Sprachliche Bildung: Kinder lernen Sprache

Die sprachliche Bildung von Kindern ist einer der Erziehungsbereiche, die im Kindergarten und in der Kita eine große Rolle spielen. Kaum ein Bildungsbereich und Entwicklungsziel in der Kita ist so facettenreich und herausfordernd wie die Vermittlung von Sprache. Erzieher und pädagogische Fachkräfte müssen den Kindern die verschiedenen Elemente der Sprache näherbringen. Dabei ist es essenziell, sie auch schon auf die Schule vorzubereiten und die Schulfähigkeit zu fördern. Neben der Förderung des Spracherwerbs zählt auch die Erkennung von Sprachstörungen zu den Aufgaben der Fachkräfte. Das Trainieren der Sprechmotorik gehört ebenso zu den alltagsintegrierten Übungen im Kindergarten wie die Erweiterung des Wortschatzes und der Grammatik. Die Aufgaben der Erzieher bezüglich der sprachlichen Bildung reichen demnach von Beobachtungen bis hin zum Lehren von Fremdsprachen.

Die Entwicklung von Sprache: Sprachförderung im Kindergarten

Erzieher und Erzieherinnen können im Kita-Alltag die Sprache der Kinder auf unterschiedliche Art und Weise fördern. Oft beginnen Sprachbildung und Sprachförderung schon auf einer eher unbewussten Ebene. Pädagogische Fachkräfte, die den Kindern zuhören und Fragen beantworten, tragen bereits dazu bei, dass sich die Sprache der Kinder entwickeln kann. Sie unterstützen die Kinder, selbst Wörter und Sätze zu bilden und zeigen ihnen, was falsch und was richtig ist. Das ist Sprachförderung par excellence.

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Jeder Kindergarten und jede Kindertageseinrichtung verfolgt unter Umständen ein eigenes Konzept zur Sprachbildung und zur Förderung des Spracherwerbs. Einige Elemente sind jedoch im Kontext der Sprachförderung immer wichtig. Erwachsene gelten als Sprachvorbild für Kinder. Die Wörter und Satzkonstruktionen, die Erzieher und Eltern verwenden, merken sich die Kindergartenkinder. Aus diesem Grund prägt die Sprache der Erwachsenen die Sprachentwicklung der Kinder maßgeblich. Auf einige Besonderheiten können und sollten Erzieher daher achten:

  • Fragen beantworten: Dabei die Erklärungen in ganzen Sätzen formulieren
  • Auf den eigenen Wortschatz achten: Unterschiedliche Wörter nutzen und Synonyme finden
  • Umformulieren statt streng Verbessern: Alternativlösungen für Fehler anbieten

Die Sprachbildung von Kindern ist komplex. Wichtig ist in jedem Fall die Kommunikation mit Erwachsenen. Achten Sie im Umgang mit den Kindern darauf, ganze und klare Sätze zu formulieren. Auf diese Weise hören die Kinder, wie die Sprache korrekt angewandt wird. Nutzen Sie zum Beispiel auch verschiedene Wörter für ein und denselben Gegenstand und erklären Sie diesen Zusammenhang.

So wird den Kindern die Vielfalt der Sprache bewusst. Wenn Ihnen Fehler in der Sprache der Kinder auffallen, können Sie die richtigen Wörter oder den korrekten Satzbau in Ihrer eigenen Aussage betonen. So fühlt sich das Kind nicht zurechtgewiesen, sondern hört in Ihrer Aussage die korrekte Anwendung des Sprachelements.

Sprachliche Bildung: Spiele für die Sprachentwicklung

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Infografik Sprachliche Bildung im Kindergarten © Prokita-Portal

Der Alltag im Kindergarten wird von der Motivation und Anstrengung der Erzieherinnen und Erzieher geprägt. Häufig stecken die Erwachsenen viel Herzblut in die Arbeit mit den Kindern. Das betrifft auch die Förderung von Sprache. Da kleine Kinder vor allem durch Spiele und einfache Übungen lernen, lassen sich die Fachkräfte im Kindergarten besondere Aufgaben einfallen, um den Spracherwerb der Kinder voranzutreiben.

