Bewegungsgeschichten für Kinder: Ideen für die Praxis

Kinder haben eine fast grenzenlose Fantasie. Und sie lieben fiktive Geschichten oder Märchen. Eine gute Möglichkeit, dieses Interesse mit dem natürlichen Bewegungsdrang der Kleinen zu verbinden, sind Bewegungsgeschichten. Gerade im Kindergarten lassen sich solche Geschichten ganz einfach in den Tagesablauf einbinden: Alles, was es braucht, ist eine Gruppe von Kindern, einen guten Erzähler und eine packende Geschichte!

Kita-Alltag: Warum Kindern Bewegungsgeschichten erzählen?

Vorteile von Bewegungsgeschichten im Kindergarten
Infografik Bewegungsgeschichten machen Spaß und fördern die Entwicklung der Kinder © Prokita-Portal

Warum sollte man Kindern eigentlich eine Bewegungsgeschichte erzählen? Die einfachste Antwort lautet: Weil das den Mädchen und Jungen sehr viel Spaß macht. Doch wie hinter vielen anderen Bildungsangeboten im Kindergarten und Spielformen auch, steckt hinter Bewegungsspielen und -geschichten noch mehr als die reine Freude an der Bewegung.

Koordination, Motorik und Körpergefühl: Alleskönner Bewegungsgeschichte

Die bunten Storys geben den Kindern Anreize, neue Bewegungsformen auszuprobieren, die sie bisher noch nie oder nur selten ausgeführt haben. Anders als bei Bewegungsspielen im Kindergarten lassen sich so gezielte Bewegungsabläufe erlernen: Bei Kindern, die noch Nichtschwimmer sind, können das zum Beispiel auf dem Bauch liegend gezielte Schwimmbewegungen sein, die in einer Geschichte vorkommen. Oder das Schleichen auf den Fußspitzen, wenn die Geschichte gerade davon handelt, so leise wie möglich sein zu müssen.

Kinder sind unterschiedlich und so lernen sie Übungen auf verschiedenen Wegen kennen
Jedes Kind übt seine Übungen auf unterschiedliche Art und Weise © MsDianaZ - Shutterstock

Viele dieser Bewegungen der Hände, der Arme und des gesamten Körpers probieren Kinder häufig auch durch Zufall aus. Allerdings lernen sie bei Bewegungsgeschichten, die Bewegung so exakt wie möglich auszuführen. Wenn der Leiter oder die Leiterin der Gruppe also sein Bein zum Storchenlauf anhebt, um durchs Wasser zu staksen, kann er oder sie die Kinder ermutigen, die Übung so genau wie möglich mitzumachen. Die Aufgabe „hebt euer Bein weit nach oben und zieht eure Fußspitze an“ ist für die meisten Kinder relativ anspruchsvoll. Diese Aufgabe fordert die Motorik und den Gleichgewichtssinn der Kinder gleichermaßen.

Durch Bewegungsspiele und -geschichten die Konzentrationsfähigkeit fördern

Geschichten, zu denen sich die Kinder bewegen, fördern die Konzentrationsfähigkeit auf spielerische Art und Weise. Oft folgen während einer Bewegungsgeschichte recht viele unterschiedliche Bewegungsabläufe aufeinander.

Häufig greifen Bewegungsgeschichten Abläufe, die vorher langsam durchgeführt wurden, am Ende noch einmal dicht aufeinanderfolgend auf. Dann ist es für viele Kinder zu Beginn schwierig, im richtigen Moment zu stampfen, hüpfen oder die Arme nach oben zu strecken. Je häufiger die Geschichte wiederholt wird, desto besser werden die Mädchen und Jungen darin, den Bewegungen in der Geschichte zu folgen – und das ganz ohne Leistungszwang. So profitieren Eltern gleichermaßen wie Erzieherinnen und Erzieher von den spaßigen Mitmachspielen aus dem Bewegungsland.

Fantasie und Vorstellungskraft: Die Macht der Imagination

Natürlich regen Bewegungsgeschichten auch die Fantasie von Kindern an. Lassen Sie die Kleinen ruhig an der Entwicklung der Geschichten teilhaben:

  • Wollen sie vielleicht lieber über den Boden robben, um auch ja nicht gesehen zu werden?
  • Dürfen sie sich überhaupt nicht bewegen, wenn in der Geschichte ein Löwe auftaucht?
  • Sollten die Kinder lieber komplett erstarren?
  • Oder fällt ihnen vielleicht ein anderer Ausgang für eine der Geschichten ein?

Die Sinneserfahrung durch eigene Bewegung hilft Kindern auch, Geschichten besser zu verstehen. So können sich die Kids genauer in die Gefühlswelt der Akteure hineinversetzen. Dieses Verständnis trägt dazu bei, dass sie später, wenn sie lesen lernen, Erzählungen schneller und besser aufnehmen können.

