Computer für Kinder? Wieso Medienerziehung früh beginnen sollte

Bereits die Kleinsten zeigen eine große Begeisterung für Computer, Smartphones und Co. Fast schon intuitiv scheinen sie die modernen Medien zu bedienen. Doch dies bedeutet noch lange nicht, dass sie wirklich reflektieren können, was sie da tun. Hier kommt die Medienerziehung ins Spiel. Vor allem im Bezug auf Computer müssen Kinder einige Kompetenzen lernen. Die Medienpädagogik kann schon im Kindergarten damit beginnen, die Kinder an die richtige Nutzung des Computers heranzuführen.

Computer innerhalb der Medienerziehung: Ab welchem Alter ist sie sinnvoll?

Das Bedienen von Computern stellt viele Anforderungen an den Nutzer. Er muss schnelle Bildwechsel verarbeiten, die motorische Koordination der Maussteuerung beherrschen und verstehen, was er da auf dem Bildschirm sieht. Kleinkinder sind – anders als Schulkinder oder ihre Eltern – diesen Herausforderungen noch nicht gewachsen. Daher empfiehlt die Medienpädagogik, Kindern, die jünger als drei Jahre sind, die Mediennutzung nicht zu gestatten. Für die Jüngsten kann der Medienkonsum sogar negative Folgen für die Entwicklung nach sich ziehen.

Kind guckt auf einen Bildschirm, Computer für Kinder ab 4 Jahren, Computer im Kindergarten
Durch eine schnelle Bildverarbeitung sollten Kinder erst ab einem gewissen Alter unter Aufsicht den Computer nutzen © Maria Uspenskaya - Shutterstock

Kindergartenkinder sollten daher frühestens mit drei, idealerweise in einem Alter von vier Jahren Zugang zu Computern erhalten. Dabei ist es essenziell, dass die Medienarbeit immer von Erziehern begleitet wird. Wichtig ist es beim Medienkonsum vor allem auch, auf die Einhaltung klarer Zeitgrenzen zu achten. Kinder, die jünger als fünf Jahre sind, sollten an einem Tag nicht länger als 30 Minuten in die Medienwelt eintauchen. Dazu zählen nicht nur Computer und Fernsehen, sondern auch das Tablet z. B. im Kindergarten und andere digitale Medien.

Dieses Zeitlimit gilt nicht nur für den Kindergarten, sondern für den gesamten Tag. Daher ist es ratsam, dass Erzieherinnen und Erzieher der Familie mitteilen, wenn dieses Zeitpensum bereits im Kindergarten überschritten wurde. Auf diese Art und Weise lässt sich ein Überkonsum von Medien vermeiden. Computerspiele sind in diesem Alter noch weitestgehend ungeeignet. Vereinzelt bieten sich Lernspiele an, die die Kinder an das Verwenden der Technik und der neuen Medien heranzuführen.

Medienpädagogik am Computer: Kommunikation von klaren Regeln

Um den Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit den Medien beizubringen, ist es bei der Medienerziehung unerlässlich, klare Vorgaben aufzustellen. So lernen die Kinder von Anfang an, dass für den Umgang mit Computern festgelegte Spielregeln gelten. Auf lange Sicht kann dies sogar helfen, Suchtentwicklungen vorzubeugen. Außerdem erfahren die Kinder, was es bedeutet, sich an Regeln halten zu müssen. Diese Kompetenz ist später auch in der Schule unverzichtbar. Das Integrieren einer klaren Struktur in den Alltag eines Kindergartens hat also viele Vorteile.

Die erlaubten Verhaltensweisen lassen sich dabei gemeinsam mit den Kindern erarbeiten. Fragen Sie in die Runde, welche Grenzen bereits von zu Hause bekannt sind. Geben Sie Denkanstöße, wenn die Jungen und Mädchen nicht von sich aus aktiv werden.

