Ökologische Bildung in der Kita: Spielerische Umwelterziehung

Für viele Kinder gibt es nichts Besseres als im Wald zu spielen, auf Bäume zu klettern und ihre Umwelt zu erkunden. Doch vor allem Stadtkindern fehlen häufig die Möglichkeiten, diese Erfahrungen auch im privaten Umfeld zu sammeln. Nicht zuletzt aus diesem Grund ergibt es Sinn, dass die ökologische Bildung zum festen Bestandteil im Alltag einer Kindertageseinrichtung wird, wenn es um die Bildungsbereiche und Entwicklungsziele geht. Gezielte Ausflüge in die Natur und spielerisches Lernen in der Einrichtung tragen dazu bei, dass die Kinder ein Gefühl für nachhaltiges Verhalten entwickeln – und mit Eifer und Freude bei der Sache bleiben!

Ökologische Bildung: Was ist das eigentlich?

Das Themenfeld der ökologischen Bildung deckt alle Aspekte ab, welche die Kinder für die Natur und die Umwelt sensibilisieren. Dabei steht vor allem die Vermittlung von Wissen über eine gesunde Wechselbeziehung von Pflanzen, Tieren und Menschen im Mittelpunkt. Anders als bei älteren Kindern erfolgt das Lernen über die Natur bei den kleineren vor allem über die Emotionen.

Die Kinder sollen erfahren, wie sich verschiedene Materialien anfühlen und welches Gefühl beim Spielen im Wald entsteht. Auf diese Weise schafft man schon bei den Jüngsten ein Bewusstsein für die Umwelt. Dies ist die Grundlage für die spätere Entwicklung eines umweltbewussten Handelns. Denn nur das, was die Kinder kennen, können sie auch wertschätzen. Somit ist die ökologische Bildung ein erster Schritt in der spielerischen Umwelterziehung, der die Kinder mit dem Themenkomplex der Ökologie vertraut macht.

ökologische Bildung durch Waldspaziergänge mit dem Kindergarten
Die jüngsten können beim Spielen oder Beobachten im Wald den Grundstein für umweltbewusstes Handeln legen © Yurina_Photo - Shutterstock

Neben dem Kennenlernen von Pflanzen und Tieren hat dieser Bildungsbereich und das damit verbundene Entwicklungsziel in der Kita noch weit mehr Unterpunkte.

Als thematischer Schwerpunkt bietet sich beispielsweise auch das Besprechen der vier Jahreszeiten an:

  • Welche Veränderungen beobachten die Kinder zu welcher Jahreszeit?
  • Und was passiert eigentlich mit den Tieren, wenn es kalt wird?
  • Was geschieht mit Wasser, wenn es draußen besonders heiß ist?

Ebenso schafft die ökologische Bildung Raum für die vier Elemente. Feuer, Erde, Wasser und Luft bieten einen guten Ausgangspunkt, um über verschiedene Lebensräume zu sprechen. Zudem sollten die Kinder ein Verständnis dafür entwickeln, woher wir unsere Ernährung und Kleidung beziehen. Organisieren Sie in diesem Zusammenhang zum Beispiel einen Ausflug zu einem Bauernhof. Besprechen Sie mit der Kindergartengruppe, welches Tier welches Lebensmittel erzeugt und inwieweit tierische Produkte auch für die Herstellung von Kleidung relevant sind. Auch Mülltrennung, der Umgang mit Müll und Upcycling in der Kita lassen sich im Rahmen der ökologischen Bildung thematisieren.

Ziel der ökologischen Bildung im Kindergarten

Ein frühes Heranführen an die Ökologie ist für ein späteres Naturbewusstsein unerlässlich. Somit trägt schon die Bildung im Kindergarten zum verantwortungsvollen Handeln im Jugend- und Erwachsenenalter bei. Bereits in jungen Jahren gelingt es, den Forschergeist der Kinder anzuregen. Sie lernen, was es heißt, Tiere zu beobachten und kleine Experimente durchzuführen. Das Durchschauen der Zusammenhänge sorgt für erste Erkenntnisse, die später in der Schule im Heimat- und Sachunterricht vertieft werden. Die Entwicklung solcher Kompetenzen ist also auch im Kindergartenalter schon sinnvoll.

