Mobbing im Team der Kita begegnen: Strategien und Maßnahmen

Streit steht im Kindergarten an der Tagesordnung: Vor allem unter den Kindern gibt es fast immer kleine Streitigkeiten, die von den Erzieherinnen und Erziehern geschlichtet werden müssen. Doch nicht nur unter den Kindergartenkindern kann es zu Unstimmigkeiten kommen: Auch Kollegen streiten sich – sei es aus persönlichen oder beruflichen Gründen. Doch was tun, wenn es nicht bei einem normalen Streit bleibt, sondern es sich zur systematischen Schikane – in anderen Worten Mobbing – entwickelt? Es ist wichtig, das Teamarbeit in der Kita reibungslos funktioniert!

Mobbing im Kita-Team: Was bedeutet Schikane am Arbeitsplatz?

Die Zahlen zum Mobbing am Arbeitsplatz sind erschreckend: So geben elf Prozent der Beschäftigten in Deutschland an, schon einmal bei ihrer Arbeit gemobbt worden zu sein – branchenübergreifend. Doch nicht jeder Streit ist sofort mit Mobbing gleichzusetzen.

Differenzen im Team: Völlig normal und in der Regel harmlos

Denn wo eine Gruppe von Menschen zusammenarbeitet, gibt es unweigerlich Probleme – auch in einer sozialen Einrichtung. Nicht selten ist gerade in einem pädagogischen Beruf das Streitpotenzial besonders hoch. Menschen arbeiten mit Menschen zusammen. Dabei treffen unwillkürlich verschiedene Standpunkte aufeinander: Sei es, weil Kollegen Differenzen beim richtigen Umgang mit Kindern oder Eltern haben. Oder weil sie auf persönlicher Ebene nicht auf einer Wellenlänge schwimmen.

Was grenzt Mobbing von Streitigkeiten ab?

Mobbing im Kitateam, Unterschied zwischen Mobbing und Streit im Kindergarten-Team
Infografik - Wo hört Streit im Kita-Team auf und wo fängt Mobbing an? © Prokita-Portal

Während kleine Streitigkeiten normal sind, gibt es jedoch auch Fälle, in denen nicht mehr von normalen Konflikten gesprochen werden kann. Zwei wichtige Merkmale grenzen harmlosere Streitigkeiten von Mobbing ab:

  • Systematische Ausgrenzung oder Schikane: Die Gemeinheiten erfolgen systematisch. Das heißt: Wenn Kollegen oder Vorgesetzte in der Kita zielgerichtet vorgehen, ist die Handlung als strafbar einzustufen.
  • Psychoterror über einen langen Zeitraum: Die Handlungen fallen wiederholt vor. Hierbei muss nachgewiesen werden, dass es sich nicht um einen einzelnen Vorfall handelt. Sonst könnte man auch von einem einmaligen Versehen ausgehen.

Mobbing kann dabei verschiedene Vorgänge beschreiben. So können sich Mitarbeiter gemobbt fühlen, wenn sie schikaniert, benachteiligt, ausgegrenzt oder beleidigt werden. Direkte körperliche Gewalt ist selten der Fall.

Wie kann Mobbing in der Kita aussehen?

Mobbing am Arbeitsplatz hat viele Gesichter. Gerade im Kindergarten-Umfeld ist es eher schwierig, Arbeitsergebnisse zu manipulieren. In die direkte Arbeit mit Kindern kann niemand eingreifen. Was aber auch in Mobbing ausarten kann, ist wenn Fähigkeiten angezweifelt werden. Wird eine Erzieherin oder ein Erzieher ständig für pädagogische Entscheidungen oder das Verhalten gegenüber der Kinder kritisiert, kann das auf Dauer verheerende Folgen haben. Nicht nur für das Arbeitsklima, sondern auch für das Mobbing-Opfer, das schlimmstenfalls Selbstwertprobleme entwickelt.

Verschweigen Kolleginnen und Kollegen einem Teammitglied systematisch wichtige Informationen – beispielsweise über die Kinder, die Wochenplanung oder die Ergebnisse aus der Elternbeiratssitzung – ist das ebenfalls Mobbing. Auf persönlicher Ebene gelten Verleumdung, Beleidigung oder kategorisches Ignorieren ebenfalls als Anzeichen für Mobbing.

Die Folgen: Wieso ist Mobbing am Arbeitsplatz so schlimm?

