Die Motorik bei Kindern fördern: So gelingt es

Kinder, die im Kindergartenalter bereits über sehr gute motorische Fertigkeiten verfügen, sind später nicht nur sportlicher. Sie sind häufig auch die besseren Schüler. Denn der Themenkomplex „Motorik“ bei Kindern umfasst weit mehr als nur die Fähigkeit zu gezielter Bewegung und Koordination. Warum die Entwicklung der Motorik bei Kindern so wichtig ist und wie Erzieherinnen und Erzieher sie spielerisch fördern können, erfahren Sie hier.

Was genau bedeutet Motorik eigentlich?

Motorik (vom lateinischen „movere“ = bewegen) umfasst alle Bewegungen des Menschen, die vom Gehirn geplant und gesteuert werden. Man unterscheidet dabei zwei große Bereiche: Die Feinmotorik und die Grobmotorik.

Zur Feinmotorik zählen alle Fertigkeiten der kleinen Muskelgruppen, darunter fallen:

  • Mimik
  • Mundmotorik (und damit Erzeugung von Sprachlauten)
  • Bewegungen der Zehen und Hände

Die Hände sind von Kindheit an das wichtigste Werkzeug des Menschen. Die (Auge-)Hand-Koordination des Kindes ist deswegen in der frühkindlichen Förderung und Entwicklung von besonderer Bedeutung. Nur ein Kind mit gut entwickelter Auge-Hand-Koordination kann später als Schüler problemfrei schreiben und andere schwierige feinmotorische Fertigkeiten erlernen.

Motorik bei Kindern fördern, Hand-Augen-Koordination verbessern
Nur ein Kind mit einer guten Hand-Augen-Korrdination hat später einen guten Grundstein für fein motorische Fähigkeiten © myboys.me - Shutterstock

Zur Grobmotorik zählt die Koordination aller größeren Muskelgruppen, also im Falle von Kleinkindern das Krabbeln, Strampeln oder auf den Rücken rollen. Im Kindergartenalter, wenn Gleichgewicht und Körpergefühl besser werden, klettern Kinder auf Bäume, balancieren auf Balken und spielen Sackhüpfen oder Fangen. Solche grobmotorischen Bewegungsabläufe sind auf spielerische Art und Weise innerhalb der Ausdauer und der Bewegungssicherheit der Kinder zu fördern.

Motorik bei Kindern: Warum ist sie so wichtig?

Kinder bewegen sich von Natur aus gerne. Das hat auch seinen Grund: Durch die Auseinandersetzung mit ihrer Umgebung erhalten Kinder Anregungen, durch die sie die Welt besser verstehen. Rollt ein Kind einen Ball gegen die Wand, prallt dieser von dort wieder zum Kind zurück. Gerade in den ersten Lebensjahren lernen die Kinder durch Ausprobieren enorm viel über die Ursache und Wirkung von Dingen. Das ist Physik zum Anfassen und Nachmachen.

Forschungen wie beispielsweise die von Dr. Heinz Krombholz, Diplom-Psychologe im Ruhestand am Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP), bestätigen, dass die körperliche und kognitive Entwicklung von Kindern gerade in den ersten Lebensjahren eng miteinander zusammenhängen. Er betont außerdem die positiven Auswirkungen einer gut entwickelten Motorik auf die weiteren Entwicklungsschritte des Kindes im sozialen und persönlichen Bereich. Ausgeprägte motorische Fähigkeiten sind also nicht nur für das Körpergefühl von Relevanz, sondern auch für die kognitive Entwicklung.

Bewegungsspiele: Förderung des Selbstwerts des Kindes

Bewegungsspiele sind nicht nur da, um die Bewegungssicherheit von Kindern zu fördern, sie helfen dem Kind auch, ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen. Kinder im Kindergartenalter schätzen sich früh selbst auf Basis ihrer körperlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten ein:

  • Wie groß bin ich?
  • Wie schnell bin ich?
  • Wie stark bin ich im Vergleich zu anderen Kindern?

