Bewegung im Kindergarten: Alles über Bewegungserziehung

Bewegung ist eines der wichtigsten Themengebiete der Gesundheitsförderung im Kindergarten. Denn: Das Bewegungsverhalten der Kinder hat eine große Bedeutung für die gesamte Kindesentwicklung. Um gesundheitliche Probleme vorzubeugen und den Kindern eine optimale Bewegungsförderung anzubieten, etablieren sich beständig neue Konzepte rund um das Thema Entwicklung durch Bewegung. Verschiedene Bewegungsangebote helfen Erzieherinnen und Erziehern außerdem dabei, den Kita-Alltag abwechslungsreich und spannend zu gestalten.

Kinder wollen sich bewegen: Die Grundlage für Bewegungserziehung

Die Themenfelder Bewegung und Ernährung im Kindergarten sind eng miteinander verknüpft. Wenn der eine Faktor nicht ausreichend gefördert wird, wirkt sich das auch auf den anderen aus. Das hat letztlich Konsequenzen für die gesamte Entwicklung eines Kindes. Beide Bereiche sind extrem wichtig für die Lern- und Konzentrationsfähigkeiten der Kleinen. Bewegung wirkt sich auch positiv auf die emotionale Entwicklung, die Psychomotorik und die Wahrnehmung aus.

Nicht nur die Bewegung im Kindergarten ist wichtig, auch die Ernährung spielt eine wesentliche Rolle
Ernährung bei Kindern ist auch im Kindergarten essenziell ©
Katalin-Erämie - Shutterstock


Die Bewegungserziehung der Kleinsten ist aber nicht nur die Aufgabe der Eltern. Die optimale Förderung der Fähigkeiten bedarf einer Kooperation von Familie und Kindertagesstätte bzw. Kindergarten.

Das Konzept Bewegungskindergarten ist so aktuell wie noch nie. Dabei geht es aber nicht nur um die optimale Bewegungserziehung. Im Rahmen des Konzepts sollen die Kinder auch mehr mit ihrer Umwelt in Kontakt treten. Und das geschieht über ihren Körper.

Das Problem mit dem Körper: Von Übergewicht bis hin zur Fehlhaltung

Erzieherinnen und Erzieher beobachten, dass immer mehr Kinder von Unter- oder Übergewicht betroffen sind oder unter einer Fehlernährung leiden.

Dann ist es jedoch nicht nur wichtig, am Ernährungsverhalten der Mädchen und Jungen zu arbeiten. Die Gesundheit bei Kindern fördern, damit beschäftigt sich die Bewegungserziehung im Kindergarten.

Hier ist das Ziel, den Bewegungsmangel zu reduzieren und den Kindern Spaß an der Bewegung zu vermitteln.

Ein Plus an Bewegung ist für den Körper dringend notwendig, da immer mehr Kinder Haltungsschäden haben oder über Schmerzen im Rücken klagen. Grund dafür ist nicht nur ein Bewegungsmangel, sondern auch eine fehlhafte Haltung beim Fernsehschauen oder dem typischen „gesenkten Blick“ auf das Smartphone oder das Tablet. Generell gilt: Ein Verdacht auf untypisches Verhalten ersetzt keine medizinische Diagnose. Im Zweifel sollten die Eltern einen Mediziner aufsuchen.

Doch Haltungsschäden sind nicht das einzige Problem. Immer häufiger stellen Ärzte bei Grundschulkindern Koordinationsprobleme fest. Dem kann man durch die Einübung rückengerechter Bewegungsmuster bereits im Kindergarten vorbeugen. Lockerungsübungen und Kinder-Yoga verbessern darüber hinaus nicht nur die Muskelkraft, sondern auch die Entspannungsfähigkeit und das Körperbewusstsein. Gezielte Bewegungsangebote helfen bei der Prävention und der Therapie gesundheitlicher Probleme. Doch wie kann Bewegung im Kita-Alltag zu einer Selbstverständlichkeit werden?

Bewegung heißt Lernen und Lernen heißt Bewegung

Ein Erwachsener sollte dreimal in der Woche für eine Stunde Sport treiben, um seine körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten und in Form zu bleiben. Kinder benötigen jedoch täglich ausreichend Bewegung für ihren Körper, da sie zum Aufbau der Gesundheit mehr Energie aufwenden müssen. Aber ausreichend Bewegung ist nicht nur für eine gesunde körperliche Entwicklung wichtig.