Doch das Sprechen über Natur und Nachhaltigkeit schenkt den Kindern auch Sicherheit. In Kinder-Nachrichten oder anderen Medien erfahren schon die Kleinsten von den Herausforderungen, mit denen unser Planet konfrontiert ist. Sie erfahren vom Klimawandel, der Erderwärmung und Naturkatastrophen. Sind die Jungen und Mädchen nicht in der Lage, das Gesehene einzuordnen, könnte dies eine große Verunsicherung oder gar Angst nach sich ziehen. Erhalten die Kinder im Kindergarten die Möglichkeit, sich mit anderen über das Thema auszutauschen, sinkt die Unsicherheit. Zudem entwickeln sie die Kompetenz, selbst nachhaltig zu handeln.

Die Natur kennenlernen: Ein Ausflug in den Wald

Ein zentraler Bestandteil im Bildungsbereich und der Entwicklungsziele ist die ökologische Bildung ist das Kennenlernen des Ökosystems. Am schnellsten lernen die Kinder, wenn sie Dinge selbst berühren und auf der eigenen Haut spüren. Daher ist es sinnvoll, Waldtage zu organisieren. Die Möglichkeiten der Umsetzung der Umweltpädagogik sind in der Natur sehr viel größer als im Kindergarten oder im Außengelände. Im Wald kommen die Kinder in Bewegung und dürfen das erste Mal in die Rolle von Naturforschern schlüpfen.

Waldtage vorbereiten

Um den Ausflug in die Natur optimal zu nutzen, sollten Erzieherinnen und Erzieher vorab besprechen, welche Kompetenzen die Kinder während des Aufenthalts lernen sollen.

Hierfür ist es sinnvoll, folgende Fragen zu klären:

  • Welche Lebensräume soll die Gruppe erkunden?
  • Liegt der Schwerpunkt auf dem Kennenlernen von Tieren oder Pflanzen?
  • Spielen die Kinder am Wasser und brauchen daher eventuell Wechselkleidung?
  • Welche Aktivitäten lassen sich pädagogisch wertvoll einsetzen?
  • Welche Utensilien benötigen wir für die Waldtage?
  • Sind die Eltern mit dem Vorhaben einverstanden?
Waldtage im Kindergarten, Aktivitäten im Wald mit Kindern
Bei Waldtagen können sich Kinder verschiedene Aktivitäten widmen © FamVeld - Shutterstock

Eine gute Vorbereitung sorgt dafür, dass der Ausflug ins Grüne ohne Stress abläuft. Außerdem sollten sich die Erzieher einig sein, welcher Bildungsbereich eine besondere Förderung erfahren soll.

Praxisbeispiel: Unterwasserlupe selbst basteln

Entscheidet man sich, den Ausflug zum Erforschen der Tierwelt zu nutzen, gilt es vorab einige Materialien zu organisieren. Dabei gibt es auch die Möglichkeit, neben gekauften Produkten auf die Marke Eigenbau zu setzen. Möchte man den Waldtag beispielsweise nutzen, um den Lebensraum Bach näher zu erkunden, bietet es sich an, gemeinsam mit den Kindern vorab eine Unterwasserlupe selbst zu bauen. Durch das Basteln entsteht ein erstes Gespräch über das bevorstehende Vorhaben. Die Kinder bekommen so bereits vorab die Möglichkeit, darüber zu sprechen, was sie schon alles über die Tiere im Wald und im Bach wissen.

Entscheiden Sie sich für das Basteln einer Unterwasserlampe, benötigen Sie hierfür jeweils nur eine saubere Blechdose, transparente Plastikfolie und Gummibänder. Öffnen Sie die Blechdose von beiden Seiten und achten Sie darauf, dass keine scharfen Kanten zurückbleiben. Ansonsten besteht Verletzungsgefahr für die Kinder. Anschließend legt man die Plastikfolie über eine der Öffnungen. Mithilfe von zwei Gummiringen befestigt man die Folie an Ort und Stelle. Dabei ist es sinnvoll, darauf zu achten, dass die Folie nicht zu sehr spannt. Anschließend nur noch die überstehende Folie etwas abschneiden, schon ist die Unterwasserlupe fertig.

Die Kinder können ihre Dose nun individualisieren und nach eigenen Wünschen anmalen. Drückt man die Lupe anschließend mit der Folie voran ins Wasser, entsteht durch den Wasserwiderstand eine konvexe Form. Der Boden von einem Teich oder Bach lässt sich jetzt nach besonderen Dingen absuchen. Gibt es Algen? Lassen sich vielleicht sogar Kaulquappen entdecken?

