Meditation im Kindergarten: Wie Kinder entspannt zur Ruhe kommen

Meditative Techniken sind beliebter denn je: Sie entspannen und fördern gleichzeitig die Kreativität und die Konzentration. Somit sind meditative Übungen wahre Allrounder, die auch im Kindergarten für eine beliebte Abwechslung sorgen: Ob Entspannungsübungen oder Phantasiereisen – Meditation hat viele Gesichter. Doch was genau gilt es zu beachten und welche Tipps helfen beim Meditieren mit Kindern?

Meditation für Kinder: Eine Reise zu sich selbst

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Infografik - Wie kann Meditation im Kindergarten funktionieren © Prokita-Portal

Ab einem Alter von drei Jahren entwickeln Kinder die Fähigkeit, zwischen ihrem Erleben und den Vorgängen um sie herum zu differenzieren. So haben auch unterschiedliche äußere Reize einen Einfluss auf die Jungen und Mädchen. In einer Zeit, die von Digitalisierung, Hektik und Schnelllebigkeit geprägt ist, verwundert es nicht, dass Kinder zunehmend unter Druck geraten und immer mehr Stress ausgesetzt sind.

Viele verschiedene Reize sorgen für eine Überflutung. Erschöpfung, Konzentrationsschwäche und Überforderung sind heute deutlich öfter auf der Tagesordnung, als es noch vor zehn Jahren der Fall war. Hier sind in erster Linie die Eltern gefragt: Ein verantwortungsvoller und kindgerechter Umgang mit Medien und neuer Technik ist ebenso wichtig wie die eigene Haltung zu Stress.

Doch auch gezielte Entspannungsübungen und Bewegungsangebote im Kindergarten tragen dazu bei, den Stresspegel zu senken und Ruhe in die Gruppe zu bringen. Meditative Techniken nehmen außerdem die Geschwindigkeit aus dem Alltag. Sie bringen Körper und Geist zusammen, was sich letztlich positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirkt.

Mit Entspannungs- und Wahrnehmungsübungen können Sie als Erzieherin oder Erzieher außerdem weitere verschiedene Ziele verfolgen:

  • Entspannung und Bewegung
  • Kennenlernen des eigenen Körpers
  • Förderung der Konzentration
  • lernen, mit Ängsten und Unruhe umzugehen
  • Gefühle und Gedanken besser artikulieren

Meditative und entspannende Übungen sorgen also für einen Ausgleich. Doch wie lassen sich die verschiedenen Entspannungstechniken in den Kindergarten-Alltag integrieren?

Meditieren im Kindergarten: Schritt für Schritt zur Entspannung

Bei der Meditation mit Kindern sind Erklärungen immens wichtig. Die Kinder sollen wissen, was sie erwartet. Erklären Sie den Kindern, was Sie tun – und was die Mädchen und Jungen tun sollen. Wichtig ist es, die Meditation zwar als Ritual mit einigen Regeln (Augen schließen, nicht sprechen) zu etablieren. Gleichzeitig soll die meditative Übung Freiraum lassen. Zwang oder ein festes Korsett ist beim Meditieren fehl am Platz. Vielmehr steht die kindgerechte Entspannung im Zentrum.

Zu einem beliebten Ritual wird die Meditation in der Kita, wenn sie regelmäßig in den Alltag integriert wird. Ein fester Zeitpunkt, zum Beispiel nach dem Morgenkreis, hilft den Kindern, sich voll und ganz auf die Übung einzulassen. Doch wie kann eine kindgerechte Meditation aussehen? Dieser beispielhafte Ablauf verdeutlicht das Vorgehen:

  1. Erläutern Sie den Kindern, wie lange die Übung dauert und was sie erwartet
  2. Nehmen Sie eine Sitzhaltung ein
  3. Leiten Sie mit einem Gong oder einem Wort die Meditation ein
  4. Schließen Sie die Augen
  5. Beginnen Sie mit Atem- oder Dehnübungen
  6. Das eigentliche Meditationsthema: Phantasiereise, Achtsamkeitsübung, Traumreise
  7. Zeit der Stille
  8. Herausführen aus Meditation durch Gong, Klang oder Wort

Grundsätzlich eignen sich für Kinder viele abgewandelte Meditationsarten, die auch Erwachsene praktizieren. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Entspannung. Das heißt, die Gedanken haben für einen Moment Pause.

