Eingewöhnung in die Kita: Erfolgreicher Übergang in die Fremdbetreuung

Für Kleinkinder ist der Übergang von der Heim- in die Fremdbetreuung eine sehr sensible Zeit. Die Kinder sind das erste Mal von Mama und Papa getrennt. Sie müssen Vertrauen zu einer neuen Bezugsperson aufbauen und sich an das Miteinander mit den anderen Kindern gewöhnen. Um die Eingewöhnung trotz dieser Herausforderungen so erfolgreich wie möglich zu gestalten, sind die Erzieherinnen und Erzieher gefragt. In enger Zusammenarbeit mit den Eltern bemühen sich die pädagogischen Fachkräfte, einen möglichst sanften Einstieg in die Kita zu ermöglichen.

Eingewöhnung in die Kita: An die neue Umgebung gewöhnen

Die Phase der Eingewöhnung beschreibt das sanfte Heranführen eines Kindes an den Kindergartenalltag. Dieser Abschnitt ist essenziell, damit sich die Kinder an ihre neue Umgebung gewöhnen können. Die Eingewöhnungszeit hilft dabei, dass ein Kind die Erzieherin oder den Erzieher als neue Bezugspersonen akzeptieren. In den meisten Fällen setzen Erzieher hierbei auf die Anwesenheit der Eltern. Mit einem Elternteil oder sogar zusammen mit Mama und Papa an der Seite erkundet ein Kind die ungewohnte Situation im Kindergarten. So fasst es den Mut, später auch allein in der Einrichtung zu bleiben.

Wie erfolgreich die Eingewöhnungszeit verläuft, hängt dabei unter anderem vom Charakter des Kindes ab. Manche Jungen und Mädchen brauchen die Anwesenheit der Eltern einfach länger als andere. Dies sollte die Erzieherin oder der Erzieher in jedem Fall berücksichtigen. Ein Kind, das noch nicht bereit ist, sich auf den Kindergartenalltag einzulassen, sollte dazu auch nicht gedrängt werden. Im schlimmsten Fall kann das unvermittelte Alleinlassen traumatische Folgen für die Kinderseele haben – umso wichtiger also, auf einen sanften Start in der Kita zu achten.

Dauer der Eingewöhnung in die Kita

Wie lange die Eingewöhnung dauert, hängt zum einen vom Alter des Kindes ab. Zum anderen spielt auch die Persönlichkeit eine wichtige Rolle. Sehr elternbezogene Kinder brauchen für die Eingewöhnung länger, als Kinder, die einen weniger starken Bezug zu Mama und Papa haben. Eine Faustregel für die Dauer der Eingewöhnungsphase gibt es daher nicht. Vielmehr steht das Kind als Individuum im Mittelpunkt: Die Eingewöhnung kann vier Wochen dauern, sie kann im Einzelfall aber auch deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen oder bereits nach zwei Wochen abgeschlossen sein.

Eingewöhnungsphase unterscheidet sich von Kind zu Kind
Die Eingewöhnungszeit ist bei jedem Kind unterschiedlich © Rawpixel.com - Shutterstock

Interessant: Erst im Alter zwischen neun und 20 Monaten entwickeln die Kinder ein Bindungsgefühl zu den Eltern. Das bedeutet, dass sie erst dann auf die Trennung von einer Bezugsperson emotional reagieren. Die Eingewöhnung für sehr junge Babys ist aus diesem Grund oftmals noch einfacher als für Kindergartenkinder im Alter von drei Jahren.

Je nach Eingewöhnungsmodell bleiben die Eltern bzw. ein Elternteil während der ersten Tage oder gar Wochen an der Seite des Kindes. Erst dann erfolgt ein erster Trennungsversuch. Nicht immer verläuft dieser gleich erfolgreich. Je nach Verhalten des Kindes muss man daher die Dauer der Eingewöhnungszeit anpassen. Es ist sinnvoll, den jeweiligen Bindungs- und Entwicklungsstand eines Kindes bei der Planung der Übergangsphase in die Fremdbetreuung zu berücksichtigen.

Eltern als ausschlaggebender Faktor

Das Verhalten des Kindes während der Eingewöhnung hängt entscheidend mit den Einstellungen der Eltern zusammen. Die Töchter und Söhne spüren ganz genau, wenn ihre Eltern für die bevorstehende Trennung noch nicht bereit sind. Die Väter und Mütter übertragen ihre Emotionen buchstäblich auf ihre Zöglinge. Nach der Elternzeit ist es nicht selten, dass die Erziehungsberechtigten selbst noch nicht bereit für den Trennungsversuch sind.

