Eltern informieren: Elterngespräche in der Kita richtig führen

Als Erzieherin oder Erzieher arbeiten Sie selbstverständlich nicht nur mit Kindern zusammen. Ein großer Bestandteil Ihres Alltags ist es, sich mit Erwachsenen auszutauschen. Dazu gehören sowohl Ihre Kolleginnen und Kollegen als auch die Eltern der Kinder. Denn beide Aspekte – die Zusammenarbeit im Team und die Elternarbeit in der Kita – sind elementar für ein gutes Gelingen im Kita-Alltag. Dazu trägt auch eine konstruktive Informationspolitik bei.

Wieso ist es wichtig, die Eltern über den Kita-Alltag zu informieren?

Eltern in der Kita informieren, Kommunikation zwischen Eltern und Erziehern
Infografik Eltern zu informieren bringt viele Vorteile © Prokita-Portal

Egal, ob Ausflüge in die Natur auf der Agenda sind, eine Weihnachtsfeier in der Einrichtung geplant wird oder das nächste Entwicklungsgespräch in der Kita ansteht. Es gibt Situationen, bei denen die Eltern über wichtige Termine in der Kindertageseinrichtung informiert werden sollten. Denn die Erziehungsberechtigten sind immer noch die wichtigsten Ansprechpartner, wenn es um die Erziehung der Kinder geht.

Doch nicht nur aus diesem Grund ist es verpflichtend und sinnvoll, den Eltern Informationen über den Alltag in der Kita an die Hand zu geben. Die Integration der Erziehungsberechtigten in die Planung der Festtage und Ereignisse ist zudem mit zahlreichen Vorteilen verbunden.

Eltern informieren – pädagogische Fachkräfte entlasten

Wenn Sie die Eltern in Projekte der Kita miteinbeziehen, können Sie sich bei anstehenden Festen und größeren Planungen viel Arbeit ersparen. So besteht die Option, die Eltern aktiv in die Konzeption und Umsetzung der Aktivitäten zu integrieren. Das ist nicht nur für Sie eine große Erleichterung, sondern auch oftmals ein Anliegen der Eltern: Sie möchten sich aktiv in die Bildung ihrer Kinder einbringen und wichtige Aufgaben übernehmen.

Dazu gehört auch, dass alle an einem Strang ziehen. Denn viele Highlights im Kita-Jahr könnten ohne die Hilfe der Eltern gar nicht umgesetzt werden. Das wäre insbesondere für die Kinder schade. Diese freuen sich häufig schon Wochen im Voraus darauf, ihren Geschwistern und Verwandten am Sommerfest das lange einstudierte Theaterstück zu zeigen oder stolz ihre Laterne am Martinsumzug zu präsentieren.

Das Sommerfest im Kindergarten, als Highlite des Jahres
Schon Wochen im voraus freuen sich Kinder auf das Sommerfest, welches mit Hilfe der Eltern zum Highlite des Jahres wird © Sharomka - Shutterstock

Klärt sich also zum Beispiel ein Vater, der in seiner Freizeit reitet, dazu bereit, beim Laternenumzug den St. Martin auf seinem Pferd zu spielen? Dann können Sie bereits ein wichtiges Häkchen bei Ihrer Planung für diese Veranstaltung machen. Oder haben einige Mütter oder Väter Lust dazu, Kuchen, leckeres Fingerfood oder erfrischende Limonade für das nächste Sommerfest vorzubereiten? Auch dann lässt sich dieser Punkt auf Ihrer To-do-Liste schnell abhaken. Sie können bei der Verteilung der Aufgaben ebenfalls die Elternvertreter einbinden. Auch diese helfen Ihnen sicher gerne weiter.

Informationen über die Kinder einholen

Erzieherinnen und Erzieher kennen „ihre“ Kinder sehr gut. Dennoch verbringen die Mädchen und Jungen den Großteil ihrer Zeit mit ihren Familien außerhalb der Einrichtung. Damit der Erziehungsauftrag eines jeden Trägers adäquat erfüllt werden kann, ist es essenziell, dass pädagogische Fachkräfte stets im Austausch mit den Erziehungsberechtigten stehen.

Das bedeutet also: Der Informationsaustausch ist keine Einbahnstraße. Bei einem gemeinsamen Gespräch sollte nicht nur die pädagogische Fachkraft von ihren Erfahrungen mit dem Kind berichten. Auch die Eltern sollten dazu animiert werden, wichtige Informationen mit den Erzieherinnen und Erziehern der Kindertageseinrichtung zu teilen. Probleme, wie Lernschwächen oder Sprachauffälligkeiten, können so schneller erkannt und behandelt werden.