Jedoch brauchen Kinder mehr Abwechslung. Ausgedehnte und langwierige Entspannungstechniken strapazieren ihre Geduld. Hier gilt es, einen Mittelweg zu finden: Fordern Sie die Gruppe, aber langweilen Sie sie nicht. Gerade Übungen, in denen verschiedene Bewegungen integriert sind, sorgen für die nötige Abwechslung.

Worauf muss ich bei der Meditation mit Kindern achten?

Viele Kinder haben Probleme, sich fallenzulassen und für mehrere Minuten still zu sitzen. Deshalb sollten die Übungen nicht länger als fünf bis zehn Minuten dauern. Zudem ist es extrem wichtig, das Interesse der Kinder zu wecken. Sie sichern sich die Aufmerksamkeit der Gruppe am besten, wenn Sie mit den Meditationsübungen verschiedene Sinne ansprechen. Dies funktioniert mitunter durch unterschiedliche (gedämpfte) Reize:

  • abgedunkelter Raum
  • Betrachten einer Kerze
  • Gong, Glocke oder Klangschale
  • Gegenstände in verschiedenen Farben des Regenbogens
  • Konzentration auf das Geräusch des Windes oder die Atmung
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Mit einer Klangschale können Sie die Aufmerksamkeit von Kindern fördern © Alexa_Space - Shutterstock

Meditation heißt nicht bewegungslos zu verharren – erst recht nicht bei Kindern. Die Phase der Stille beträgt bei der Mediation mit Kindergartenkindern üblicherweise nicht länger als eine Minute. Besonders leicht führen Sie die Kinder durch Meditationstexte oder Geschichten in die Entspannung. In dieser Zeit folgen die Kinder gebannt Ihren Worten und lassen sich üblicherweise auf die Geschichte ein.

Um Ablenkungen zu vermeiden, ist es besser, wenn nur kleine Gruppen an der Meditation teilnehmen. Als Richtwert nennen Experten rund acht Kinder. Jedoch hängt dies stark von der Gruppendynamik und der Art der Einrichtung ab. Unruhe vermeiden Sie außerdem, indem Sie die meditative Übung in den Turnraum verlegen: Dort befinden sich nur wenige Spielsachen oder Gegenstände, die die Kinder ablenken könnten.

Wirkungen der Meditation auf Kinder: Entspannung mit allen Sinnen

Entspannungsübungen wirken sich auf unterschiedliche Weise positiv auf Kinder aus. Durch Meditation kann man die Gesundheit von Kindern fördern, verbessert die kognitiven Leistungen und hat einen positiven Einfluss auf die Psyche des Einzelnen.

Körperlich Wirkung

Meditative Übungen wirken sich positiv auf die körperliche Gesundheit der Kinder aus. Durch die verschiedenen Dehn- und Lockerungsübungen erhöhen sich ihre Beweglichkeit und Flexibilität. Das beugt Rückenschmerzen, Verspannungen und Kopfweh vor. Aktivere Übungen vermitteln zudem Freude an der Bewegung im Kindergarten – ein wichtiger Aspekt! Kinder, die meditieren, leben außerdem oftmals gesünder und achten vermehrt auf ihren Körper.

Psychische Wirkung

Momente der Ruhe sind auch für Kinder essenziell. Durch meditative Übungen lernen Kinder, sich von verschiedenen Stressfaktoren zu lösen. Dabei erlernen sie emotionale Intelligenz und können negative Empfindungen, wie Angst oder Trauer besser verarbeiten. Kinder, die meditieren, sind deshalb emotional stabiler und reagieren gelassener bei Problemen oder in Konfliktsituationen.

Kognitive Wirkung

Jungen und Mädchen, die regelmäßig meditieren, sind im Alltag konzentrierter und achtsamer. Dies wirkt sich auch auf die späteren Leistungen in der Grundschule aus. Die Kinder sind fokussierter beim Arbeiten im Unterricht, da sie sich besser und schneller auf neue Aufgaben einlassen können. Zudem fördern Traumreisen die Kreativität sowie die Phantasie.

Meditation: Beispiele für den Kindergarten

Die Reise zu sich selbst ist eine Möglichkeit, verschiedene Erfahrungen beim Umgang mit Unruhe und Stress zu sammeln. Bei allen meditativen Techniken stehen Ruhe, Ausgeglichenheit und Entspannung im Vordergrund.