Mögliche Regeln sind zum Beispiel die Folgenden:

  • Ich bediene den Computer nur mit sauberen Händen. Wenn sie nicht sauber sind, wasche ich sie vorher.
  • Wenn ich in der Nähe des Computers bin, esse und trinke ich nichts.
  • Den Computer nutze ich nur für die vereinbarte Aufgabe und die festgelegte Zeit.
  • An einem Computer arbeiten zeitgleich höchstens zwei Kinder. Alle anderen schauen zu.
  • Den Schreibtisch halte ich ordentlich.

Die pädagogische Fachkraft erstellt im Anschluss zusammen mit der Kindergartengruppe ein Regel-Plakat. In Teams überlegen die Kinder, welche Bilder sie zu den Regeln malen könnten. So entsteht in der Zusammenarbeit ein kreatives Plakat, welches sich im Gruppenraum aufhängen lässt. Im Vorbeigehen erinnern sich die Kinder auf diese Art und Weise immer an die Do’s und Dont’s am PC.

Schutz für den PC: Medien kindersicher gestalten

Bevor die Kinder selbst einen Computer benutzen dürfen, muss dieser zunächst mit einer Kindersicherung versehen werden. Denn das Verwenden eines PCs ist mit weit mehr Sicherheitsrisiken verbunden als beispielsweise das Fernsehen in der Medienerziehung. Vor allem das Internet birgt für die Kinder ein großes Gefahrenpotenzial.

Dabei sind es vor allem folgende Punkte, vor denen es die Kinder im Netz besonders zu schützen gilt:

  • Unangemessene Inhalte (gewaltverherrlichende Bilder, pornografische Seiten)
  • Versteckte Werbung
  • Kostenfalle vor allem bei Onlinespielen
  • Mangelnde Datensicherheit

Verschiedene Schutzprogramme bieten unterschiedliche Lösungen, diese Sicherheitslücken beim Medienkonsum zu schließen. Die Kinderschutzsoftware „KinderServer“ lässt den Zugriff zum Beispiel nur auf geprüfte Seiten im Internet zu. Die Jungen und Mädchen können also nur Inhalte aufrufen, welche von sogenannten Kinder-Suchmaschinen gefunden werden. Die bekanntesten kindgerechten Suchmaschinen im deutschsprachigen Netz sind „FragFinn“ und „Blinde Kuh“.

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Um Kinder den Zugriff auf nicht gewünschten Seiten zu unterbinden, bietet sich ein Kinderschutzprogramm an © Edler von Rabenstein - Shutterstock

Die Kindersicherung von „Patents Friends“ bietet zudem noch weitere Möglichkeiten. Neben dem Erstellen einer Blacklist mit unliebsamen Keywords haben Erzieherinnen und Erzieher auch die Option, ein Zeitlimit für die Medienarbeit im Netz festzulegen. Zudem protokolliert das Programm auf Wunsch die gesamte Nutzeraktivität. Diese zwei Beispiele sind selbstverständlich nicht die einzigen Anbieter im Bereich der Kinderschutzsoftware. Erzieher sollten das Onlineangebot sorgfältig prüfen und das für die jeweiligen Bedürfnisse am besten passende Programm auswählen.

Tipps für die Praxis: Anwendungsbeispiele für die Medienerziehung am Computer

Die Medienpädagogik beschäftigt sich nicht nur damit, den Kindern das technische Know-how für die Bedienung eines Computers zu übermitteln. Vielmehr geht es bei der Medienerziehung auch darum, den Jungen und Mädchen ein Verständnis dafür zu vermitteln, wie die Medien an unterschiedlichen Stellen eingesetzt werden. In der Praxis gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Medienkompetenz der Kindergartenkinder zu steigern. Die folgenden Anwendungsbeispiele richten sich an Kinder ab einem Alter von vier Jahren.