Auch hier sprechen die Zahlen eine erschreckende Sprache: So schätzt die Gewerkschaft ver.di den wirtschaftlichen Schaden von Mobbing auf etwa 15 bis 25 Milliarden Euro. Denn: Mobbing am Arbeitsplatz hat weitreichende Folgen für die Betroffenen. So verursacht die systematische und dauerhafte Schikane bei der Arbeit psychische und physische Krankheiten, die über Jahre andauern können:

  • Depressionen, Angstzustände oder Verfolgungswahn
  • Probleme beim Atmen, Ess- und Schlafstörungen, Schwindel oder dauerhafte Kopfschmerzen.
  • Herz-Kreislauf-Probleme und Magengeschwüre

Solche Krankheitsbilder haben zur Folge, dass die betroffenen Menschen entweder für eine lange Zeit oder sogar komplett aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Die Folgen sind damit nicht nur für das Opfer selbst fatal: Auch für eine Kindertagesstätte bedeutet Mobbing bei der Arbeit einen immensen Schaden – sowohl wirtschaftlich als auch in Bezug auf das Image einer Einrichtung. Denn wer gibt schon gerne seine Kinder in die Obhut einer streitenden Belegschaft? Und wer arbeitet schon gerne in einer Kita, bei der eine Erzieherin oder womöglich die Leitung aufgrund von Mobbing gehen musste?

Phasen von Mobbing: Die sukzessive Steigerung

Wird eine Erzieherin oder ein Erzieher systematisch und über einen langen Zeitraum hinweg schikaniert, sollten Vorgesetzte und Kollegen eingreifen, bevor es zu spät ist. Häufig steigert sich Mobbing sukzessive und durchläuft dabei vier Phasen:

  1. Durch einen schwelenden Konflikt gibt es (unzutreffende) Schuldzuweisungen und persönliche Angriffe.
  2. Die Angriffe bleiben nicht beim Einzelfall: Die Person fühlt sich gemobbt und ausgegrenzt.
  3. Verunsicherung und Verängstigungen sind der Fall. Dadurch macht das Mobbingopfer mehr Fehler und kann sich nicht mehr richtig konzentrieren. Sanktionen wie Abmahnungen oder Versetzungen in eine andere Gruppe können die Folge sein.
  4. Die betroffene Person resigniert und kündigt ihre Arbeit – oder die Leitung kündigt dem Betroffenen.

Mobbing muss dabei nicht immer nur von Kolleginnen oder Kollegen ausgehen: Auch Vorgesetzte sind zum Teil aktiv am Mobbing beteiligt – entweder allein oder gemeinsam mit anderen Mitarbeitern. Auch hier lassen die Zahlen aufhorchen: Insgesamt gehen 37 Prozent der Mobbingfälle von der Leitung bzw. einer Führungskraft aus. In 12 Prozent der Fälle gibt es Mobbing von Vorgesetzten gemeinsam mit anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Mobbing im Team ist nichts mehr ungewöhnliches
Mobbing ist heutzutage ein großes Thema, welches immer mehr leider an Bedeutung gewinnt © vectorfusionart - Shutterstock

Gerade die Schikane durch Führungskräfte kann für die Opfer besonders schlimm sein. Denn das Gefühl der Hilflosigkeit erhöht sich immens, wenn die Person, die in der Macht steht, das Mobbing zu unterbinden, an der Ausgrenzung selbst beteiligt ist. Hilfe kann in solchen Fällen eine Mobbingberatungsstelle, der Träger der Kita oder die Gewerkschaft geben.

Wie ist die rechtliche Situation bei Mobbing am Arbeitsplatz?

Ein direktes Anti-Mobbing-Gesetz gibt es in Deutschland nicht – im Unterschied beispielsweise zu Frankreich oder Schweden. Dennoch haben Betroffene Rechte, die sie bei einem Mobbing-Fall geltend machen können. So hat der Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht, die auch für das psychische Wohlergehen aller Mitarbeiter gilt. Das heißt, dass die Führungskraft eingreifen muss, wenn sie von Mobbing erfährt, indem sie die Mobber:

  • ermahnt
  • abmahnt
  • versetzt oder
  • kündigt

Außerdem muss sich – wenn vorhanden – auch der Betriebsrat um das Wohlergehen der Mitarbeiter kümmern. Mitunter gibt es vielleicht auch beim Träger einen Ansprechpartner, der sich Mobbingfällen annimmt. Fakt ist: Nur wenn ein Mobbingfall bekannt ist, können Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Halten Sie Kollegen und Mitarbeiter daher dazu an, nicht untätig zuzusehen, wenn es zu systematischer Schikane kommt.

Kitaleitung: Was tun bei Mobbing in der Kita?

Wenn die Kitaleitung erfährt, dass eine Erzieherin oder ein Erzieher gemobbt wird, liegt es an ihr, mit der Situation entsprechend umzugehen. Das ist nicht nur ihre moralische, sondern auch ihre gesetzliche Pflicht. Entsprechende Maßnahmen können sein:

  • Führen Sie ein Gespräch: Sprechen Sie die Mobber auf die nicht zu tolerierende Situation an. Machen Sie Ihrem Gesprächspartner deutlich, dass die Initiative der Unterhaltung nicht von der gemobbten Person ausgeht, sondern von Ihnen als Führungskraft.
  • Suchen Sie nach dem Grund des Problems: Wo liegen die Probleme, die zum Mobbing führen? Haben die Kinder etwas damit zu tun? Nicht selten liegen die Gründe weniger an der gemobbten Person selbst, sondern vielmehr an der unzufriedenstellenden Situation des Täters. Dieser lässt seine Wut und Enttäuschung dann an einem anderen Kollegen aus.
  • Zeigen Sie Konsequenzen auf: Ermahnen Sie den Mitarbeiter insofern, als dass Sie ihm aufzeigen, dass Sie sein Verhalten nicht weiter dulden werden. Zeigen Sie auf, dass es Konsequenzen geben wird, wenn der Mobber sein Fehlverhalten nicht abstellt.