Neben der Gesundheit eines Kindes können aber auch andere Aspekte besprochen werden: Hat ein Kind gerade ein Geschwisterchen bekommen? Oder ist die Oma verstorben? Dann ist diese Information für die Bezugsperson des Kindes in der Kita sehr wichtig. Denn eine besondere Situation erfordert auch eine besondere Behandlung.

Nur wenn die Erzieherin oder der Erzieher davon erfährt, kann sie oder er auch auf das Kind und seine Gefühle eingehen. Neben diesen Ausnahmesituationen sind für pädagogische Fachkräfte auch Informationen zu den allgemeinen Familienumständen elementar. Dazu gehört beispielsweise das Wissen zum Familienstand: Sind die Eltern getrennt lebend? Wohnt das Kind vielleicht bei seinen Großeltern? Ohne Antworten auf diese Fragen können Erzieherinnen und Erzieher ihre Arbeit nicht angemessen erledigen.

Eltern informieren: Wichtige Anlässe für Informationen

Es gibt zahlreiche Gelegenheiten, bei denen die Eltern durch die Kita informiert werden sollten. Diese Anlässe können sowohl spontaner als auch langfristig geplanter Natur sein.

Kurzfristige Informationen

Manchmal ist es nicht möglich, die Eltern lange im Voraus über ein Ereignis zu informieren. So kann es für Sie als Erzieherin oder Erzieher auch notwendig sein, so schnell wie möglich entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Zu diesen Ereignissen können beispielsweise ansteckende Krankheiten gehören. Dann müssen die Eltern sehr zügig und ohne Umwege informiert werden. Klassische Beispiele dafür sind Läuse, Infekte oder Hand-Fuß-Mund-Krankheit.

Große Feste und Projekte

Zu Anlässen, bei denen sich die Eltern aktiv in die Kindertagesstätte einbringen können, sollten Sie schon weit im Voraus informieren. Nur dann garantieren Sie, dass sich an der Aktivität so viele Erwachsene wie nur möglich beteiligen. Gute Beispiele sind dafür die Weihnachtsfeier in der Kita, die Party zu Fasching oder Karneval, aber auch lang geplante Ausflüge, wie der Zirkusbesuch im Kindergarten.

Kindbezogene Informationen

Egal, ob Sie die Eltern über den Ablauf der Eingewöhnung in Ihrer Kindertageseinrichtung aufklären oder mit ihnen Ihre Beobachtungen über das Verhalten des Kindes in der Krippe teilen möchten. Wissen, das sich konkret auf das jeweilige Kind bezieht, muss selbstredend ohne Umwege mit den Eltern geteilt werden. Auch das gehört zu einer guten Informationspolitik in der Kita. Denn ein Kind kann nur angemessen gefördert werden, wenn es von allen Seiten die entsprechende Aufmerksamkeit erfährt. Das kann nur in Zusammenarbeit mit den Eltern geschehen.

Allgemeine Informationen

Seien es Informationen zum nächsten Elternabend, die Eingewöhnung oder Broschüren über die Ziele der Kita: Allgemeine Informationen rund um den Alltag in der Kita sind für Eltern wichtig. Dazu zählen auch Einladungen zum anstehenden Termin des Elterncafés oder Elternclubs oder die Ankündigung zur Wahl der Elternvertreter. Oft wiederholen sich diese Termine im Jahr oder es sind langfristig angelegte Informationen, wodurch sich die Informationskanäle auch immer ähneln werden.

Kindergarten Workshop

Elternarbeit ist nicht nur dann wichtig, wenn es um administrative Belange geht. Bei einem Elternabend oder einem Kindergarten Workshop lassen sich auch inhaltliche Aspekte vermitteln. Das beginnt bei Gesundheitsprävention für Kindergartenkinder und endet beispielsweise bei Sprachspielen für zu Hause.

Um wichtiges inhaltliches Wissen zu vermitteln, ist es zunächst einmal wichtig, den Kindergarten Workshop auf den Kenntnisstand der Eltern auszurichten. Versetzen Sie sich in die Lage der Erziehungsberechtigten: Diesen ist die Relevanz von Sprecherziehung bekannt, oftmals fehlen dabei jedoch die pädagogische Perspektive und entsprechendes Vorwissen.