Umsetzung der ökologischen Bildung während des Waldtags

Ist der Tag des Ausflugs gekommen, werden die Kinder sehr aufgeregt sein. Erzieherinnen und Erzieher sollten daher immer ein Auge auf die Gruppe haben. Während des Aufenthalts ist es sinnvoll, den Jungen und Mädchen zu Beginn etwas freie Zeit zu geben, damit sie sich in der Natur umsehen können. Während sie zwischen Sträuchern und Bäumen spielen, entwickeln sie ein erstes Gefühl für den Wald. Dabei sorgt die Bewegung dafür, dass überschüssige Energie abgebaut wird. Erzieher haben die Aufgabe, klare Regeln zu kommunizieren, damit sich einzelne Kinder nicht zu weit vom Bereich der Gruppe entfernen.

Tiere beobachten

Hat sich die erste Aufregung gelegt, ist der richtige Zeitpunkt für die erste pädagogische Einheit gekommen. Händigen Sie die selbst gebauten Unterwasserlupen oder andere Utensilien aus, die das Beobachten von Kleintieren erleichtern. Zum Einfangen von Insekten eignet sich zum Beispiel auch ein Fangglas. Erzieher im Kindergarten sind in der Verantwortung, den Kindern zu erklären, dass sie die zu beobachtenden Tiere vorsichtig behandeln müssen und ihnen in keinem Fall Schaden zufügen dürfen. Legen Sie außerdem Zweier-Teams oder Kleingruppen fest, die gemeinsam beobachten sollen. Ist dies geklärt, dürfen die Naturforscher selbst auf Entdeckungstour gehen. Dabei begleiten die Erzieherinnen und Erzieher die Kinder beim Erkunden.

Lupen als Entdeckerwerkzeug für Kinder, Kinder entdecken die Welt mit einer Lupe,
Mit einer Lupe können Kinder nicht nur Tiere sondern auch unter anderem Blüten erforscht werden © atsurkan - Shutterstock

Die Kinder werden sich mit ihren zahlreichen Fragen an Sie wenden. Daher ist es gegebenenfalls sinnvoll, einige Nachschlagewerke zum Ausflug mitzunehmen. In diesen lassen sich dann die Namen verschiedener Insekten nachsehen. Im Anschluss erhalten die Kinder Raum, um sich über ihre Ergebnisse auszutauschen. Im Fangglas können sie sich gegenseitig zeigen, was sie gefunden haben. Danach sollten die Tiere schnellstmöglich wieder in ihre natürliche Umwelt entlassen werden. Im Umgang mit den Insekten lernen die Jungen und Mädchen viel über die heimische Tierwelt.

Bäume erfühlen

Liegt der pädagogische Fokus auf dem Kennenlernen der verschiedenen Pflanzen, Bäume und Sträucher des Waldes, bietet sich das Umsetzen folgenden Spiels an: Die Kinder suchen sich jeweils einen Partner. Anschließend verbindet man dem ersten Kind die Augen. Das andere erhält die Aufgabe, sich einen Baum auszusuchen, zu welchem es seinen Partner mit verbundenen Augen führt. Dabei sind auch kleine Umwege erlaubt, um das Spiel spannender zu gestalten. Das nicht-sehende Kind erhält nun die Aufgabe, den Baum zu erfühlen. Dabei soll es auf Wiedererkennungsmerkmale achten. Haben die Bäume Blätter oder Nadeln? Lassen sich Zapfen erfühlen? Ist die Rinde grob oder ganz fein?

Zurück am Ausgangspunkt löst man die Augenbinde. Nun müssen die Kinder den Weg mit offenen Augen gehen und versuchen „ihren“ Baum wiederzufinden. Dabei dürfen sie auch andere Bäume befühlen, um sich auch wirklich für den richtigen zu entscheiden. Gelingt das Wiedererkennen nicht beim ersten Mal, darf das andere Kind Tipps geben. Ist der richtige Baum gefunden, tauschen die Partner anschließend die Rollen. Dieses Spiel trägt dazu bei, dass die Kinder den Wald ganz bewusst mit all ihren Sinnen erleben. Außerdem bietet diese Übung einen guten Ausgangspunkt, um anschließend über die verschiedenen Bäume des Waldes zu sprechen.

Ich höre was, was du nicht hörst

Diese Übung eignet sich gut, um die Kinder wieder zur Ruhe zu bringen. Zwei Minuten lang sollen die Kinder im Wald ihre Augen schließen. Erteilen Sie ihnen die Aufgabe, genau hinzuhören. Hört man nur den Wind oder noch etwas anderes? Ruft vielleicht ein Vogel? Durch dieses Spiel stärkt man die Konzentration und die Achtsamkeit der Kinder. Das Einsetzen der Sinne ist auch für die Entwicklung der Kinder förderlich. Anschließend darf sich die Gruppe über ihre Erfahrungen austauschen.

