Sprachspiele: Kinder erlernen den Umgang mit Sprache

„Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist...“ Das bekannte Suchspiel hilft nicht nur bei Langeweile: Kinder entwickeln durch das Benennen ihrer Umgebung auch ein Verständnis für Sprache und Wortschatz. Die Vielfalt an Spielen zur Förderung und Bildung von Sprachfertigkeiten ist groß. Während strenge Übungen und Aufgaben den Kindern häufig schnell zu eintönig werden, bereiten Sprachspiele den Kleinen Freude. Sprech- und Sprachspiele verbinden Spaß mit einem effektiven Lerngewinn – ein echter Vorteil.

Sprachspiele: Wie sie Kindern Spaß machen und sie zugleich fördern

Kinder finden im Alltag auf unterschiedliche Weise spannende Beschäftigungen, die sie begeistern. Durch ihre blühende Fantasie kommen die Kinder auf beispiellose Ideen und denken sich mitunter eigene Spiele aus. Nicht selten verwandelt sich ihr Umfeld so in eine Fantasiewelt, in der die Kinder bunte Abenteuer erleben. Dabei möchten Kinder immer und immer wieder eine neue Runde eines Spiels spielen, das ihnen gerade besonders gut gefällt. Keine Frage: Beim Spielen zeigen Kinder Ausdauer.

Diese Motivation und Energie können Erwachsene nutzen, um die Kinder zu fördern. Unterschiedliche Bildungsbereiche und Entwicklungsziele können durch gezieltes Üben aufgebaut und unterstützt werden. Durch den spielerischen Umgang bleiben Kinder länger konzentriert und lassen sich auf die verschiedenen Übungen ein.

Ein Bereich, der von Erziehern und pädagogischen Fachkräften maßgeblich mitgeprägt wird, ist die Sprache. Die Kommunikation mit anderen Kindern und Erwachsenen ist für die Kinder von Geburt an wichtig. Mit der Zeit gewinnt die Fähigkeit des Austauschs immer stärker an Bedeutung. Aus diesem Grund sind Spiele zur Förderung der Sprache fester Bestandteil im Kita-Alltag.

Wann kommen Sprach- und Wortspiele zum Einsatz?

Die Sprachentwicklung beginnt bei Kindern schon vor der Geburt. Schon im Mutterleib hört das Kind die Stimme der Mutter und somit auch eine bestimmte Sprache. Dabei spielen zum Beispiel die Betonung von Wörtern und die Sprachmelodie eine wichtige Rolle.

Wörter und die Fähigkeit, sich selbst auszudrücken, erlernen die Kinder erst später. Mit etwa eineinhalb Jahren kommt es bei den meisten Kindern zum Wortschatzspurt. Dann kennen die Kinder über 50 Wörter (Alltagsbegriffe, Einrichtung, Tiere) und können häufig schon viele Gegenstände benennen und Bedürfnisse äußern. Neue Begriffe erlernen sie anschließend noch schneller, wodurch die Basis für einen breit gefächerten Wortschatz gelegt wird.

Durch Sprach- und Wortspiele unterstützt man die Sprachentwicklung bei Kindern

Die Sprachentwicklung bei Kindern beginnt mit ca. 1,5 Jahren © Aaron Amat - Shutterstock

In jeder Phase der Sprachentwicklung und sprachlichen Bildung spielen die Eltern und Erzieher der Kinder eine ausschlaggebende Rolle. Denn: Sprache entsteht im Austausch. Durch die Unterstützung der Erwachsenen lernen die Kinder beispielsweise, wie bestimmte Gegenstände heißen. Außerdem lernen sie durch Sprechen auch soziale Bezüge kennen. Wer sie selbst und wer die anderen sind, erfahren sie unter anderem durch die sprachliche Zuordnung.

Sprache entwickeln und fördern

Ist von Sprachentwicklung die Rede, sind verschiedene Aspekte von Relevanz. Generell ist es gut zu wissen, dass es verschiedene Phasen der Sprachentwicklung gibt, die jedes gesunde Kind durchläuft. Wie lange welche Phase andauert, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Daher gilt: Betrachten Sie jedes Mädchen und jeden Jungen in seiner Entwicklung individuell. Fest steht in jedem Fall, dass die Kinder die Kommunikation mit Bezugspersonen brauchen, um ihre Sprache und ihren Wortschatz ausbauen zu können.