Bewegung macht Kindern Spaß und sorgt für gesunde Entwicklung.
Kinder lernen ihre Umwelt durch Bewegung besser kennen und weniger Angst zu haben ©
Syda Productions - Shutterstock


Bewegungserfahrungen sind für die meisten Kinder mit Spiel und Spaß verbunden. Ohne diese Lust würde sich aus dem unselbstständigen Baby niemals ein selbstbewusstes und tobendes Kleinkind entwickeln.

Oft ist mit dem Bewegungsdrang aber auch eine Ungewissheit verbunden. Kinder müssen immer wieder neue Situationen einschätzen und bewältigen. Nur so entwickeln sie ausreichend Eigenverantwortung und neue Fähigkeiten. Es gibt zahlreiche Körpererfahrungen, die im Kindesalter gesammelt werden:

  • Verschiedene Fortbewegungsarten (Laufen, Klettern, Kriechen, Springen)
  • Erprobung des Körpergewichts (Rollen, Drehen, Balancieren, Schaukeln)
  • Körperliche Belastung spüren
  • Bewegungen in unterschiedlichen Räumen (Hindernisse überwinden, Begrenzungen erfahren)

Vom Strampeln übers Krabbeln bis hin zum Klettern und Toben – Kinder entdecken mit und durch Bewegungen die Welt. Dabei stoßen sie auf unbegrenzte Möglichkeiten. Ein Säugling nutzt Bewegung sogar als Möglichkeit der nonverbalen Kommunikation, um den Eltern zu vermitteln, wie es ihm geht.

Die Neugier des Kindes ist ebenso groß wie der natürliche Bewegungsdrang. Neue Sinneserfahrungen gehen mit der Entwicklung des Körpers und des Geistes einher. Einem Kind, das motorische Defizite hat, werden auch Fähigkeiten wie das räumliche Denken schwerfallen. Bewegung wirkt sich auf die Entwicklung der Kompetenzen und auch auf die Denkarbeit aus. Egal ob Konzentrationsfähigkeit, Raumvorstellung, Kreativität oder Problemlösefähigkeit ­­– aktive Kinder sind oftmals nicht nur körperlich, sondern auch kognitiv besserer entwickelt.

Je mehr Erfahrungen die Kleinsten mit unterschiedlichen Bewegungsabläufen und Aktivitäten sammeln, desto selbstbewusster gehen sie durchs Leben. Auch für den Eintritt in die Schule ist ein gutes Körpergefühl von Vorteil. Denn dort warten noch zahlreiche Herausforderungen und Neuerungen, an denen ein Kind wachsen kann.

Die optimalen Bewegungsangebote finden

Bewegungsangebote in der Kita, Bewegungen Kindern im Kindergarten ermöglichen
Wie können Kitas Bewegungsräume für Kinder am besten gestalten? © Prokita-Portal.de

Praktisch: Bewegungsdrang ist angeboren. So haben die Kids ausreichend eigene Bewegungsimpulse für eine gesunde Entwicklung – wenn man sie lässt. Ziel einer jeden Kita sollte es sein, die entsprechenden Bewegungsangebote und Bedingungen zu schaffen, damit die Kinder ihre motorischen Fähigkeiten trainieren und ausbauen können.

Gestaltung der Räume – Bewegungsanlässe schaffen!

Doch wie kann man die Räumlichkeiten eines Kindergartens oder einer Kindertagesstätte gestalten, sodass sie die Kinder zur Bewegung animieren? Es bietet sich an, den Kindern die Möglichkeit zu verschaffen, aus verschiedenen Materialien eigene Bewegungslandschaften zu kreieren. Das können wie zum Beispiel bei der Bewegungsbaustelle Schaumstoffblöcke sein. Diese bauen die Kids ganz individuell zu Türmen zusammen, auf die sie dann klettern können.

Oder man bietet den Kindern vielseitig einsetzbare Gegenstände wie Kisten, Bälle oder Seile an. Sie dienen als Hindernisse, um die man sich in einem Parcours bewegen muss. Ein kreatives Chaos aus Bockleitern und Brettern stillt ihren Bewegungsdrang, animiert sie zu einer konzentrierten Planung und spricht ihre Kreativität an. So wird auch schnell mal ein Tisch umgedreht und als Schiff umfunktioniert.