1.      Computer in unsere Umgebung

Das Ziel dieser Übung ist es, das Wissen der Kinder über den Einsatz von Computern zu steigern. Sie sollen verstehen, dass es neben den klassischen PCs auch noch andere technische Geräte gibt, die wie ein Computer funktionieren. Zu Beginn ist es sinnvoll, mit der Gruppe zu besprechen, was einen Rechner überhaupt ausmacht und woran man ihn erkennen kann. Es ist die Aufgabe der pädagogischen Fachkraft, den Kindern zu vermitteln, dass auch ein Laptop, ein Tablet, ein Smartphone und ein smarter Fernseher ähnlich funktionieren wie ein Computer. Doch auch andere Geräte in der Welt da draußen funktionieren wie ein PC.

Zeigen Sie den Kindern Bilder von anderen technischen Hilfsmitteln. Als Anregungen eignen sich Supermarktkassen ebenso wie Bankautomaten. Das Ziel ist es, dass die Kinder verstehen, dass selbst ein Auto oder eine Waschmaschine über technische Funktionsweisen wie ein Computer verfügen. Anschließend können Sie die Gruppe auf Entdeckungstour in der Einrichtung schicken. Die Kindergartenkinder sollen selbst Erfahrungen sammeln, wo sich die Computertechnik überall versteckt. Stellen Sie Digitalkameras zur Verfügung, mit der die Teams anschließend ihre Entdeckungen dokumentieren. Die Kinder werden in ihrer Rolle als Entdecker voll aufgehen. Die Ergebnisse lassen sich später auf einem Computerbildschirm präsentieren.

Es ist sinnvoll, zu besprechen, ob es sich bei den jeweiligen Aufnahmen wirklich um Computertechnik handelt oder nicht. Diese Diskussion lässt sich auch als Ausgangspunkt für weitere Fragestellungen der Medienerziehung nutzen. Regen Sie ein Gespräch darüber an, wie die Computer uns in unserer alltäglichen Welt unterstützen. Lassen Sie die Kinder überlegen, wie ein Leben ohne diese Medien aussehen würde. Dieses Thema lässt sich auch als Anregung für einen Elternabend bzw. ein Eltern Event zusammen mit den Kindern nutzen. Laden Sie alle an einen runden Tisch ein und lassen Sie Eltern oder sogar Großeltern davon erzählen, wie Sie das Aufwachsen ohne technische Hilfsmittel erlebt haben. Das wird nicht nur die Kinder zum Staunen bringen, sondern auch in der Familie für Gesprächsstoff sorgen.

2.      Den Computer kennenlernen – von außen und innen

Teil der Medienerziehung ist es auch, dass die Kinder lernen, die Bestandteile eines Computers zu benennen. Dabei ist es sinnvoll, von außen nach innen zu arbeiten. Um die Namen und Funktion von Maus, Tastatur, Bildschirm und Co. zu begreifen, bietet es sich an, ein Memory zu spielen. Erzieherinnen und Erzieher bereiten hierfür Bilder der unterschiedlichen Bestandteile vor. Nach dem bekannten Memoryprinzip drehen die Kinder nach und nach ein Bild um. Anschließend müssen sie benennen, was auf der Abbildung zu sehen ist.

Vor allem auch das Innenleben der modernen Medien fasziniert die Jungen und Mädchen. Sie haben häufig Probleme damit, zu begreifen, dass es sich bei der Technik nicht um lebende Organismen handelt. Dürfen sie einen Blick in das Innere eines Computers werfen, wird es ihnen leichter fallen zu verstehen, dass der PC kein Lebewesen ist. Erzieher sollten sich zu diesem Zweck nach ausrangierten Computern umsehen. Von diesen kann man die Seitenwand abnehmen und den Inhalt zum Vorschein bringen. Stellen Sie Lupen und Taschenlampen zur Verfügung, damit die Kinder das Innenleben erforschen können. Betonen Sie an dieser Stelle deutlich, dass nicht jeder PC auf diese Art und Weise aufgeschraubt werden darf.

