Natur und Umwelt in der Kita: Der spielerische Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Noch vor einigen Jahrzehnten verbrachten Kindergartenkinder einen Großteil ihrer Zeit in der Natur. Doch das Stadtleben und die Mediennutzung fordern ihren Tribut. Immer mehr Kinder sind der Meinung, dass Enten gelb und Kühe tatsächlich lila sind. Daher sollte die Umweltbildung schon im Kindergarten und in der Kita ansetzen. So erreicht man schon bei den kleinsten Kindern eine Sensibilisierung für die Natur und die Umwelt. Neben verschiedenen Bastelprojekten lassen sich auch Ausflüge ins Grüne gezielt für die Umweltpädagogik einsetzen.

Aufgabe der Umweltbildung: Sensibilisierung und Wissen

Vor allem im städtischen Umfeld verlieren immer mehr Kinder den Bezug zur Umwelt. Anstatt sich unter freiem Himmel zu bewegen, halten sich die Kinder oft in Räumen oder „künstlichen“ Umgebungen auf. Häufig wissen Kinder nicht, wie sie sich im Wald oder draußen im Feld selbst beschäftigen können. Auch die Namen vieler Tiere und Pflanzen sind den Kindern deutlich seltener geläufig, als das noch vor einigen Jahren der Fall war.

Hier ist es die Aufgabe der Umweltbildung im Kindergarten, dieses Wissen an die Kinder heranzutragen. Denn nur, wer die Natur kennt, ist später in der Lage, umweltbewusst zu handeln. Da Nachhaltigkeit heutzutage immer stärker an Relevanz gewinnt, ist es sinnvoll, schon bei Kindern im Kindergartenalter ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Dazu eignen sich neben dem Durchführen von Bastelprojekten auch Besuche von Grünflächen wie:

  • Wäldern
  • Heiden
  • Sümpfen
Ausflug mit der Kita, im Wald mit Kindern, Natur mit Kindern genießen
Es ist sinnvoll, Kinder schon im frühen Alter an den Umgang mit der Natur zu gewöhnen © Dmytro Zinkevych - Shutterstock

Das gezielte Durchführen von Projekten in der Natur zieht für den Bildungsbereich und die Entwicklungsziele der Kinder noch weit mehr positive Folgen nach sich als nur ein gesteigertes Nachhaltigkeitsbewusstsein. Viele Bildungsbereiche lassen sich durch den Aufenthalt in der Natur abdecken. Die Wahrnehmung der Sinne erfährt durch das Hören, Fühlen und Riechen im Freien eine Stärkung. Außerdem lernen die Kinder zum Beispiel beim Beobachten von Insekten, ihre Aufmerksamkeit zu lenken und konzentriert zu bleiben. Beim Balancieren über Baumstämme lässt sich die Motorik bei Kindern fördern und das Körperbewusstsein ausbauen. Zudem profitiert das Immunsystem der Kinder durch das Lernen an der frischen Luft.

Auch die Entwicklung der Persönlichkeit lässt sich durch Ausflüge in die Natur stärken. Durch das Klettern und Springen lernen die Kinder, ihre Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. So verlieren sie Ängste und erlangen Selbstvertrauen. Ebenso ist es das Ziel des Naturaufenthalts, dass die kleinen Naturstrolche ihre Kreativität frei entfalten können. Beim Spielen am Computer im Rahmen der Medienerziehung oder Tablet bleiben oft eingeschränkte Möglichkeiten. Die natürliche Umwelt hingegen setzt der Fantasie der Kinder keine Grenzen. Aus Stöcken lassen sich Hütten und Höhlen konstruieren. Aus Ästen, Moos und Blättern können die Kinder Vogelnester nachbauen. Viele Bereiche der Entwicklung erfahren durch das Spiel in der Natur eine Stärkung.