Oft zeigen Erwachsene Kindern intuitiv und somit unbewusst, wie Sprache funktioniert. Dadurch, dass die Kinder Gespräche unter Erwachsenen mitbekommen, lernen sie neue Wörter und Satzkonstruktionen kennen. Durch stützende Sprache im direkten Umgang mit Kindern können Erzieher und Eltern den Kindern direkt dabei helfen, ihre Sprache weiterzubilden. Verbesserungen falscher Formulierungen und das Umstellen von Sätzen zeigen ihnen, wie die Sprache aufgebaut ist. Eine gesonderte Rolle nehmen Sprachspiele ein. Sie vermitteln Kindern auf eine lockere Art und Weise, wie Sprache funktioniert und angewendet wird.

Sprach- und Sprechstörungen entdecken: Sprachspiele als Unterstützung

Spielerische Sprechübungen lassen sich gut in den Kita-Alltag integrieren. Mithilfe von Sprachspielen ist es möglich, den Kindern Sprache und Wortschatz beizubringen, ohne dass sie es bewusst wahrnehmen. Auf diese Weise lernen Kinder neue Worte, Formulierungen und Satzkonstruktionen.

Gleichzeitig haben Sprachspiele einen weiteren Vorteil: Während die Kinder spielen und sich mit ihren Spielkameraden austauschen, fallen pädagogischen Fachkräften unter Umständen Sprach- oder Sprechstörungen auf. Gerade wenn die Kinder verschiedene und auch schwierige Wörter aussprechen müssen, zeigen sich eventuell Auffälligkeiten. Ein frühzeitiges Erkennen solcher Störungen erhöht die Chance, sie in den Griff zu bekommen.

Generell lassen sich unterschiedliche Formen der Störungen unterscheiden: Neben Problemen bei der Aussprache haben manche Kinder Schwierigkeiten bei der Formulierung von Sätzen oder bei der richtigen Zuordnung von Wörtern. Die Ursachen für Sprach- und Sprechstörungen können unterschiedlichster Natur sein. Häufig zeigen sich die Auffälligkeiten nur vorübergehend und sind Teil der Entwicklung. In anderen Fällen kann der Grund für die Schwierigkeiten auch körperlich sein. In jedem Fall lohnt es sich, das Kind über eine längere Zeitspanne genauer im Blick zu behalten.

Wortspiele: Bei Sprach- und Sprechstörungen handeln

Da die Störungen ganz unterschiedliche Bereiche betreffen, ist es außerdem sinnvoll die individuelle Auffälligkeit zuzuordnen.

  • Handelt es sich um Schwierigkeiten bei der Sprachentdeckung oder beim Sprachverständnis?
  • Beschränkt sich das Problem auf den Wortschatz des Kindes oder sein grammatisches Verständnis?

Die Schwierigkeiten können auch beim Reden oder beim Zuhören auftreten.

Je nach Problem können anschließend die richtigen Aufgaben und Übungen gewählt werden. Diese dienen demnach nicht nur zur Erkennung der Auffälligkeiten, sondern auch zum Training der Sprache. Gegebenenfalls ist es außerdem ratsam, das betreffende Kind ärztlich untersuchen zu lassen. Eine physische Ursache sollte ausgeschlossen beziehungsweise behandelt werden. Unter Umständen ist außerdem auch eine logopädische Therapie sinnvoll. Grundlegend ist hier der Austausch mit den Eltern des Kindes.

Wie Sprachspiele Kinder weiterbringen

Durch Sprachspiele können Kinder die unterschiedlichen Facetten einer Sprache näher kennenlernen und sich aneignen. Die verschiedenen Spiele und Übungen vermitteln jeweils Fertigkeiten, die die Kinder zur korrekten Nutzung von Sprache benötigen. Handelt es sich beispielsweise um ein Spiel, in dem Bilder zu bestimmten Begriffen zugeordnet werden müssen, erlernen die Kinder diesen Zusammenhang auch für ihren eigenen Sprachgebrauch.

Konzentration spielerisch aufrechterhalten bei Kindern
Konzentration spielerisch aufrechterhalten bei Kindern © Oksana Shufrych - Shutterstock

Durch den spielerischen Aufbau bleibt die Konzentration der Kinder länger bestehen. Es ist zudem wichtig, die Fragen der Kinder zu beantworten. Nicht nur während des Spielens, auch sonst hilft erwachsene Rückmeldung den Kindern Zusammenhänge, Wörter, Buchstaben und Sätze zu verstehen. So erweitert sich ihr Verständnis und die Fähigkeit, selbst immer neue Formulierungen zu finden. Das bereitet die Kinder auch schon für Assoziations-Aufgaben in der Schule vor.