Anschließend ist es sinnvoll, auf wichtige Teile gezielt einzugehen und diese zu zeigen. Beschreiben Sie die Funktion, indem Sie mit Vergleichen arbeiten, die die Kinder begreifen. Das Motherboard lässt sich beispielsweise als Herz des Computers beschreiben. Anschließend bietet es sich an, die Lehrstunde mit einem Upcycling-Projekt abzuschließen. So verlieren die Jungen und Mädchen den Spaß an der Thematik nicht, sondern sind in der Lage, ihre Erfahrungen künstlerisch zu verarbeiten. Aus den alten Technikteilen lässt sich eine Vielzahl von Dingen basteln. Ein Beispiel: Verwenden Sie die verbauten Kabel, um kreative Bilder zu legen.

3.      Malen am Computer: Kreative Medienerziehung

Es ist von Vorteil, wenn die Kinder begreifen, dass sich ein Computer als Werkzeug für viele kreative Tätigkeiten einsetzen lässt. Spätestens in der Schule ist der Computer oft das Medium der Wahl, wenn es um das Gestalten verschiedener Projekte geht. Daher ist das Heranführen an die Vielseitigkeit der Einsatzmöglichkeiten bereits im Kindergartenalter sinnvoll. Dazu eignen sich verschiedene Malprogramme, die den Kindern die Möglichkeit bietet, sich künstlerisch auszutoben. „Tux Paint“ eignet sich zum Beispiel hervorragend, um Kunstprojekte von Kindern digital zu realisieren.

Das Spielen und Malen am Computer hilft den Kindern, die visuomotorischen Kompetenzen auszubauen. Sie erlernen durch das Steuern der Maus ganz nebenbei eine feine Hand-Augen-Koordination. Zudem regt die Nutzung der Medien in diesem Rahmen auch die Fantasie an. Kindergartenerzieher haben die Möglichkeit, bestimmte Themen vorzugeben, zu denen die Kinder ein Kunstwerk gestalten sollen. Erzieherinnen und Erzieher geben beispielsweise eine Einführung in das Thema geometrische Formen. Anschließend sollen die Kinder mithilfe des Zeichenprogramms ein Bild erstellen, dass nur aus geometrischen Formen besteht. Bereits hier lassen sich durch eine gezielte Medienerziehung erste Wissensgrundlagen für die Schule legen.

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Visomotorische Kompetzen können Kinder am Computer unter Aufsicht aufbauen © ElenYrebyata - Shutterstock

4.      Der Computer Pass: Urkunde über die Medienkompetenz

Für die älteren Kinder, die sich intensiver mit Computern und ihrer Funktionsweise auseinandergesetzt haben, kann man einen Computer Pass einführen. Dieser stellt eine Art Urkunde – ähnlich wie die Fahrradprüfung – dar. Diese Auszeichnung erhalten die Kinder nur, wenn sie bestimmte Kompetenzen zur Schau stellen können.

Der Computer-Führerschein bezieht sich zum Beispiel auf folgende Bereiche:

  • Anerkennen und Einhalten der Regeln
  • Fähigkeit, den Computer ein- und auszuschalten
  • Wissen, wie man ein Programm öffnet und schließt
  • Korrekte Verwendung eines USB-Sticks
  • Suchen im Netz
  • Grundbegriffe richtig verwenden

Auf welche Art und Weise die Prüfung dieser Kompetenzen erfolgt, ist den Erziehern überlassen. Eine spielerische Herangehensweise bietet sich in jedem Fall an. Gestalten Sie zum Beispiel einen kleinen Wettkampf, bei welchem die Kinder zeigen können, was sie gelernt haben.

Halten die Kindergartenkinder anschließend den Computer Pass in den Händen, stärkt das das Selbstbewusstsein. Die Kinder können den Ausweis ihren Eltern präsentieren und sind stolz auf ihre erworbene Medienkompetenz. Dies kann auch einen Einfluss auf die Mediennutzung haben, da die Kinder reflektierter mit Computer, Tablet, Fernsehen und Co. umgehen. Sie wissen später, worauf man beim Spielen am PC achten muss und erlernen wichtiges Grundwissen, welches sie später in der Grundschule und als Jugendliche benötigen.

Redaktion Prokita-Portal


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