Sie kennen die Situation in unzähligen Varianten: wenn Sarah ihre Jacke nicht anziehen, Michael den Stift nicht hergeben oder Marie nicht einschlafen will. Hier zeigt sich mit aller Kraft der erwachende Wille eines Kindes. Es spürt sich selbst und entdeckt, dass es Wünsche und Bedürfnisse hat. Es beginnt langsam, aber stetig selbstständig und unabhängig vom Erwachsenen zu handeln.

Lautstark fordert das Kind sein Recht auf altersentsprechende Beteiligung und Selbstbestimmung – und gleichzeitig Ihr ganzes pädagogisches Geschick. Wie reagieren Sie, um Selbstbestimmung zu ermöglichen, ohne kleine Tyrannen zu fördern? Folgende 5 Tipps unterstützen Sie dabei.

1. Tipp: Achten Sie auf Ihre Sprache

„Pass auf, dass du nicht runterfällst!“ Diesen Satz hat wohl jede Erzieherin schon unzählige Male ausgesprochen, ähnlich wie: „Hör auf, im Essen zu matschen!“ Sie wollen, dass das Kind ein bestimmtes Verhalten zeigt oder eben damit aufhört – allerdings ohne das zu sagen. Oft kommt bei den Kindern aber das Gegenteil an, nämlich nur „... im Essen matschen!“ Die wichtigste und wirkungsvollste Methode ist die klare und positive Formulierung: „Halte dich gut fest!“ oder „Nimm den Löffel zum Essen.“ Und je jünger die Kinder, desto verständlicher und überschaubarer muss die Aufforderung sein.

2. Tipp: Bauen Sie Zeitpuffer ein

„Weniger ist mehr“ heißt ein bekanntes Sprichwort. Es könnte auch ein Motto für Ihren Tagesablauf sein. Bauen Sie vor allem in den Übergängen Zeitpuffer ein und verzichten Sie stattdessen eher auf eine zusätzliche Aktion. Ein Zeitpuffer entlastet hier die Kinder und Sie selbst, denn Sie können anbieten: „Wenn dein Bild fertig ist, kannst du mir beim Tischdecken helfen.“ oder „Sag’ mir Bescheid, wenn du fertig bist, dann können wir essen.“ Das Kind weiß sich in seiner jeweiligen Tätigkeit geachtet und gleichzeitig wird sein Blick auf die nächste Tätigkeit gelenkt. Diese neue Tätigkeit ist oft Anreiz genug, dass die Kinder ihr Tun beenden und z. B. den Tisch decken wollen. Mit ausreichend Zeitpuffer ermöglichen Sie ein selbstständiges Verhalten des Kindes und können ihm respektvoll begegnen.

3. Tipp: Geben Sie klare Orientierung

Orientierung und Struktur ermöglichen dem Kind, sich selbstständiger durch den Tag zu bewegen. Es lernt schnell, welche Tätigkeiten aufeinanderfolgen, z. B. das Schlafen immer auf das Essen. Nach und nach kann es sich diesem Rhythmus anpassen. So beugen Sie Wutanfällen vor und schaffen Sicherheit und Geborgenheit – ein weiterer wesentlicher Faktor, um Selbstständigkeit und Selbstbestimmung zu ermöglichen. Denn mit der Zeit erfährt das Kind durch diesen Rhytmus: „Ich weiß schon, dass ich jetzt mein Spiel beende.“ Im nächsten Schritt folgt dann: „Ich kann das allein.“

4. Tipp: Bieten Sie Alternativen

Ein Kind kann sich nur kennen lernen und erfahren, was es selbst gerne möchte, wenn es eine Wahl hat. Wenn es also erfahren kann: „Ich mag Wasser lieber als Saft“ oder „Ich möchte den gelben Pulli lieber anziehen als den blauen“. Mit solchen Alternativen beugen Sie auch vielen Wutanfällen vor. Das Kind kann viel schwerer einfach „Nein!“ schreien, wenn es nach seinen Vorlieben gefragt wird, also „Willst du einen Apfel oder eine Banane essen?“ statt „Iss bitte deinen Apfel!“. Sie werden feststellen, dass es häufig ganz unproblematisch ist, Alternativen zu finden und dann anbieten zu können. Natürlich müssen diese Alternativen passend und altersentsprechend sein. Kindern unter 3 Jahren fällt es in der Regel schwer, aus mehr als 2 Möglichkeiten zu wählen. Manche Dinge stehen auch gar nicht zur Debatte, z. B. dass das Kind eine Jacke anziehen muss, wenn es bei Kälte draußen spielt. Das akzeptieren Kinder leichter, wenn sie dazwischen immer wieder Dinge selbst bestimmen dürfen.

5. Tipp: Versuchen Sie, Machtkämpfen auszuweichen

Es ist zwecklos, gegen ein wütendes oder trotzendes Kind „anzukämpfen“. Schnell dreht sich sonst die Machtkampfspirale weiter – mit unguten Folgen: Denn entweder kapituliert das Kind oder Sie müssen zu strengeren Maßnahmen greifen. Nehmen Sie also so wenig Machtkämpfe wie möglich an. Oft bietet sich die Gelegenheit der logischen Folge „ohne Worte“ an, z. B.:

  • Mika will nicht essen. Sie nehmen seinen  Teller zu sich und sprechen mit den anderen Kindern darüber, wie lecker das Essen schmeckt.
  • Eva will ihre Jacke nicht anziehen. Sie bringen sie zur Kollegin, die noch den Tisch putzt und die Stühle hochstellt, und gehen mit den anderen Kindern schon in den Garten.
  • Lukas will nicht aufräumen. Sie lassen das Spiel liegen und fordern ihn nach der Obstpause erneut zum Aufräumen auf, bevor er wie die anderen Kinder etwas Neues spielen kann.

Natürlich gibt es auch Machtkämpfe, die ausgetragen werden wollen, weil damit bestimmte Regeln oder Grenzen geklärt werden müssen. „Ich selber!“, „Ich will!“ oder „Ich will nicht!“ zeigt Ihnen – bei aller Geduld, die Sie dafür benötigen –, wie weit das Kind auf seinem Weg zu sich selbst und seiner Meinung bereits gekommen ist. Sie bauen damit eine wichtige Brücke in die Zukunft hin zu mündigen und kritischen Bürgern.