Damit das Loslassen leichter fällt, müssen die Eltern Vertrauen zu den Erzieherinnen und Erziehern aufbauen. Denn nur wenn sie sich sicher sind, dass ihre Kinder in guten Händen sind, strahlen die Mütter und Väter Ruhe aus. Diese überträgt sich in der Regel auch auf das Kind. Ein solches Vertrauen sollte im Idealfall schon vor dem Start der Eingewöhnung bestehen. Dazu eignen sich zum Beispiel Schnuppertage oder ein Besuch vorab. So lernt nicht nur das Kind die neue Umgebung kennen. Auch die Eltern nutzen solche Events gerne, um Fragen zu stellen. Nehmen Sie sich daher genügend Zeit für ein persönliches Gespräch. Ängste der Eltern sollten Sie in jedem Fall ernstnehmen. Erklären Sie ihnen, welche Struktur die Eingewöhnung in Ihrer Kita hat und wie der Ablauf des Kindergartenalltags im Allgemeinen aussieht. Je mehr die Eltern wissen, desto entspannter erscheinen sie am ersten Tag der Eingewöhnungswochen.

Unabhängig von eigenen Unsicherheiten sollten Eltern weitere Stressfaktoren zu dieser Zeit minimieren. Das bedeutet, dass alles, was das Kind im privaten Umfeld verunsichern könnte, während der Eingewöhnung zu vermeiden ist. Dazu zählt beispielsweise ein Umzug. Dieser kann die Jungen und Mädchen irritieren und die Eingewöhnung zusätzlich erschweren. Sie sollten den Erziehungsberechtigten zudem raten, den Berufseinstieg nicht während der Eingewöhnungszeit zu planen. So bleiben die Mütter und Väter während dieser für die Kinder spannungsreichen Zeit flexibler und können jederzeit für ihre Schützlinge da sein.

Infografik: Tipps für das richtige Verhalten von Erziehern

Tipps für Eingewöhnung in die Kita, Verhalten von Erziehern bei Eingewöhnung
Infografik für richtiges Verhalten von Erzieher*innen © Prokita-Portal

Nicht nur das Verhalten der Eltern ist für das Gelingen der Eingewöhnung entscheidend. Auch das Verhalten der Erzieher im Kindergarten kann Auswirkungen auf den Erfolg der Eingewöhnung haben. Daher lohnt es sich, folgende Praxis-Tipps einmal durchzudenken.

Überforderung vermeiden

Auch wenn man das Kind so schnell wie möglich in die bestehende Gruppe integrieren möchte, sollte man es doch nicht überfordern. Suchen sie daher zuerst den Kontakt mit den Eltern, während der Sohn oder die Tochter anwesend ist. Merken die Kinder, dass Ihnen die Eltern vertrauen, werden sie auch beginnen, sich Ihnen gegenüber zu öffnen.

Kleine Spiele und Körperkontakt helfen anschließend, weiterhin das Eis zu brechen. Akzeptieren Sie dabei die Grenzen der Kinder. Vor allem das Füttern, Wickeln und Schlafenlegen erfordert Vertrauen, weshalb die persönliche Beziehung zwischen pädagogischer Fachkraft und Kind unbelastet sein sollte.

Eingewöhnung auf Raten

Auch wenn es in der Praxis oft schwer umzusetzen ist, wäre es dennoch ratsam, höchstens zwei Kinder gleichzeitig einzugewöhnen. Durchlaufen mehrere Gruppenneulinge den Eingewöhnungsprozess gleichzeitig, kann es passieren, dass ein Kind zu kurz kommt. Außerdem ist es für die Kinder wichtig, eine klare Bezugsperson zu erkennen. Daher sollte eine ausgewählte Erzieherin oder ein ausgewählter Erzieher während der Eingewöhnungszeit eines Kindes immer besonders präsent sein. Dies erleichtert auf lange Sicht den Eingliederungsprozess.

Trennungsphase langsam ausdehnen

Erzieher tragen zudem die Verantwortung, darauf zu achten, dass sich die Zeiten der Trennungsphase in angemessenen Abständen verlängern. Lassen Sie sich hier nicht von den Eltern drängen. Eine Überforderung der Kinder durch zu lange Trennungsphasen kann nachhaltige Folgen nach sich ziehen. In keinem Fall sollte das Kind gleich am ersten Tag für mehrere Stunden von den Eltern zurückgelassen werden.

Daher ist es Ihre Aufgabe, klar zu kommunizieren, wie lange die Eltern bzw. ein Elternteil während der Trennung wegbleiben sollten. Erzieherinnen und Erzieher tragen die Verantwortung für das Gelingen der Eingewöhnung. Scheuen Sie sich also nicht, die Anweisungen bestimmt auszusprechen. Verlassen Sie sich hierbei auf Ihre bereits gesammelte Erfahrung und Ihr Gefühl.