Die spielerische Förderung von Koordination und Grobmotorik trägt also zur Entwicklung eines Selbstwertgefühls bei. Dieses überträgt das Kind später im Vorschulalter häufig auch auf andere Aufgaben, welche auch für die Schulfähigkeit von Bedeutung sind.

Bewegungsspiele: Kinder lernen, soziale Regeln einzuhalten

Alle Spiele rund um die Bewegung spielt man nicht alleine, sondern in der Gemeinschaft. Zusammen macht das Toben auf dem Spielplatz oder in der Turnhalle nicht nur mehr Spaß. Die Kinder lernen auch, sich an Abmachungen zu halten. Kinder entwickeln ihren Gerechtigkeitssinn sehr früh: Wer also beim Fangen und Verstecken spielen oder Sackhüpfen schummelt, lernt seine Lektion in der Gruppe viel schneller, als zum Beispiel durch eine Ermahnung der Eltern.

Psychomotorik: Der Zusammenhang körperlicher und kognitiver Fähigkeiten

Gerade feinmotorische Fertigkeiten haben einen starken Einfluss auf den späteren schulischen Erfolg. Im Kindergarten bieten sich daher Fingerspiele und gezielte Übungen zur Hand-Koordination an. Steigt der Schwierigkeitsgrad der Spiele, können Erzieherinnen und Erzieher die angehenden Schüler gezielt auf die täglichen Aufgaben im Schulalltag vorbereiten.

Motorik bei Kindern fördern, Kind spielt mit einem Motorikspielzeug, motorische Fertigkeiten in der Kita
Mit der Feinmotorik kann man schon ganz früh beginnen © Oleksii Synelnykov - Shutterstock

Motorik bei Kindern: Wann besondere Förderung nötig ist

Insgesamt gilt es, ein Kind nicht auf den nächsten Entwicklungsschritt hin zu „trainieren“, wenn es einfach noch mehr Zeit braucht. Koordination und motorische Fähigkeiten entwickeln sich auch bei ähnlichen Voraussetzungen nicht immer gleich schnell. Eltern und Erzieher können Entwicklungsunterschiede gelassen betrachten, solange Kinder grundsätzlich Spaß an Bewegung und dem Umgang mit anderen Kindern zeigen. Die Bewegungssicherheit entwickelt sich so ganz von alleine.

Das ist anders bei Kindern, bei denen bestimmte Bewegungseinschränkungen bereits bekannt und ärztlich bestätigt sind. Aufgabe der frühkindlichen Erziehung ist es dann, dass das Kind lernt, mit seiner Einschränkung umzugehen. Für viele körperliche Übungen und Spiele gibt es verschiedene Wege, um zum Ziel zu kommen. Kinder mit einer körperlichen Einschränkung brauchen teilweise mehr Anregungen und spielerische Kreativität, um bestimmte Aufgaben zu bewältigen. Damit die Förderung individuell auf das Kind zugeschnitten ist, ist ein Gespräch mit den Eltern und einem Experten vorab in jedem Fall hilfreich.

Ziel der Förderung ist ein offener Umgang und die Akzeptanz der eigenen Einschränkung, sodass das Kind von sich aus an Bewegungsspielen teilnimmt, statt sich zurückzuziehen. Damit durchläuft das Kind eine möglichst normale Entwicklung, was weitere motorische Fähigkeiten und die Koordination betrifft. Gleichzeitig ist es möglich, die anderen Kinder für die Situation und die Diversität in der Gruppe zu sensibilisieren – die Grundlage für Akzeptanz und Wertschätzung.

Motorik bei Kindern fördern: Die Umsetzung im Kita-Alltag

Die Förderung der motorischen Entwicklung und Fertigkeiten von Kindern ist also gerade in Kita und Kindergarten von großer Relevanz. Doch hierbei kommt es nicht nur auf die Feinfühligkeit des pädagogischen Fachpersonals an, sondern auch auf äußere Umstände, wie die räumliche Situation.

