Kein Fall für 2 - Nutzen Sie für Fallbesprechungen die Kollegiale Beratung

Die andauernden Konflikte mit Kevin aus Ihrer Gruppe beschäftigen Sie: Er wirkt zerstreut, kann sich nur schwer steuern und verhält sich dadurch anderen Kindern gegenüber impulsiv bis aggressiv. Die Probleme mit Kevin belasten Sie nur kurz. Denn morgen ist Teambesprechung und Sie wissen Ihr Problem darin gut aufgehoben. Mit der Unterstützung Ihrer Kolleginnen werden Sie eine Lösung  finden. Schöne Vision?

Mit der Methode der Kollegialen Beratung lassen Sie diese Vision Wirklichkeit werden. Denn sie ist

  • schnell,
  • kostengünstig,
  • bedarfsgerecht und
  • an Ihren Bedürfnissen orientiert.

Starten Sie in die Kollegiale Beratung

Um diese Vorteile auch in Ihrem Team zu erreichen, ist es wichtig, dass Sie sich alle mit großer Gewissenhaftigkeit an die Struktur der Kollegialen Beratung halten. Diese wird im Folgenden dargestellt.

Die Kollegiale Beratung beginnt mit dem so genannten "Casting". Dabei werden die Rollen verteilt. Die Fallerzählerin wird festgelegt, indem alle Fälle, die zur Klärung anstehen, vorgestellt und nach Dringlichkeit geordnet werden. Anschließend wird eine Moderatorin ausgewählt. Diese Rolle muss nicht zwangsläufig die Leiterin Ihrer Einrichtung übernehmen. Indem Sie die Moderatorenrolle regelmässig wechseln, können Sie sich alle in dieser wichtigen Aufgabe üben. Die restlichen Teammitglieder übernehmen die Rolle der Beratenden.

Die Phasen einer gelungenen Kollegialen Beratung

Die Kollegiale Beratung verläuft immer nach dem folgenden Schema: Als Moderatorin übernehmen Sie die Aufgabe,

  • auf die genaue Einhaltung dieser Abfolge zu achten,
  • Inhalte zusammenzufassen,
  • ohne Wertung zu formulieren und Ihre Meinung zurückzuhalten,
  • der Fallerzählerin bzw. den beratenden Kolleginnen das Signal zur Rede zu geben,
  • Ausschweifungen zu unterbinden, indem Sie zusammenfassen und auf das Thema zurückführen,
  • sich am Ende der Beratung bei allen zu bedanken.

Die Aufgaben der Fallerzählerin und der beratenden Kolleginnen sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst.

Wichtiger Hinweis: In keiner Phase der Kollegialen Beratung wird interpretiert oder diskutiert. Als Moderatorin müssen Sie darauf achten, dass alle Äußerungen wertfrei nebeneinanderstehen und jeder seine Meinung vertreten kann.

Dieser stark strukturierte Ablauf der Kollegialen Beratung gewährleistet eine komplexe Lösungssuche in übersichtlichen Phasen. Die Aufgaben jeder Kollegin sind klar. Nur so können Sie in einer bestimmten Zeit - etwa 30 bis 60 Minuten - zu einem Ergebnis gelangen. Probieren Sie diese Methode der Kollegialen Beratung in Ihrer nächsten Teambesprechung aus und überraschen Sie sich selbst mit der Vielfalt Ihrer Ideen und Lösungswege!

Phasen einer Kollegialen Beratung

PhasenAls FallerzählerinAls beratende Kolleginnen
1. Den Fall beschreiben Beschreiben Sie spontan und möglichst genau den Fall. Hören Sie aufmerksam zu.
Machen Sie sich eventuell Notizen.
2. Schlüsselfrage stellen Formulieren Sie eine genaue Frage.  
3. Verständnisfragen stellen Antworten Sie möglichst genau und differenziert. Klären Sie wichtige Fragen, die während der Beschreibung des Falls offenblieben.
4. Theorien aufstellen Entfernen Sie sich etwas aus der Gruppe. Hören Sie zu. Machen Sie sich eventuell Notizen. Beraten Sie sich über das Gehörte. Sprechen Sie eigene Vermutungen und Eindrücke aus. Berichten Sie über Erfahrungen zum Thema.
5. Ergänzungen und Korrekturen vornehmen Kehren Sie in die Gruppe zurück. Ergänzen Sie Wichtiges. Korrigieren Sie eventuelle Missverständnisse. Hören Sie aktiv zu. Korrigieren Sie eventuelle Missverständnisse.
6. Lösungsansätze entwickeln Entfernen Sie sich etwas aus der Gruppe. Hören Sie zu. Erklären Sie, welche Vorgehensweise Sie selbst wählen würden. Eine Kollegin schreibt die Vorschläge für die Fallerzählerin auf.
7. Lösung auswählen Entscheiden Sie sich für einen der genannten Vorschläge. Begründen Sie Ihre Entscheidung. Hören Sie zu.
8. Feedback geben und Dank aussprechen Berichten Sie kurz über Ihre Gefühle. Erklären Sie, welche Erkenntnisse Sie selbst daraus gewinnen konnten.

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