Ökologische Bildung in der Kita

Erzieherinnen und Erzieher sehen sich immer häufiger mit der Herausforderung konfrontiert, die Kinder an einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt heranzuführen. Dabei steht ihnen eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Wahl, Projekte zu gestalten und Ausflüge zu organisieren. Das Integrieren der Umweltbildung in die Kita ist zwar nicht vorgeschrieben, kann aber sehr sinnvoll sein. Ob die Bildung mithilfe eines Spiels, eines Bastelprojekts oder auf ganz andere Art und Weise vermittelt wird, ist hierbei den Erziehern überlassen.

Ausflug ins Grüne: Die Natur hautnah erleben

Am schnellsten lernen die Kinder Bewusstsein für Natur und Umwelt durch Ausflüge ins Grüne. Sie erfahren am eigenen Leib, wie verschiedene Pflanzen riechen und wie verschiedene Tiere klingen. Ein Besuch im Wald bietet hierbei ein besonders großes pädagogisches Potenzial. Die Gruppe kann beispielsweise Kriechtiere beobachten oder sich auf die Suche nach verschiedenen Pflanzen begeben. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, den Wald kennenzulernen und zu erleben!

Wichtig ist es dabei, die gesammelten Erfahrungen gemeinsam zu besprechen. So festigt sich das Wissen der Kinder und sie sind in der Lage, ein ausgeprägtes Verständnis für ihre Umwelt zu entwickeln. Getrocknete Blätter oder selbst gebastelte Kunstwerke tragen dazu bei, dass die Kinder auch nach ihrem Ausflug in Wald und Wiese lange an ihren Erinnerungen zehren können.

Naturmaterialien: Wahre Pädagogik-„Tools“

Doch nicht immer sind Ausflüge in den Wald vonnöten. Die ökologische Bildung in der Kita lässt sich auch im Gebäude des Kindergartens oder im Freibereich vorantreiben. Hier verlassen sich viele Kindertagesstätten auf den Einsatz von Naturmaterial. Blätter und Steine sind für die Pädagogik an dieser Stelle gewinnbringend und vor allem vielseitig einsetzbar.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ist in der Stadt kein Spaziergang im Wald möglich, haben Erzieherinnen und Erzieher die Möglichkeit, einen Barfuß-Pfad anzulegen. Mit verbundenen Augen erhalten die Kinder den Auftrag, über verschiedenartiges Naturmaterial zu laufen. Hierbei erfahren sie, wie es sich anfühlt, Wiese, Sand oder Moos hautnah zu spüren. Anschließend sind diese Erlebnisse ein guter Ausgangspunkt, um über die Umwelt zu sprechen. Gleichzeitig kann man die sprachliche Bildung der Kinder trainieren. Diskutieren Sie mit der Gruppe, wo die Materialien in der Natur zu finden sind.

Wo kommen Nahrung und Kleidung her?

Neben dem Erkunden von Flächen gibt es noch weit mehr Einsatzmöglichkeiten der ökologischen Bildung in der Kita. Die Kinder lernen dank der Umweltbildung Flora und Fauna kennen. Zudem begreifen sie den Unterschied zwischen den vier Elementen. Auch die Jahreszeiten sind im Rahmen der Naturpädagogik behandelbar. Zudem sollten die Kinder spätestens im Vorschulalter ein grobes Verständnis dafür entwickeln, wo Nahrung und Kleidung herkommen. Auch der verantwortungsvolle Umgang mit Wasser ist bereits in diesem Alter ein sinnvolles Thema, das sich mit allen Sinnen erleben lässt.

Infografik Upcycling in der Kita: Aus alt mach neu

Natur und Umwelt Kita, Upcycling in der Kita, Umgang mit Müll im Kindergarten
Infografik Upcycling im Kindergarten © Prokita-Portal

Um das Verständnis der Kitagruppe für die Nachhaltigkeit zu stärken, bieten sich vor allem auch Projekte im Bereich Upcycling in der Kita an. Hierdurch lernen die Kinder, dass es unzählige Möglichkeiten gibt, ausgedienten Produkten ein neues Leben einzuhauchen. Ziel ist es, dies auch für das spätere Leben zu verinnerlichen. Die Umsetzung bietet der Fantasie hierbei sehr viel Raum. So macht die Umwelterziehung den Kindern in der Praxis gleichzeitig auch noch Spaß. Selbst Objekte, die auf den ersten Blick wie Abfall wirken, lassen sich hierzu nutzen.