Voraussetzungen der Kindergarten-Ausstattung

Es ist allgemein bekannt, dass sich die Grobmotorik von Kindern ab 24 Monaten umso besser entwickelt, je häufiger Bewegungsabläufe eingeübt werden. Mit diesem Wissen lässt sich auch auf die Raumgestaltung in Kindergärten Einfluss nehmen: Die Einrichtung sollte möglichst weitläufig sein und Anregungen zum Klettern, Balancieren, Krabbeln und spielerischen Entdecken geben. Spiele wie Fangen oder „Verstecken mit Freischlagen“, machen mehr Spaß auf Spielplätzen, die zahlreiche Tunnel, Aussichtspunkte, Klettergerüste und Verstecke bieten.

Ein gut ausgestatteter Kindergarten bietet als Anregung für die Feinmotorik und die Auge-Hand-Koordination ebenfalls eine Vielfalt an kindgerechten Spielsachen - Karton, Wolle, Schere, Kleber und weitere Bastelmaterialien. Sie geben den Kindern Raum, um kreativ zu werden. Die Koordination von Beinen, Händen und Augen wird durch kaum ein Spiel so gut gefördert wie durch das Seilhüpfen. Eine vielfältige Ausstattung ist also in jedem Kindergarten die Voraussetzung, dass die Kinder die eigene Feinmotorik mit Spaß und Abwechslung erleben und verbessern.

Den richtigen Ton treffen

Gerade bei Bewegungsspielen in Gruppen ist es wichtig, dass sich koordinativ weniger reife Kinder nicht ausgeschlossen fühlen. Es bietet sich deshalb gerade bei Kindern in jüngeren Lebensjahren an, Gruppen gegeneinander antreten zu lassen, anstatt einen Einzelsieger zu küren. Ein gutes Beispiel ist das Spiel „Eierlauf“: Die Kinder balancieren ein Ei auf einem Löffel, während sie einen Parcours möglichst schnell durchlaufen. Positiver Zusatzeffekt: Wenn zwei Gruppen gegeneinander antreten, wird die Auge-Hand-Koordination bei der Übergabe besonders gefordert.

Im Bildungsbereich und Entwicklungsziel der Kita, sollten die Spiele immer an den Entwicklungsstand der Kinder angepasst werden. Ein gutes Beispiel bieten hier Variationen von Spielen mit dem Schwungtuch. Durch unterschiedliche Übungen kann die Feinmotorik der Kinder unterschiedlich stark gefordert werden: Ist es nur Aufgabe, einen Ball auf dem Schwungtuch hüpfen zu lassen oder ihn möglichst nah am Rand des Schwungtuchs entlangrollen zu lassen? Wenn Erzieher die Entwicklungsschritte der Kinder genau im Auge behalten, lässt sich eine Über- oder Unterforderung gut vermeiden.

Infografik - Motorik von Kindern fördern: Spiele mit Bewegung für draußen

Spiele für motorische Fertigkeiten für Kinder, Spiele im Kindergarten
Infografik Motorik bei Kindern fördern © Prokita-Portal

Bewegungsspiele machen unter freiem Himmel noch mehr Spaß. Ob es nun im Außenbereich der Kita ist oder während der Aktionstage im Wald: Bei schönem Wetter gibt es kaum eine Sache, die Kinder mehr begeistert, als sich an der frischen Luft zu bewegen.

Spiel: „Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?“

Dieses Spiel fordert die Grobmotorik der Kinder auf vielfältige Art und Weise. Das Spielfeld ist auf die Gruppengröße abgestimmt und wird mit Gegenständen, Hütchen oder Linien abgegrenzt. Natürlich lassen sich auch Äste, Zweige oder Blätter für die Abgrenzung des Spielfeldes nutzen. Hier ist Kreativität gefragt!

Zu Beginn steht die Gruppe auf einer Seite des Feldes, nur ein Kind („Der Fischer“) steht auf der gegenüberliegenden Seite. Die Kinder rufen zu Beginn des Spiels im Chor „Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?“ Worauf das Kind auf der anderen Seite eine Tiefe nennt. Darauf die Gruppe: „Und wie kommen wir da rüber?“ Das einzelne Kind gibt nun eine Laufart an, wie die Kinder auf die andere Seite kommen müssen, zum Beispiel mit beiden Beinen hüpfend, auf allen Vieren krabbelnd, im Entenlauf oder ähnliches. Der Fischer versucht, möglichst viele Kinder zu fangen; gefangene Kinder werden in der nächsten Runde selbst zu Fischern.