Phantasie- und Traumreisen: Mit allen Sinnen erleben

Phantasie- und Traumreisen sind eine echte Erfahrung: Sie fördern die Kreativität und Achtsamkeit sowie regen das Vorstellungsvermögen der Kinder an. Ob die Reise nun auf einen Regenbogen geht oder es sich um die Vorstellung handelt, zwischen Wolken fliegen zu können – Phantasiereisen eignen sich als guter Einstieg in die Meditation, da die Kinder üben, für einige Minuten ruhig zu sitzen und nicht zu sprechen.

Kinder lernen Achtsamkeit kennen, durch Meditation
Auch bei Kindern ist Achtsamkeit sehr wichtig und sollte früh gelernt © Sharomka - Shutterstock

Während der Reisen lassen sich auch wunderbar verschiedene Gegenstände mit akustischen Reizen integrieren, wie eine Klangschale oder ein Triangel. Diese machen die Übung spannender und verhelfen den Kindern, fokussiert zu bleiben und unterschiedliche Empfindungen wahrzunehmen. Solche Phantasiereisen können die Kinder auch zu Hause mit den Eltern durchführen. Auch hier liegt der Fokus darauf, zur Ruhe zu kommen.

Entspannungsgeschichte: Kinder mit Geschichten fesseln

Ebenso wie die Fantasiereise eignet sich auch eine Entspannungsgeschichte, um die Kinder zum Innehalten zu bewegen. Während eine Traumreise die Mädchen und Jungen dazu anregt, in ihren Gedanken fern entlegene Orte zu besuchen, zielen die meisten Entspannungsgeschichten darauf ab, den eigenen Körper in einen Ruhezustand zu bringen.

Viele Entspannungsgeschichten orientieren sich am Beispiel der progressiven Muskelentspannung. Häufig beginnt die Entspannungsübung auf dem Rücken liegend. Es bietet sich an, den Raum während der Entspannungsgeschichte abzudunkeln. Das verringert Ablenkung von außen, gleichzeitig kommt die Gruppe durch das Dämmerlicht leichter zur Ruhe.

Ermuntern Sie die Kinder, ihren Körper immer weiter zu entspannen: Das kann beim Fuß beginnen, der nun schwerer wird und das gesamte Bein zu Boden drückt. Schließlich werden auch Arme und Bauch behäbig, der gesamte Körper ruht in sich, der Atem wird regelmäßig.

Je anschaulicher Sie den Kindern die Entspannung beschreiben, desto einfacher fällt es ihnen, durch die Entspannungsgeschichte zur Ruhe zu kommen. Nutzen Sie daher Beispiele aus dem Alltag der Jungen und Mädchen: „Jeder Fuß wird so schwer, wie euer Fahrrad“. Auch Fantastisches ist erlaubt: „Der Bauch drückt zu Boden, als würde ein Riese darauf sitzen.“

Achtsamkeit: Die Umwelt durch Achtsamkeitsmeditation wahrnehmen

Kinder sind gerne draußen und entdecken ihre Umwelt. Dies lässt sich hervorragend mit einer Meditationsübung bzw. Achtsamkeitsübung verbinden. Die Kinder stellen sich draußen in der Natur vor, sie seien Forscher und beobachten alles um sie herum – wie echte Wissenschaftler. Ziel ist es, die Natur mit allen Sinnen zu erleben und so Achtsamkeit für die Umwelt zu erlernen.

Dabei nehmen die Kinder die Umgebungsgeräusche und Gerüche wahr, fühlen die Erde sowie die Pflanzen um sie herum und lernen, bewusst zu atmen. Gemeinsam beobachten sie die Tiere und Pflanzen und versuchen in dieser Achtsamkeitsübung den eigenen Körper als Teil des großen Ganzen zu spüren.

Mandalas malen: Motorik und Konzentration fördern

Bei der Meditation muss es nicht immer um Bewegungen und den Körper gehen. Die Jungen und Mädchen können sich auch bei kreativen Übungen entspannen. So bietet sich das Ausmalen von Mandalas an, da dies nicht nur die Kreativität, sondern auch die Konzentration und die Motorik der Kinder fördert. Beides ist für einen erfolgreichen Start in der Grundschule essenziell!