Welche Sprachspiele gibt es?

Die Auswahl der Spiele zur Sprachförderung ist groß. Um die Kinder nicht zu verwirren, kann es sinnvoll sein, sich auf einen konkreten Inhalt zu konzentrieren.

Sprachspiele mit Lauten

So bieten sich zum Beispiel Laute als Gegenstand einer Spielsitzung an. Die Kinder können dann verschiedene Rätsel, Spiele und Übungen zu einem Thema bearbeiten und erhalten so ein umfassendes Verständnis dazu.

Zum Thema Laute eignen sich zum Beispiel Wortspiele mit Kinderreimen. Als Beispiel können hier Fingerspiele genannt werden. Diese lassen sich gut mit Reimen verbinden und bleiben den Kindern im Gedächtnis:

Das ist der Vater lieb und gut,
das ist die Mutter mit dem Federhut,
das ist der Bruder stark und groß,
das ist die Schwester mit dem Püppchen auf dem Schoß,
das ist das jüngste Kindelein
und das soll die ganze Familie sein.

Zeigen Sie den Kindern, wie das Fingerspiel geht. Durch die Reime bleiben den Kindern die Laute im Kopf und sie erhalten ein konkretes Bild zu den Lauten und ihrer Verwendung. Auf diese Weise merken sie sich das neu Erlernte noch besser.

Wortschatz erweitern: Sprachspiele für Vorschulkinder

Geht es weniger darum, spezifische Laute zu erlernen, sondern die Assoziationsfähigkeit zu trainieren, eignen sich andere Sprachspiele besser. Für Vorschulkinder kann das Spiel „Alles zum Essen“ ein echter Spaßgarant sein. Hierbei ist es jedoch wichtig, dass die Kinder bereits mit dem ABC und den entsprechenden Anfangslauten eines Wortes vertraut sind.

Als pädagogische Fachkraft können Sie die Rolle vom Spielleiter einnehmen. Entweder Sie benennen ein Kind, das in Gedanken das ABC durchzählt – ähnlich wie bei Stadt, Land, Fluss. Sind die Kinder noch nicht so weit, können Sie auch selbst den Buchstaben festlegen. Sagen Sie zum Beispiel „A“, müssen die Kinder der Reihe nach verschiedene Begriffe nennen, die mit dem Themenfeld „Essen“ in Verbindung stehen. Mögliche Antworten wären „Apfel“, „Ananas“ oder „Apfelstrudel“.

Sobald den Kindern die Ideen ausgehen, wird ein neuer Buchstabe „abgearbeitet“. Dieses Spiel lässt sich auch auf andere Themenbereiche ausweiten. Anstatt von Mahlzeiten könnte man das Sprachspiel auch auf „Alle Dinge im Kindergarten“ oder „Alles bei dir zu Hause“ abändern. Variationen sorgen für Spaß und Abwechslung in der Kindergartengruppe. Selbstredend bietet auch das bekannte Spiel „Ich packe meinen Koffer“ Potenzial für den Einsatz bei Vorschulkindern. Der Vorteil: Hier trainieren die Kinder nicht nur ihre Sprache, sondern auch ihr Gedächtnis bzw. ihre Konzentrationsfähigkeit.

Das Spiel „Wie heißt das Tier?“ ist eine weitere Option, um den Wortschatz zu erweitern. Der Spielleiter denkt sich ein Tier aus, die Kinder stellen Fragen. Schlussendlich ist es das Ziel, dass die Kinder ihr Wissen anwenden und durch gezieltes Nachfragen herausfinden, welches Tier sich der Spielleiter ausgedacht hat.

Einsatz klassischer Sprachspiele in der Kita

Erzieher sollten genau beobachten, wie sich die Dynamik in der Gruppe entwickelt. Häufig gibt es Kinder, die schnell lernen und andere, die etwas mehr Zeit benötigen. Wenn schwächere von leistungsstarken Kindern übertönt werden, sollten Sie unter Umständen eingreifen. Zum einen sinkt sonst der Selbstwert der Kinder, zum anderen können die Kinder durch individuelle Förderung wieder auf einen ähnlichen Stand gebracht werden.