Eine andere Möglichkeit ist es, im Umfeld des Kindergartens Freiflächen zu erschließen und die Kinder dort spielen zu lassen. Dies kann eine schöne Wiese sein oder eben auch ein nahe gelegener großer Spielplatz. Hier haben die Kleinen unterschiedliche Möglichkeiten, sich auszutoben und miteinander zu spielen. Nutzen Sie die Ausflüge für Bewegungsspiele, die nicht nur Spaß machen, sondern zudem die Entdeckungsmöglichkeiten der Umwelt erweitern.

Man sieht: Es ist nicht immer ein radikaler Umbau nötig, um den Kindern neue Bewegungsangebote zu bieten. Wichtig ist es, ungeeignete Materialien und ablenkende Tätigkeiten zu verhindern und dafür bei den Innen- und Außenräumen des Kindergartens auf eine bewegungsfreundliche Gestaltung zu achten.

Mit wenig Aufwand lassen sich Klettermöglichkeiten für Kinder im Kindergarten herrichten
Mit wenig Aufwand lassen sich Klettermöglichkeiten für Kinder im Kindergarten herrichten © Alexandr Grant - Shutterstock


Unterwegs suchen Kinder sowieso immer selbstständig Bewegungsherausforderungen. Sie klettern auf Hügel oder Bäume, springen in Pfützen oder balancieren auf Baumstämmen.

Allerdings sollten diese Herausforderungen immer von den Kindern freiwillig gewählt werden. Alle Erfahrungen wirken sich auf das Selbstbewusstsein des Kindes aus und dürfen nicht erzwungen sein. Die Erzieherinnen und Erzieher sollten den Kleinen Mut machen, aber sie niemals zwingen.

Bewegungsraum – eine bewegungsfreundliche Umgebung schaffen

Es ergibt Sinn, dass Kindergärten den Kindern mehr Freiräume für das freie Spiel und individuelle Bewegungserfahrungen einräumen. Warum also nicht einen eigenen Bewegungsraum einführen? Wenn Ihre Kita oder Ihr Kindergarten die räumlichen Kapazitäten dafür hat, ist dies eine ideale Möglichkeit, mit den Kindern ein neues Konzept zu entwickeln.

Vor allem Bewegungskindergärten setzen auf immer neue und vor allem bewegungsfreundliche Gestaltungsideen, mit denen sie die Kinder ausreichend fördern. Viele Eltern vertrauen dieser Methodik, wodurch motorische Fähigkeiten besonders gefördert werden.

Natürlich sollte ein Bewegungsraum nicht zu jeder Zeit frei zugänglich sein. Ebenso wichtig wie Bewegungserziehung sind auch Pausenzeiten und Ruhemöglichkeiten. Bewusste Bewegungsanlässe, wie das Klettern in Turnstunden oder Spiele mit Bällen, fördern die Entwicklung.

Auch ein geregeltes, spielerisches Raufen ist in solch abgetrennten Räumen möglich. Seine Kräfte zu messen ist grundsätzlich nicht verboten. In diesen spielerischen Kämpfen lernen die Kinder gewaltpräventive und persönlichkeits- bzw. entwicklungsfördernde Elemente kennen. Durch die Reaktion des Gegenübers erfährt das Kind eine unmittelbare Wirkung auf das eigene Handeln. Es ist wichtig, dass die Kinder lernen, ihre Kräfte einzuschätzen, Empathie zu entwickeln und Grenzen kennenzulernen.

Ein eigener Bewegungsraum eröffnet dafür Raum, aber schafft auch Abstand und Abgrenzung zum restlichen Kindergarten-Gelände. Diese formal-räumliche Trennung hilft den Kleinen zu unterscheiden: Wo darf ich wie handeln? Was ist im Kita-Alltag erlaubt? Was darf ich bei Wettkämpfen alles tun und was nicht?