Tipp: Hängen Sie die fertigen Kunstwerke in der Kita auf. Dies freut nicht nur die Kinder, sondern macht auch die Gestaltung der Räume freundlicher. So sind die Wände in kurzer Zeit beinahe so bunt wie ein Regenbogen, der zur Traumreise einlädt.

Entspannung mit Wasser: Perfekt für den Sommer in der Kita

Ob Planschen, Spritzen oder Gießen – fast jedes Kind ist von Wasser fasziniert. Und besonders an heißen Tagen im Sommer dient es als erfrischende Abkühlung. Auch bei der Meditation im Kindergarten lässt sich dieses Element wunderbar einbringen. Vor allem, wenn Sie die Entspannungsübung draußen im Freien abhalten möchten.

Für die Mediation mit Wasser benötigen Sie eine Wasserschildkröte. Natürlich keine echte. Es kann sowohl ein Stofftier, als auch ein ausgedrucktes Bild von einer Schildkröte sein. Um dieses herum setzen Sie sich mit den Kindergartenkindern. Am besten tragen alle Badekleidung, denn vor jedem steht ein Eimer mit Wasser.

Anschließend entwickeln Sie zusammen Ideen, wie die Schildkröte im Wasser planschen könnte. Ideen zur physischen Begleitung sind:

  • die Schildkröte taucht ab: eine Hand taucht bis auf den Boden des Eimers
  • sie paddelt mit ihren Flossen: Hand auf und ab bewegen
  • eine andere Schildkröte kommt hinzu: die andere Hand mit ins Wasser legen
  • sie spielen wild zusammen: Hände aus dem Wasser schlagen, sodass Wasser spritzt
  • beide ruhen sich an Land aus: Hände aus dem Wasser nehmen und ausruhen

Natürlich gibt es noch zahlreiche andere Ideen, die Sie sich zusammen ausdenken können. Die Kinder werden sich auf das Spiel konzentrieren, ihre Aufmerksamkeit fokussieren und zur Ruhe kommen, wenn auch die Schildkröte eine Verschnaufpause braucht. Dies ist eine gelungene Kombination aus Spaß und Entspannung.

Meditation mit Triangel: Stilleübung mit Klang und Entspannung

Diese Übung ist eine Art Stilleübung und lässt sich gut mit anderen meditativen Techniken kombinieren. Sie sitzen als Gruppe in einem leicht abgedunkelten Raum in einem Kreis. Beim Klang der Triangel schließen alle ihre Augen und öffnen sie erst wieder beim nächsten Klang.

Diese Technik fällt den meisten Kindern am Anfang noch sehr schwer, weil sie beim Meditieren ruhig sitzen und die Augen geschlossen halten. Daher ergibt es Sinn, die Mädchen und Jungen langsam an den Klang und die damit verbundene „Zeit der Stille“ heranzuführen.

Kinderyoga: Entspannung durch Bewegung

Für viele Menschen ist Yoga der perfekte Ausgleich zum stressigen Alltag. Die Übungen lassen sich perfekt dazu nutzen, um den Kopf abzuschalten und sich auf die eigenen Gefühle zu besinnen. Deshalb bieten sich Yogahaltungen und -übungen dafür an, den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder zu unterstützen. Dennoch ist es auch hierbei das Ziel, zur Ruhe zu kommen.

Vielen Kindern fällt das ruhige Sitzen bei meditativen Übungen schwer, weshalb Yoga eine gute Alternative dazu ist. Hierbei können die Jungen und Mädchen ihre Körperwahrnehmung spielerisch verbessern. Dies geschieht, indem sie zum Beispiel einen Baum imitieren, der im Wind hin und her schwankt. Dabei können Sie die Bewegungen mit Atemübungen verbinden, wenn Sie zum Beispiel zusätzlich den Wind pfeifen hören, der durch die Baumkronen weht.

Tipp: Es gibt viele Haltungen, die nach Tieren oder Pflanzen benannt sind. Malen Sie diese doch zur besseren Anschaulichkeit auf Plakate. So können die Kinder die Übungen besser nachahmen und haben Spaß bei der Imitation der Tiere sowie bei der Gestaltung der Bilder.

Redaktion Prokita-Portal


Group of children doing gymnastic exercises