Durch die unterschiedlichen Anforderungen werden Gleichgewicht – beim Entenlauf –, Koordination – beim beidbeinigen Hüpfen – und Grobmotorik der Kinder gefördert. Zugleich macht der große Spaßfaktor dieses Spiel zu einem der beliebtesten für Kindergartenkinder.

Spiel: „Tausendfüßler-Rennen“

Beim Tausendfüßler-Rennen steht erneut die Gemeinschaft der Kinder im Vordergrund. Die Gruppe wird durch Auszählung in zwei Teams aufgeteilt. Das Spiel findet am besten auf einem möglichst weichen Untergrund, idealerweise einer Wiese, statt. Die Kinder ziehen alle ihre Schuhe aus und stellen sich an der zuvor festgelegten Startlinie hintereinander auf. Dann begeben sie sich auf alle Viere und fassen mit den Händen jeweils die Fersen ihres Vordermannes. Nun gilt es, die vorher vorgegebene „Rennstrecke“ so schnell wie möglich zurückzulegen, ohne dass ein Kind die Fersen des anderen Kindes loslässt. So lernen die Kinder spielerisch, ihren Körper und die Bewegung der anderen Kinder einzuschätzen.

Motorik von Kindern fördern: Spiele mit Bewegung für drinnen

Doch auch bei schlechtem Wetter müssen Erzieherinnen und Erzieher nicht darauf verzichten, die Motorik der Kinder spielerisch zu schulen. Einige Aktivitäten lassen sich gut in der Turnhalle durchführen. Andere können sogar in den Räumlichkeiten der Kita selbst gespielt werden.

Kopf an Kopf Rennen mit Luftballons

Dieses Spiel erfordert besonders viel Koordination. Außerdem werden Grobmotorik und Feinmotorik gleichzeitig beansprucht. Die Kinder treten in Zweierpärchen gegeneinander an und müssen einen vorgegebenen Parcours durchlaufen.

Besondere Schwierigkeit: Die beiden Kinder müssen die ganze Zeit einen Luftballon zwischen sich halten, ohne Hände oder Arme zur Hilfe zu nehmen, das heißt zwischen Bauch, Beinen, Hüfte oder Rücken eingeklemmt. Fällt der Luftballon auf den Boden oder platzt er, muss das Team von vorne beginnen. Dieses Spiel ist vor allem für etwas fortgeschrittenere Kinder im Vorschulalter zwischen 4 und 6 Jahren geeignet.

Das Spiel „Obstsalat“

Die Kinder sitzen für dieses Spiel in einem Stuhlkreis. Jedem Kind wird vom Spielleiter eine Obstsorte zugeteilt, die es sich merken muss. Jede Obstsorte kommt dabei mindestens doppelt vor. Aufgabe für die Kinder ist es, sobald die eigene Obstsorte gerufen wird, möglichst schnell den Platz mit einem anderen Kind zu tauschen. Ein Kind bleibt dabei immer in der Mitte übrig und gibt die nächste Sorte an. Beim Wort „Obstsalat“ wechseln alle Kinder den Platz. Kinder lernen dadurch, Bewegungsabläufe möglichst schnell auszuführen und reaktionsschnell zu handeln.

Das Spiel „Tunnelkrabbeln“

Hierbei handelt es sich um ein weiteres Spiel, das den Zusammenhalt zwischen den Kindern spielerisch fördert. Es werden zwei Gruppen gebildet, innerhalb derer sich die Kinder breitbeinig hintereinander aufstellen. Auf ein Signal hin muss das letzte Kind möglichst schnell durch die Beine aller Kinder krabbeln. Ist es vorne angekommen, darf das nächste Kind loskrabbeln. Das Team, in dem zuerst jedes Kind einmal den „Tunnel“ durchquert hat, gewinnt.

Redaktion Prokita-Portal


© Odua Images - Shutterstock