Die Natur in der Kita: Ökologische Bildung in der pädagogischen Einrichtung

Nicht immer ist es möglich, einen Waldtag zu organisieren. Allerdings gibt es auch viele Optionen, die Bildung im Bereich Natur und Umwelt vor Ort in der Kindertageseinrichtung durchzuführen. Dadurch wird die ökologische Erziehung Teil des Alltags im Kindergarten. Neben verschiedenen Bastelprojekten lässt sich vor allem auch das Außengelände nutzen, um die Natur in die Kita zu holen.

Basteln mit Naturmaterialien

Damit schon die kleinsten Kinder erfahren, wie sich die Umwelt anfühlt, sind Projekte zum Basteln mit Naturmaterial sinnvoll. Ganz nebenbei erfahren die Kinder, welche verschiedenen Eigenschaften die natürlichen Materialien haben.

Erzieherinnen und Erzieher stellen zu diesem Zweck verschiedenste Dinge zur Verfügung:

  • Blätter
  • Steine
  • Äste
  • Sand

Lassen Sie die Gruppe ihre Steine bunt anmalen oder aus Ästen und Blättern einen natürlichen Bilderrahmen gestalten.

Befindet sich in der Nähe der Kita ein Ahornbaum, können Sie auch dessen Samen für ein Projekt nutzen. Im Herbst eignen sich die Ahornsamen zum Beispiel hervorragend, um die Stacheln eines Igels zu basteln. Den Körper des Tieres fertigen die Kinder mithilfe einer Schablone aus Fotokarton an. Die Ahornsamen werden an die Stelle der Stacheln geklebt. Auge und Nase malen die Kinder anschließend noch dazu – fertig ist das Bild mit Naturmaterial.

Die Kinder lernen so, nicht nur ihre Kreativität zu entfalten, sondern erfahren zeitgleich, wie sich Produkte der Natur für verschiedenste Zwecke nutzen lassen. Ein weiteres klassisches Projekt zum Basteln für den Herbst ist das Gestalten von Männchen aus Kastanien. Eine Bastelarbeit, die gleichzeitig auch die Motorik und die Hand-Koordination schult.

Das Außengelände: Unsere eigene Naturoase

Selbst städtische Kindertagesstätten verfügen in der Regel über ein Außengelände. Häufig wird dieser nur als Spielplatz genutzt. Doch das Potenzial der Außenfläche ist viel größer. Gemeinsam mit der Kindergartengruppe lässt sich hier eine Naturoase schaffen, die ein Stück Grün in die Kita holt. Dazu eignet sich zum Beispiel das Anlegen eines Hochbeets oder das Schaffen von Futter- und Nistplätzen.

Beim Umgang mit den Pflanzen lernen die Kinder, wo ein Großteil der Nahrung herkommt. Außerdem verstehen sie, wie wichtig Licht und Wasser für das Wachstum der Pflanzen sind. Beim Gießen bietet es sich an, die Kinder auf einen nachhaltigen Umgang mit Wasser hinzuweisen. Zu diesem Zweck sollte sich der Kindergarten eine eigene Regentonne anschaffen. Die Jungen und Mädchen erfahren so, wie sich Regenwasser wiederverwenden lässt. Auf diese Weise entwickeln sie ein Gespür dafür, dass zum Gießen keine neuen Ressourcen nötig sind.

Auch für die Tierbeobachtung ist das Außenspielgelände ein geeigneter Ort. Neben Vögeln tummeln sich hier auch viele Insekten. Vor allem, wenn das Beet mit bunten Blumen und insektenfreundlichen Pflanzen gefüllt ist, müssen die Kinder zum Kennenlernen der Insekten nicht in den Wald gehen. Die ökologische Bildung ist auf diese Art und Weise auch im Garten der Kita möglich. Erzieherinnen und Erzieher haben in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit, die Rolle der Insekten im Ökosystem zu besprechen. Verraten Sie den Kindern, dass die Blumen nur dank der Insekten weiter bestehen können. So entwickeln die Kinder ein Gefühl für die Umwelt, noch bevor sie in die Schule kommen.

Redaktion Prokita-Portal


© Rawpixel.com - Shutterstock