Je nach Kapazität und Auslastung im Kindergarten können die Kinder einzeln oder in einer Gruppe gefördert werden. Wichtig ist es, den Kindern zu vermitteln, dass sie respektvoll mit ihren Mitspielern umgehen müssen. Nur so fühlt sich jeder wohl und hat Spaß am Spiel. Als Spielleiter können Sie den Kindern unter Umständen sogar beibringen, sich gegenseitig zu unterstützen. Je nach Alter der Kinder können ganz unterschiedliche Spielideen umgesetzt werden.

  • Buchstaben raten
  • Das Alphabet aufsagen
  • Silben in die richtige Reihenfolge bringen
  • Ein Unwort festlegen, das nicht gesagt werden darf

Spiele mit Sprache können kreativ gestaltet werden. Möchten Sie den Kindern als Spielleiter das Alphabet lehren, können Sie gemeinsam mit den Kindern zum Beispiel ein ABC-Lied singen. Eine Melodie lässt sich gut mit bestimmten Worten und Assoziationen verbinden.

Für Kinder im Vorschulalter kann es außerdem spannend sein, schon einmal auf einer Tafel zu malen oder sogar zu schreiben. Auch das Schreiben des eigenen Namens macht die Kindern stolz. Probieren Sie verschiedene Möglichkeiten aus, um zu sehen, was die Kinder motiviert. Kernelemente von Sprachspielen lassen sich gut variieren und immer wieder neu aufbereiten.

In den Alltag integrieren: Zu Hause lernen mit Sprachspielen

Um die Spiele in den Alltag einzuflechten und so regelmäßig zu üben, sollten auch die Eltern in die Sprachförderung eingebunden werden. Im Kindergarten lernen die Kinder, mit mehreren Mitspielern umzugehen und gemeinsam zu lernen. Zu Hause können sie noch intensiver individuell gefördert werden. Informieren Sie die Eltern über verschiedene Möglichkeiten, Sprache zu trainieren.

Gerade in bereits bestehende Rituale können Sprachspiele effektiv eingebaut werden. Beim Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte bietet es sich an, dass Eltern ihre Kinder zum Beispiel Wörter ergänzen lassen. Sowohl im Kindergarten wie auch in der Familie können in der Freizeit Spiele wie Stadt-Land-Fluss gespielt werden. Dabei werden neue Worte erlernt und das Grundwissen ausgebaut. Als weitere Sprachspiele für zu Hause eignen sich auch:

  • Den Anfangsbuchstaben von Namen basteln
  • Tiere und Personen im Spiel sprechen lassen
  • Geschichten vorlesen

Es gibt viele verschiedene Optionen und Arten, Kindern Sprache zu vermitteln. In jedem Fall sollten Erwachsene die Kinder dazu motivieren, selbst zu sprechen. Sei es mit kleinen Figuren, Stofftieren oder über Geschichten. Denn wenn Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen, fangen sie häufig an zu erzählen. Auch beim Malen oder Basteln kann Sprache eine Rolle spielen. Das Zeichnen und Ausschneiden von Buchstaben aus dem Namen fördert sowohl die Motorik der Kinder als auch ihr Sprachverständnis.

Was tun, wenn die Konzentration nachlässt?

Doch Sprachspiele können für Kinder auf Dauer auch anstrengend werden. Der Umgang mit Sprache und das Erlernen neuer Wörter und Satzkonstruktionen erfordert Konzentration. Diese bringen die Kinder für die Spiele gerne auf, wenn es ihnen Spaß macht. Nach einer gewissen Zeit lassen die Motivation und der Fokus der Kinder jedoch nach. Das ist vollkommen normal.

In den meisten Fällen ist es dann Zeit für Bewegung. Denn nach körperlicher Aktivität können sich die Kinder wieder besser konzentrieren. Bestenfalls steht Ihnen ein Außenbereich zur Verfügung, in dem sich die Kinder austoben können. Hier sind Bewegungsspiele eine gute Option, um für einen Ausgleich zwischen körperlicher und mentaler Anstrengung zu sorgen.

Lassen Sie die Kinder zum Beispiel einen Kreis bilden und sich an der Hand nehmen. Anschließend muss eines der Kinder um den Kreis rennen, eine weitere Person antippen und sich von ihr, im Wettlauf um den Kreis, fangen lassen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und diese Art von Pausen essenziell.

Redaktion Prokita-Portal


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