So bieten zum Beispiel leere Toilettenpapier-Rollen eine gute Basis für Bastelprojekte. Im Handumdrehen verwandeln sich die Rollen in Kombination mit anderen Bastelmaterialien in Tiere, Weihnachtsmänner oder kleine Menschen. Außerdem lassen sich Konservendosen ganz einfach in Laternen verwandeln. Ausrangierte Gummistiefel werden zu Blumentöpfen. Doch auch ausgediente Pappkartons und andere Verpackungsmaterialien lassen sich im Rahmen des Upcyclings neu gestalten. In diesem Zusammenhang ist es auch möglich, gleich das Thema des Verpackungsmülls aufzugreifen. Fragen Sie die Kinder, welche Produkte sinnvollerweise eine Verpackung benötigen und welche Waren auch gut ohne Verpackungsmaterial zurechtkommen.

Außerdem können Erzieherinnen und Erzieher den Kindern zeigen, wie sich Naturmaterial in neue Dinge umwandeln lässt. Geben Sie den Kindern beispielsweise die Aufgabe Äste, Blüten und Moose zu sammeln. Aus diesen Dingen lässt sich ganz einfach ein naturbelassener Bilderrahmen zaubern. Beim Upcycling sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind dann tolle Kunstwerke für den Gruppenraum – eine Wertschätzung für die kleinen Bastler.

Umgang mit Müll in der Kita

Teil der Umwelterziehung ist es auch, den Kindern ein Bewusstsein dafür zu vermitteln, was mit unserem Müll geschieht. Es ist sinnvoll, den Kindern im Rahmen der Umweltpädagogik zu vermitteln, was mit abgelaufen Lebensmitteln passiert und wie wichtig die Mülltrennung ist. Dazu lassen sich beispielsweise Ausflüge zu einem Wertstoffhof organisieren. Doch auch im Alltag von Kindertagesstätten ist es möglich, den richtigen Umgang mit Müll vorzuleben. Die verschiedenen Farben der Mülltonnen erleichtern den Kindern das Verständnis für die Mülltrennung. Besprechen die Erzieher mit ihrer Gruppe, welcher Müll in welche Farbe entsorgt werden darf, lernen die Kinder bereits im jungen Alter ein Bewusstsein für Mülltrennung.

Daraus lässt sich sogar ein Spiel gestalten: Drucken Sie Bilder verschiedener Abfallprodukte und stellen Sie Tonnen in den entsprechenden Farben bereit. Lassen Sie den Kindern Raum, gemeinsam zu knobeln, welches Produkt in welcher Tonne am besten aufgehoben ist. Damit sich dieses Wissen anschließend auch im Alltag festigt, ist es sinnvoll, in der Kita weiterhin Wert auf Mülltrennung zu legen. Stellen Sie verschiedene farbige Behälter bereit. Fordern Sie die Kinder nun auf, ihren Müll immer im passenden Behältnis zu entsorgen. Dabei ist es wichtig, dass Erzieherinnen und Erzieher sich stets ihrer Vorbildrolle bewusst sind. Nur wenn sie mit gutem Beispiel voran gehen und ihren Müll trennen, eifern die Kinder diesem Verhalten ebenso nach.

Natur in der Stadt: Herausforderungen eines Stadtkindergartens

Ländlich gelegene Einrichtungen haben bei der Umsetzung der Umweltbildung einen klaren Vorteil – die Nähe zur Natur. Ist ein Kindergarten aber inmitten einer Stadt gelegen, gestaltet sich das Besuchen von Wald und Wiese häufig als Herausforderung. Es bietet sich an, Parks und andere naturnahe Flächen zu suchen, die sich für die Pädagogik sinnvoll einsetzen lassen. Sind auch diese nicht ohne größeren Aufwand zu erreichen, gibt es immer noch das Außengelände der Kita.