Einen großen Anteil machen dabei Sprachspiele aus. Die unterschiedlichen Übungen verlangen zwar höchste Konzentrationen von den Kindern, bereiten ihnen aber auch Freude. Nur wenn die Kinder Spaß an den Sprachaufgaben haben, bleiben sie auch konsequent und konzentriert. Beispiele für solche Sprachspiele sind:

  • Das Alphabet singen
  • Buchstaben erraten
  • Silben in die richtige Reihenfolge bringen

Sprachanregende Spiele dienen dazu, Kindern Wortschatz, Satzbau und Sprachgebrauch auf spielerische Art und Weise näherzubringen. Sie lernen neue Wörter und Satzkonstruktionen sowie die Lautbildung und die Aussprache von verschiedenen Begriffen. Zudem können Sprachspiele dabei helfen, Sprach- oder Sprechstörungen zu behandeln. Auffälligkeiten können durch bestimmte Übungen verringert werden oder gar verschwinden.

Schwerpunkt Sprechmotorik: Wie Sprache entsteht und verbessert werden kann

Sprache ist notwendig, um sich mit anderen Menschen auszutauschen und eigene Gedanken und Bedürfnisse zu kommunizieren. Dabei spielen nicht nur Grammatik und Wortschatz eine grundlegende Rolle. Ohne die Lautbildung kann Sprache nicht funktionieren. Sowohl die Sprechorgane als auch das Programm zur Anleitung der Sprachausübung im Gehirn müssen dafür fehlerfrei arbeiten.

Liegen Sprach- oder Sprechstörungen vor, können diese durch bestimmte Übungen verbessert werden. Die Diagnose und Behandlung von Sprachauffälligkeiten liegen nicht im Aufgabenbereich pädagogischer Fachkräfte. Erzieher können den Eltern betroffener Kinder lediglich empfehlen, einen Arzt oder einen Logopäden für eine Untersuchung aufzusuchen. Nichtsdestotrotz können die Betreuer im Kindergarten diesbezüglich auf einige Aspekte achten:

  • Zungenbrecher und Lernspiele: Durch bestimmte Aufgaben und Texte können Kinder mit Sprach- oder Sprechstörungen auch im Kindergarten üben. Zungenbrecher oder sprachanregende Spiele, die die Mundmotorik trainieren, helfen ihnen, die Auffälligkeit in den Griff zu bekommen.
  • Toleranz steigern: In der Kindergarten- oder Kitagruppe sollten Akzeptanz und Rücksicht als Selbstverständlichkeit gesehen werden. Erzieher sollten den Kindern früh klar machen, dass das Auslachen anderer ein No-Go ist. So lernen die Kinder, sich gegenseitig zu unterstützen und sich bei Problemen zu helfen.
  • Eltern einbinden: Um das Training der Sprechmotorik so effektiv wie möglich zu gestalten, sollten auch die Eltern in die Übungen eingebunden werden. Erklären Sie den Erwachsenen, was genau Sie in der Gruppe bereits besprochen und trainiert haben. Die Eltern der Kinder können die Aufgaben dann auch zu Hause durchführen.

Die Sprechmotorik von Kindern lässt sich gut trainieren und somit verbessern. Erzieher können durch kreative, alltagsintegrierte Übungen Spaß an den Aufgaben vermitteln und so aktiv zu einer gesunden Entwicklung der Sprache beitragen.