Bewegungsgeschichte: Mit der Eisenbahn möcht ich gerne fahren

Die nachfolgende Bewegungsgeschichte eignet sich für ältere Krippenkinder genauso wie jüngere Kindergartenkinder im Alter von zwei bis drei Jahren. Der Vorteil: Bei dem Bewegungsspiel in der Kita benötigen Sie keine weiteren Materialien. Zudem eignet sich das Bewegungsspiel durch seine Dynamik sehr gut, ein Spiel von drinnen nach draußen oder umgekehrt zu verlagern.

Das Spiel beginnt im Kreis. Sie als pädagogische Fachkraft sprechen den Text und machen zugleich die Bewegungen vor. Die Mädchen und Jungen dürfen mitmachen:

Text:Bewegungen:
Kinder, Kinder welch ein SpaßLaut in die Hände klatschen
mit der Eisenbahn geben wir jetzt Gas.Rechten Fuß ausstrecken
Schnell! Steigt alle ein,Eine halbe Drehung nach links machen
um bei unserer Fahrt dabei zu sein.Alle legen ihrem Vordermann die Hände auf die Schultern. Sie stehen ganz vorne und das Kind hinter Ihnen umfasst Ihre Hüfte.
Achtung, wir fahren los.Alle gehen im Schritttempo in eine Richtung.
Um diese Kurve – die ist groß.Gemeinsam fahren Sie eine große Kurve im Gruppenraum.
Jetzt noch ein Stückchen geradeausAlle Kinder halten sich weiterhin an den Schultern fest.
und durch die Tür in den Flur hinaus.Alle gehen in den Flur hinaus.
Hier ist der Bahnhof wir steigen aus.An den Garderoben halten alle Kinder an.
Zieht Eure Jacken an, wir gehen raus. Mit Ihrer Hilfe kleiden die Kinder sich an und gehen nach draußen.

Aber natürlich steht es jedem Erzähler frei, die Geschichte nach Belieben zu ergänzen oder zu ändern.

Möchten Sie das Spiel zum Beispiel in die Turnhalle verlegen, lässt sich das Bewegungsspiel mit folgendem Text beenden: 

Hier geht’s jetzt in den BewegungsraumAlle Kinder gehen in den Bewegungsraum.
Turnen, Springen – welch ein Traum.Alle laufen und springen im Raum umher. 

Das ist nur einer von vielen Wegen, wie Sie als Erzieher die Bewegungsgeschichten für den Kindergarten immer wieder verändern und erneuern können. Die Möglichkeiten für unterschiedliche Übungen sind endlos.

Ist das Interesse an einer Bewegungsgeschichte besonders groß, kann man einem kleineren Kreis von Kindern aus der Kindertagesbetreuung die Vorbereitung auf die nächste Geschichte übergeben. Sie dürfen sich also neue Bewegungsformen, Übungen und Geschichten überlegen und dabei ihren Ideen freien Lauf lassen.

Weitere Bewegungsgeschichten für Kinder: Ideen und Impulse für die Kita

Geschichten, zu denen sich Kinder bewegen, sind eine optimale Möglichkeit, um Kopf und Körper in der Kita gleichzeitig zu aktivieren. Außerdem laden sie jedes Kind – fernab von Leistungszwang – ein, mitzumachen und Spaß zu haben. Egal mit welcher Geschichte: Kinder lieben es, ihre Fantasie auszuleben, während sie die Arme strecken, von einem Bein aufs andere hüpfen oder auf dem Bauch liegend mit schnellen Schwimmbewegungen durch einen gedachten Fluss schwimmen. Wohl auch deshalb ist das Angebot an Bewegungsgeschichten so riesig: Sowohl online als auch im Printformat finden sich zahlreiche weitere Erzählungen, zu denen sich hüpfen, stampfen und spielen lässt.

Wer als Erzieher in einem Kindergarten oder als Elternteil aber nicht immer neue Geschichten recherchieren möchte, findet eine umfassende Sammlung aller möglichen Bewegungsgeschichten auch in verschiedenen Büchern. So auch im Buch „Bewegungsgeschichten: Wir reisen ins Bewegungsland“ von Gisela Stein. Das Buch ist in zahlreichen Buchhandlungen, auf Amazon und über Amazons Leseabonnement „kindle unlimited“ sogar kostenlos verfügbar. Für Erzieherinnen und Erzieher, die mit den Kindern das ganze Jahr über geheime Höhlen erforschen, mit der Eisenbahn fahren oder dem kleinen Weihnachtsmann aus der Patsche helfen wollen, ist es sicherlich geeignet!

Redaktion Prokita-Portal


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