Wenn diese Maßnahmen nicht greifen, sollten auch Sie als Führungskraft Hilfe dazu holen. Das kann entweder durch externe Streitschlichter oder eine weitere Führungskraft sein. Lässt sich das Problem nicht nur durch Er- und Abmahnungen lösen, ist die Kündigung der mobbenden Person unumgänglich.

Was können vom Mobbing betroffene Mitarbeiter unternehmen?

Das Beste, was Mobbingopfer tun können, ist auf die Schikane zu reagieren. Denn wer nichts sagt, dem kann in vielen Fällen auch nicht geholfen werden. Mobber fühlen sich dadurch gestärkt – eine Verbesserung der Lage ist somit so gut wie aussichtslos. Daher kann es hilfreich sein, bestimmte Maßnahmen einzuleiten:

  • Ignorieren: Aktiv sein kann auch bedeuten, dass Sie bewusst passiv bleiben. Wenn Sie auf die Schikane der Kollegen keine Reaktion zeigen, verlieren diese schnell die Motivation. Ihre Kollegin hält Sie immer wieder dazu an, ihre Aufgaben zu übernehmen und die Turnstunden zu planen, obwohl es nicht Ihr Job ist? Überhören Sie dies einfach. Diese Strategie ist jedoch nicht immer hilfreich. Gerade, wenn das Mobbing subtiler oder mit mehr Druck von sich geht, sollten Sie die Schikane verbalisieren.
  • Schritt nach vorne wagen: Sprechen Sie den Mobber auf die Situation an – am besten vor Zeugen. Holen Sie sich eine Kollegin oder einen Kollegen dazu, der Ihnen den Rücken stärkt. Im Fall der Turnstunde: Sagen Sie aktiv „Nein“ und fragen Sie, wieso Ihre Kollegin die Arbeit nicht selbst erledigen, sondern auf Sie abschieben möchte.
  • Vorgesetzten einschalten: Wenn nichts mehr hilft, sollten Sie die Leitung einschalten. Bevor Sie das Gespräch führen, ist es sinnvoll, die vergangenen Ereignisse zu rekapitulieren. Was ist wann geschehen? Um alles genau wiedergeben zu können, ist es sinnvoll, ein Protokoll der Vorfälle anzufertigen.

Die Kündigung ist schließlich der letzte Ausweg. Denn wenn Ihre Gesundheit auf dem Spiel steht, sollten Sie sich nicht davor scheuen, auch drastische Schritte zu gehen. Machen Sie sich im Falle einer Kündigung klar: Das ist keine Niederlage! In einer Kita, die ein schlechtes Betriebsklima in Verbindung mit Mobbing duldet, sollten Sie nicht arbeiten. Wagen Sie den Absprung, bevor sich die untragbare Situation in Ihrer Gesundheit bemerkbar macht.

Präventiv vorgehen: Die Teamarbeit in der Kita stärken

Damit Mobbing in der Kita keine Chance hat, ist es wichtig, ein Wir-Gefühl zu fördern und den Teamgeist zu stärken. Denn wenn aus der Gruppe von Erziehern ein Team wird, hat Mobbing am Arbeitsplatz so gut wie keine Chance. Nützlich können hier zum Beispiel Teambuildingmaßnahmen sein, an denen das ganze Kollegium – einmal fernab der Kinder – teilnimmt:

  • Besuch im Klettergarten
  • Betriebsausflug in den Zoo
  • Exit-Spiele mit Rätseln

Mithilfe von teamstärkenden Spielen und Trainings werden die Kommunikation und Zusammenarbeit im Team Kita gestärkt. So können auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die persönlich weniger miteinander zu tun haben, in Kontakt treten. Gleichzeitig lernt man sich außerhalb der Einrichtung in einem neuen Umfeld noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen und schätzen.

Doch auch im Kita-Alltag ist es einfach, eine Kommunikation auf Augenhöhe zu ermöglichen und den Teamspirit zu stärken: Regelmäßige Teamsitzungen und ein offenes Arbeitsklima helfen dabei, dass Probleme ehrlich miteinander diskutiert werden können. Lassen Sie unterschiedliche Meinungen, beispielsweise in Bezug auf die Wochenplanung, zu. Fördern Sie die konstruktive und respektvolle Diskussion. So fangen Konflikte erst gar nicht an zu schwelen, sondern werden von Beginn an besprochen – und im besten Fall auch gelöst.

Redaktion Prokita-Portal


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