Reime und Gedichte: Kreative Laut- und Satzbildung

Zum Training der Sprechmotorik, aber auch zur Erweiterung des Wortschatzes können Kinderreime und Gedichte zur Sprachförderung genutzt werden. Als sprachanregende Elemente und Beispiele zeigen sie den Kindern eine weitere Facette der Sprache. Ziel der sprachlichen Bildung ist es, die Kinder mit den verschiedenen Elementen von Sprache vertraut zu machen. Erzieher und Erzieherinnen begleiten ihre Schützlinge auf diesem Weg und dienen ihnen als Sprachvorbild.

Sprachliche Bildung: Mit Gedichten Sprache lehren

Um den Kindern Sprache möglichst kreativ zu vermitteln, können sich die Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen ganz unterschiedliche Konzepte zunutze machen. Reime und Gedichte machen Kindern Spaß. Durch die bildhafte Sprache können sie sich beispielsweise neue Wörter leichter merken. In Kombination mit Bildbetrachtungen gelingt es Kindern, sich Szenen und Geschichten besser vorzustellen.

Während es viele verschiedene Methoden gibt, um Sprache zu vermitteln, bieten Kinderreime und Gedichte zur Sprachförderung eine gute Möglichkeit, zusätzlich auch die Kreativität und Fantasie der Kinder zu fordern. Die Kinder lernen, wie die Lautbildung und der Rhythmus einer Sprache zur Sprachmelodie beitragen. Diese Sprachmelodie müssen häufig vor allem Kinder, die zu Hause eine Fremdsprache sprechen, zunächst erlernen.

Reime und Gedichte: Anlässe nutzen und kreativ aufarbeiten

Für Erwachsene sind viele Dinge ganz selbstverständlich: Plätzchen in der Adventszeit, bunte Blätter im Herbst oder ein Regenbogen nach einem Sommerregen. Kinder sehen diese Ereignisse aus einer völlig anderen Perspektive. Für die Kinder befindet sich in alltäglichen Geschehnissen ein Zauber. Ständig sind die Kids auf Entdeckungstour.

Erzieher und Erzieherinnen können diese Neugierde und die Abenteuerlust für die sprachliche Förderung nutzen. Im Verlauf eines Jahres finden sich sowohl in Natur und Umwelt, als auch in der regionalen kulturellen Bildung interessante Ereignisse, die in der Kindergartengruppe besprochen und verarbeitet werden können. Das Weihnachtsfest mit der täglichen Überraschung im Adventskalender oder dem Nikolaustag ist für die Kinder genauso spannend wie eine Bastelaktion anlässlich des Mutter- oder Vatertags im Frühling. Zu diesen verschiedenen Jahreszeiten und Festtagen lassen sich passende Texte und Gedichte zur Sprachförderung finden:

Durch einen aktuellen Bezug und bildhafte oder sogar witzige Gedichte und Geschichten gewinnen Sie die Aufmerksamkeit der Kinder über einen längeren Zeitraum. Die Merkfähigkeit und die eigene Aktivität und Kreativität werden durch die Texte gefördert. Die Arbeit mit Reimen, Gedichten und ähnlichen Texten spielt auch für den Alltag in der Schule eine wichtige Rolle: Die Kinder müssen Stück für Stück lernen, sich eigenständig mit Lauten, Wörtern und Sätzen auseinanderzusetzen.

Neue Aufgabenbereiche in der Kita: Fremdsprachliche Frühförderung

Sprache ist die Grundlage für jegliche Kommunikation. Kommunikation ist wiederum wichtig für die Integration in die Gesellschaft. Aus diesem Grund ist Sprache ein Elementarbereich, den pädagogische Fachkräfte im Kindergarten oder in Kindertageseinrichtungen vermitteln und abdecken. Während es unterschiedliche Methoden gibt, um das Ziel des korrekten Spracherwerbs zu erreichen, konzentrieren sich Erzieher und Erzieherinnen unter anderem auf die bestehenden Fähigkeiten des Kindes: Es gilt, die auch die sozialen und emotionalen Kompetenzen der Kinder zu stärken.