Häufig wird dieses nur als Spielplatz gesehen und dementsprechend gestaltet. Doch Erzieherinnen und Erzieher haben hier die Möglichkeit, einen Naturraum zu schaffen, den die Kinder jederzeit aufsuchen können. Legen Sie im Garten zum Beispiel zusammen mit den Kindern Beete an. So verstehen die Jungen und Mädchen, woher Nahrungsmittel kommen und was Pflanzen zum Wachsen benötigen. Es bietet sich dabei außerdem an, einen Gartendienst festzulegen, der die Aufgabe hat, die Gewächse mit Wasser zu versorgen. Pflanzen Sie hier beispielsweise auch Blumen an, welche Bienen gerne anfliegen. In diesem Zusammenhang ist es dann möglich, den Kindern zu erklären, wie wichtig bestimmte Insekten für das Ökosystem sind.

Kinder im Gemüsegarten, Umgang mit Natur durch Gartenarbeit beibringen
Kinder kann man mit einem eigenen Gemüsegarten verständlich machen woher die Nahrungsmittel kommen und was dafür alles nötig ist © Juliya Shangarey - Shutterstock

Ebenso ist das Gestalten von Nist- und Futterplätzen sinnvoll, um ein Stück Natur in den Kindergarten zu holen. Auf diese Art und Weise ist das Anlocken verschiedener Tiere möglich, die sich sonst nicht im Außengelände aufhalten. Regen Sie die Kinder dazu an, über ihre Tierbeobachtungen zu sprechen. Vor allem Vögel werden den Weg in den Außenbereich der Kita finden. Besprechen Sie mit den Kindern, woran sich unterschiedliche Vogelarten erkennen lassen und wie die bekanntesten Vögel heißen.

Förderung der Nachhaltigkeit: Umweltakademie und Naturstrolche

Baden-Württemberg geht bei der Förderung der Umweltbildung im Kindergarten mit gutem Beispiel voran. Die sogenannte Umweltakademie Baden-Württemberg hat mit dem Projekt „Nachhaltigkeit im Kindergarten“ den Grundstein für die Unterstützung der Pädagogik im Bereich Natur und Umwelt gelegt. In Kooperation mit dem Volkshochschulverband Baden-Württemberg e. V. wurde ein landesweites Netz an Mentoren geschaffen, welche Einrichtungen bei der Umsetzung der Nachhaltigkeit unter die Arme greifen. Dabei setzt das Projekt neben dem Durchführen von Fortbildungsseminaren auch auf das Bereitstellen pädagogischer Materialien.

Ebenso setzt sich der Verein Natur- und Umweltbildung e. V. bundesweit für die Umwelterziehung von Kindern ein. Dieser verleiht mit dem sogenannten „Naturstrolche Abzeichen“ eine Auszeichnung an alle Kleinkinder, die sich mit dem Thema Natur und Umwelt auseinandersetzen. Interessierte Kitas zahlen einen Beitrag für jedes teilnehmende Kind. Dafür erhalten sie nach Abschluss des Projekts für jedes Kind ein Abzeichen und eine Urkunde.

Ziel des Projekts Naturstrolche ist es, der Naturpädagogik einen Rahmen zu setzen und Erzieherinnen und Erzieher bei der Umsetzung im eigenen Kindergarten zu unterstützen. So erhalten pädagogische Fachkräfte beispielsweise Zugriff auf eine Sammlung an Naturerfahrungsspielen. Diese spielerische Herangehensweise und die Belohnung in Form von Abzeichen und Urkunde sorgen dafür, dass sich die Kinder noch Jahre später an diese erste Erfahrung im Bereich der Umweltbildung erinnern.

Redaktion Prokita-Portal


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