Um einen Kindergarten Workshop ansprechend zu gestalten, ist es sinnvoll, ein fundiertes Konzept zu erarbeiten. Legen Sie zunächst wichtige theoretische Grundlagen, um im Anschluss darauf aufzubauen. Rollenspiele können helfen, den Eltern unterschiedliche Perspektiven – Kinder- und Erziehersicht – zu eröffnen.

Welche Informationskanäle gibt es?

Sie als Erzieherin oder Erzieher sollten situationsbedingt unterschiedliche Informationswege wählen. Je nachdem, welche Art von Information Sie weitergeben wollen – ob kurzfristig, allgemein oder kindbezogen – bietet sich eher der eine oder der andere Weg an.

Auch nicht alle Eltern sind gleich. Manche informieren sich aktiv um die Geschehnisse in der Kita, während andere sich eher auf die Informationsvergabe Ihrerseits verlassen. Wird nicht adäquat informiert, kann das schnell zu Missverständnissen führen.

Wenn zum Beispiel ein Ausflug zum nahe gelegenen Bauernhof ansteht, und sich eine Mutter unsicher ist, wie sie ihr Kind anziehen soll, ist das für sie ein Ärgernis. Sie hätte gerne mehr Informationen zum Ausflug gehabt – etwas, das sich mit der richtigen Informationspolitik leicht erreichen lässt.

Schriftliche Informationen

Der schriftliche Weg ist einer der wichtigsten Methoden, um die Eltern zu informieren. Wenn Sie die Erziehungsberechtigten beispielsweise über Projekte, Ausflüge oder Elternabende in der Kita in Kenntnis setzen möchten, geht das am besten mittels eines Elternbriefs, eines Merkblatts oder einer Einladung.

Diese Informationsquellen sind für die meisten Eltern leicht verständlich und sehr nützlich. Eltern, die aber erst einmal Sprachbarrieren überwinden müssen, kann es jedoch schwerfallen, den geschriebenen Inhalt zu verstehen. Diese sollten Sie daher auch mündlich aufklären. Wenn Sie einen Brief oder ein Hinweisblatt schreiben, sind folgende Punkte sinnvoll:

  • arbeiten Sie mit Stichpunkten und Checklisten
  • gliedern Sie die Texte sinnvoll
  • eine wiederkehrende Struktur hilft, einen langfristigen Überblick zu behalten
  • Texte für Eltern mit Migrationshintergrund sollten gegebenenfalls übersetzt werden
Inhalte eines Informationsschreibens an die Eltern aus dem Kindergarten, Checkliste, Stichpunkte, Struktur, Elternbrief Kindergarten
Machen Sie sich vorab Notizen, was in den Elternbrief aus dem Kindergarten gehört © megaflopp - Shutterstock

Tipp: Damit Sie überprüfen können, ob die Eltern den Brief oder das Hinweisblatt auch wirklich erhalten und gelesen haben, können Sie am Briefende einen Abschnitt einfügen, den die Eltern unterschreiben. Die Kinder bringen diesen dann einfach wieder in die Kindertageseinrichtung zurück.

Aushänge in der Kita

Aushänge eignen sich sowohl für ganz allgemeine Informationen, die kein „Ablaufdatum“ haben, als auch für dringende oder aktuelle Auskünfte. Der Vorteil ist dabei klar: Sie müssen weniger Papier ausdrucken und ersparen sich somit Zeit und Kosten. Der Nachteil dieses Informationskanals ist jedoch, dass Sie nicht sicherstellen können, dass auch alle Eltern vom Inhalt des Aushangs erfahren. Eltern, die selbst gar nicht in die Kindertagesstätte kommen, sind schon einmal ganz außen vor.

Bei der Konzeption eines Aushangs sollten Sie zudem auf diese Punkte achten:

  • Nennen Sie das Wichtigste zuerst
  • Schreiben Sie kurze und klare Sätze
  • Nennen Sie einen Ansprechpartner, an den sich die Eltern bei Fragen wenden können

Tipp: Nutzen Sie Aushänge eher als zusätzlichen Informationskanal. Bei dringenden oder akuten Vorkommnissen sollten Sie immer noch auf den schriftlichen Weg zurückgreifen. Wenn Sie zum Beispiel auf einen Läusebefall in Ihrer Kita hinweisen müssen, sollten Sie unbedingt einen Elternbrief aufsetzen. Zusätzlich können Sie jedoch auch einen Aushang konzipieren, der auf den Befall hinweist.