Vorteile einer erfolgreichen Eingewöhnung

Um den Sinn einer gelungenen Eingliederung zu verstehen, lohnt es sich, einen Blick auf die positiven Effekte zu werfen. Einiges scheint selbsterklärend zu sein. So liegt es auf der Hand, dass gut integrierte Kinder ein besseres Verhältnis zu ihren neuen Bezugspersonen entwickeln. Dies erleichtert den Kita-Alltag. Denn: Die Kinder reagieren besser auf Anweisungen und trauen sich eher, Probleme anzusprechen. Durch die erworbene Sicherheit fühlen sich die Kinder im Kindergarten wohl und blühen regelrecht auf.

Eingewöhnung in die Kita, Kinder spielen im Kindergarten, Bezugsperson für Kinder in der Kita
Eine gelungene Eingliederung erleichtert Kindern einiges © riopatuca - Shutterstock

Doch es zeigen sich weitere Vorteile, sobald das Kind erst einmal eingewöhnt ist. So sind eingewöhnte und integrierte Kinder seltener krank und fühlen sich in der Einrichtung wohler. Zudem zeigen sich weniger Schwierigkeiten in Bezug auf die Nahrungsaufnahme und das Schlafen. Selbst Entwicklungsrückstände sind bei einem Kind, das einen positiven Eingewöhnungsprozess durchlaufen hat, seltener.

Was tun, wenn die Eingewöhnung nicht gelingt?

Unabhängig davon, wie sehr sich alle Beteiligten bemühen, kommt es hin und wieder vor, dass sich ein Kind auch nach längerer Eingewöhnungszeit von den Erziehern nicht beruhigen lässt. Will die Eingewöhnung nicht gelingen, kann es sinnvoll sein, das Vorgehen in einigen Monaten zu wiederholen. Manche Jungen und Mädchen sind für die Trennungsversuche einfach noch nicht bereit und sollten dann auch nicht dazu gezwungen werden. Der Einstieg in die Fremdbetreuung sollte immer auf das Tempo der Kinder abgestimmt sein – auch wenn es in der Praxis teilweise nicht ganz einfach umzusetzen ist. Die langfristig positiven Folgen einer erfolgreichen Eingewöhnung machen deutlich: Gerade zu Beginn in der Kita ist es wichtig, dass die Kinder genügend Zeit erhalten.

In der Zwischenzeit sollten Sie den Eltern raten, das Kind hin und wieder mit vertrauten Personen alleine zu lassen. Lernen die Kinder, für einige Zeit bei den Großeltern oder bei Freunden zu bleiben, erleichtert dies auch die Eingewöhnung in die Kita. Ist ein Elternteil die dominierende Bezugsperson, kann es auch schon genügen, das Kind öfters mit dem anderen Erziehungsberechtigten alleine zu lassen. Wichtig ist es, dass die Jungen und Mädchen lernen, dass sie auch anderen Erwachsenen vertrauen können. Sie sollen verstehen, dass nicht nur ihre primären Bezugspersonen für sie da sind. Eltern legen zu Hause also bereits den Grundstein für eine erfolgreiche Eingewöhnungszeit.

Eingewöhnungsmodelle: Berliner und Münchner Modelle

Wie genau die Eingewöhnung in die Kita abläuft, ist von Kita zu Kita unterschiedlich. Dennoch haben sich mit der Zeit zwei Eingewöhnungsmodelle herauskristallisiert, die in Deutschland weit verbreitet sind. Dazu zählt zum einen das Berliner Modell. Dieses setzt an der Grundphase an. In dieser begleiten die Eltern ihr Kind in die neue Umgebung und bestreiten gemeinsam mit ihm einige Rituale der Kita. Am circa vierten Tag erfolgt dann ein erster Trennungsversuch. Verkraftet ein Kind den Abschied von Mama oder Papa gut, lässt sich die Zeit der Trennung immer weiter ausdehnen. Sobald sich ein Kind nach kurzer Aufregung erfolgreich von den Erziehern der Kita beruhigen lässt, zählt die Eingewöhnung als erfolgreich.

Ein weiteres weit verbreitetes Modell ist das Münchner Modell. Dieses verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie das Berliner Modell. Denn auch bei diesem Eingewöhnungsmodell begleiten die Eltern ihre Kinder von Anfang an. Der Unterschied zum ersten Konzept besteht darin, dass dem Kind noch mehr Zeit zum individuellen Eingewöhnen gelassen wird. Deshalb kann der Prozess auch bis zu fünf Wochen beanspruchen. Das Wohl der Jungen und Mädchen steht bei diesem Vorgehen an oberster Stelle. Dennoch ist es in der Praxis nicht immer ganz einfach, das Münchner Modell in die Realität umzusetzen. Zeitmangel und ungeduldige Eltern sind nur zwei Faktoren, die die kindzentrierte Eingewöhnung erschweren. Lässt man sich eine Einrichtung aber auf die etwas aufwendigere Eingewöhnung ein, profitiert sie auf lange Sicht von den gut integrierten und entspannten Gruppenmitgliedern.

Redaktion Prokita-Portal


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