Bewegungsangebote durch Kooperationspartner finden

Als Erzieher können Sie zudem mit Kooperationspartnern in Kontakt treten. Dies können Angebote des Sportvereins oder der Gemeinwesenarbeit sein. So haben Sie als Kita- oder Kindergarten-Gruppe die Möglichkeit, verschiedene Aktivitäten auf Fußballfeldern oder in Turnhallen auszuprobieren. So erweitern Sie nicht nur das Angebot an Aktivitäten außerhalb der Kita, sondern fördern auch die private Freizeitgestaltung der Jungen und Mädchen. Durch den sportlichen Exkurs erhalten diese einen Einblick in die verschiedenen Sportangebote. Beispiele für solche Aktivitäten sind:

  • Turnen oder Gymnastik
  • Ballsportarten
  • Schwimmen

In diesem Zuge bietet es sich zumindest in Kindergärten auch an, die Kinder an den ersten Schwimmunterricht heranzuführen. Immer weniger Kinder lernen das Schwimmen. Doch je früher sie damit anfangen, desto einfacher fällt es ihnen. So kommen die Kinder nicht nur ihrem natürlichen Bewegungsdrang nach, sondern können sich in Zukunft auch sicher im Wasser bewegen. Und das ganz ohne Schwimmflügel.

Kreative Bewegungsspiele für kleine Abenteurer

Es gibt verschiedene Methoden, um die motorischen Fähigkeiten der Kinder durch Spiele auszubauen. Zunächst ein paar Ideen, die sich auf dem Außengelände anbieten, da man mehr Platz benötigt.

Bewegen durch bauen von Entdecker-Höhlen

Für diese Idee brauchen Sie nicht viel: Besorgen Sie einfach große und günstige Erdbeernetze aus einem Bau- oder Gartenmarkt. Diese spannen Sie anschließend im Außengelände zwischen Sträuchern, Bäumen oder anderen Hindernissen. So entstehen im Handumdrehen Gänge und Höhlen. Diese eignen sich für Kinder ideal zum Verstecken, Spielen und Kriechen. Zudem können die Kleinen die Netze mit Blumen, Gräsern oder anderen Kleinteilen aus dem Garten schmücken. Die Kinder gestalten auf diese Art kreative und individuelle Fantasie-Häuser.

Sich wie Tiere bewegen

Dieses Spiel kann sowohl drinnen als auch draußen gespielt werden. Eine Erzieherin oder ein Erzieher ruft laut „Habt ihr schon einen Elefant gesehen? Habt ihr gesehen, wie er läuft?“ oder „Habt ihr schon eine Schlange gesehen? Habt ihr gesehen, wie sie schlängelt?“ Die Kinder machen dann die entsprechende Bewegung nach und können wie Vögel fliegen, Frösche hüpfen oder Eidechsen kriechen.

Hindernisrennen - bewegen über den Parcour

Bauen Sie doch mit den Kindern zusammen einen Parcours im Außengelände oder dem Turnraum. Egal ob Bänke, Springböcke oder Matten – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Hindernisse werden die Kleinen körperlich und motorisch fordern. Zudem wird bei ihnen der Ehrgeiz geweckt zu gewinnen. Im Spiel können sie weitere wichtige Kompetenzen der Entwicklung wie Fairness, Disziplin und Mut festigen. Wer wird wohl beim nächsten Rennen der Schnellste sein?

Bewegung spiegeln

Die Kinder des Kindergartens stellen sich als Paare gegenüber. Nun hat der eine Partner die Aufgabe, die Bewegungen seines Gegenübers nachzuahmen – wie ein Spiegelbild. Dies fördert nicht nur die Bewegung der Kinder, sondern animiert sie auch zur Interaktion miteinander. Das wirkt sich wiederum positiv auf die soziale Kompetenz der Kinder aus.

Bewegungsförderung und Bewegungserziehung: Spaß ist Pflicht

In Kita und Kindergarten stehen Spiel, Spaß und Motivation an erster Stelle. Die Maßnahmen und die Aufgabe zur Bewegungsförderung sollten keinen zwanghaften Charakter aufweisen. Im Gegenteil: Nur wenn die Förderung von Bewegung Freude bereitet, nehmen die Kleinen das auch an. Zu einer fruchtbaren Bewegungserziehung gehören nicht nur Bewegungsmöglichkeiten im Kindergarten.

Auch Bewegungsspiele bieten vielfältige und abwechslungsreiche Möglichkeiten. Sie lassen sich in großen und kleinen Gruppen spielen. Gleichzeitig eignen sie sich für Kinder jedes Alters und haben dabei einen positiven Effekt auf Koordination, Psychomotorik und soziale sowie emotionale Kompetenzen.

Redaktion Prokita-Portal


Bewegung ist für Kinder wichtig © Oksana Kuzmina - Shutterstock