Mündliche Absprachen

Je nachdem, was Sie den Eltern mitteilen möchten, ist auch ein persönliches Gespräch wichtig und sinnvoll. So zum Beispiel, wenn Sie über Auffälligkeiten oder Probleme eines Kindes sprechen möchten. Ein Entwicklungsgespräch in der Kita ist immer unter vier oder sechs Augen zu führen. Das schließt somit ein Tür-und-Angel-Gespräch aus. Denn das Kind selbst oder Unbeteiligte sollten vom Inhalt des Gesprächs unter keinen Umständen erfahren.

Auch beim Elternabend im Kindergarten bietet es sich an, über wichtige Aspekte der täglichen Arbeit mit den Kindern richtig zu kommunizieren. Hier können Sie entweder allgemeine Tagesordnungspunkte oder konkret den geplanten Ablauf der nächsten Monate thematisieren. Keinen Platz haben bei einer solchen Veranstaltung vertrauliche Gespräche über bestimmte Kinder der Gruppe: Das sollte immer einem Elterngespräch vorenthalten sein.

Digitale Medien

In der heutigen Zeit bieten sich Newsletter, E-Mails oder sogar WhatsApp-Gruppen an. Der Vorteil: Sie sparen bares Geld. Denn Sie müssen weder Briefe ausdrucken, noch Schreiben verschicken. Ein Nachteil ist, dass Sie nicht immer sicherstellen können, dass die Eltern die Mails auch wirklich lesen. Dennoch ist es sinnvoll, das Medium E-Mail zu folgenden Anlässen zu nutzen:

Tipp: Nutzen Sie bei E-Mails die Lesebestätigungs-Option. Dann können Sie zumindest sicher sein, dass die Erziehungsberechtigten die Mail auch geöffnet und sehr wahrscheinlich auch gelesen haben.

Was ist bei der Elternarbeit wichtig?

Eltern sollten sich niemals bevormundet fühlen. Das ist eine wichtige Regel bei der Elternarbeit in der Kita. Trotzdem müssen die pädagogischen Fachkräfte Entscheidungen auch alleine treffen können: Zum Beispiel, wo der nächste Ausflug hingeht und welche Veranstaltung im Kindergarten geplant wird. Das ist immer eine Gratwanderung, die Erzieherinnen und Erzieher meistern müssen.

Damit die persönliche Kommunikation mit den Eltern gelingt, sollten Sie außerdem auf diese Punkte achten:

  • Begegnung auf Augenhöhe: Belehrungen haben in der Kommunikation mit den Eltern keinen Platz. Sonst könnten sich die Erziehungsberechtigten missverstanden und bevormundet fühlen. Rechtfertigungen sollten daher nicht das Ziel eines Gesprächs sein. Lassen Sie Ihre Gesprächspartner daher merken, dass Sie ihnen zuhören und sie auch verstehen.
  • Vertrauen und Offenheit: Bauen Sie eine offene und vertraute Beziehung zu den Eltern auf. Bestenfalls öffnen sich die Eltern und vertrauen Ihnen wichtige Details über das Kind an. Dieses Wissen können Sie für die weitere Förderung des Kindes nutzen.
  • Aktives Zuhören: Geben Sie den Eltern Raum und Zeit, über die Erziehung ihres Kindes zu sprechen. Hören Sie aktiv zu und geben Sie den Eltern das Gefühl, dass Sie sich Zeit für sie nehmen. Gleichzeitig können Sie die Themen natürlich auch in konstruktive Bahnen lenken, sodass alle etwas vom Gespräch haben.

Diese Offenheit für ein persönliches Gespräch sollten Sie aber auch schon vorher kommunizieren – zum Beispiel auf dem schriftlichen Weg. Hierbei können Sie den Eltern ebenfalls das Signal senden, dass Sie bei Fragen gerne zur Verfügung stehen. Zum Beispiel, indem Sie stets einen Ansprechpartner nennen, der dann für Rückfragen verfügbar ist. Auf diese Weise fördern Sie eine angemessene Kommunikation mit den Eltern – die Grundlage für eine erfolgreiche Erziehungspartnerschaft zwischen Einrichtung und Erziehungsberechtigten.

Redaktion Prokita-Portal


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