Immer wichtiger wird dabei auch die Vermittlung einer Zweitsprache. Die fremdsprachliche Frühförderung baut den Elementarbereich „Sprache“ aus und stellt Erzieher vor neue Herausforderungen. Vor einigen Jahren war das Lehren von Fremdsprachen lediglich für Schulen relevant. Inzwischen fordern immer mehr Eltern von Kindergärten, dass auch schon die Kleinsten Fremdsprachen erlernen können.

Natürlich sieht die Vermittlung einer Zweitsprache im Kindergarten noch anders aus als der Unterricht in der Schule. Trotzdem müssen sich die pädagogischen Fachkräfte fortbilden, um sich die Grundlagen und Kompetenzen für die fremdsprachliche Frühförderung anzueignen. Die Vermittlung einer Fremdsprache muss kindgerecht erfolgen und zum Stand der Entwicklung eines Kindes passen. Das ist nicht immer einfach umzusetzen. Gleichzeitig kann man Kindern die Religion erklären, die passend zur Sprache ist.

Methoden der fremdsprachlichen Frühförderung

Um dem Wunsch der Eltern nach einer Mehrsprachigkeit der Kinder nachzukommen, müssen sich Erzieher auf neue Strategien einlassen und sich neue Konzepte einfallen lassen. Zur Vermittlung einer Fremdsprache können zum Beispiel Sprachspiele aus dem Deutschen angepasst und in die Zweitsprache übersetzt werden. Die Erzieher selbst müssen die Sprache so gut beherrschen, dass sie als Sprachvorbild für die Kinder fungieren können.

Da Kinder im Kindergartenalter vor allem spielerisch lernen, sind Lieder, Bewegungsspiele oder gemeinsame Bilderbuchbetrachtungen gute Mittel, um fremde Sprachen zu lehren. In der Kita geht es vor allem darum, den Kindern ein Grundverständnis der Sprache zu verschaffen. Dazu gehören einfache Vokabeln, die für die Kinder einen Alltagsbezug haben. So wird im Kindergarten der Grundstein für die weitere sprachliche Entwicklung bei Fremdsprachen bis hin zur Mehrsprachigkeit gelegt.

Sprachliche Bildung als Schlüssel für Kinder mit Migrationshintergrund

Die Gesellschaft und damit auch die Gruppen in den Kindergärten und Kitas zeichnen sich durch eine hohe Diversität aus. Häufig hat ein großer Teil der Kindergruppe einen Migrationshintergrund und spricht zu Hause eine fremde Sprache. Auf diese Kinder muss hinsichtlich der Sprachenentwicklung ebenfalls Rücksicht genommen werden.

In den meisten Fällen lernen die Kinder, deren Familiensprache nicht Deutsch ist, schnell von ihren Spielkameraden. Die Kinder können zunächst auch ohne Worte kommunizieren. Schritt für Schritt lernen Kinder mit Migrationshintergrund die Sprache kennen, die im Kindergarten gesprochen wird. Aus diesem Grund ist der Kindergarten eine wichtige Einrichtung für die Kinder. Sie kommen direkt mit der Gesellschaft, der Kultur und der Sprache eines Landes in Kontakt.

Durch das Beobachten der Kinder merken pädagogische Fachkräfte, wenn sich ein Kind mit der neuen Sprache schwertut. Im Gespräch mit den Eltern können Sie herausfinden, ob das Kind bereits einen separaten Sprachunterricht besucht. Je nach Nachfrage und Kapazität des Kindergartens kann eine solche Sprachfördermaßnahme auch in einer speziellen Gruppe innerhalb der Einrichtung stattfinden. In jedem Fall ist es wichtig, alle Kinder über die Diversität der Gesellschaft und die Vielfalt an Sprachen und Kulturen aufzuklären. So lernen die Kinder einen toleranten und offenen Umgang mit ihren Mitmenschen.

Redaktion Prokita-Portal


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