Musikalische Bewegungsgeschichten in der Kita

Wenn Mädchen und Jungen erst einmal in Schwung kommen, ist in der Kita-Gruppe richtig etwas los. Besonders viel Spaß haben die Kinder an Übungen und Spielen, die Bewegung beinhalten. Kombiniert mit musikalischen Elementen lassen sich Bewegungsspiele und -geschichten gut in den Kita-Alltag integrieren. So toben sich die Kinder aus und können sich gleichzeitig neue Inhalte und motorische Fähigkeiten aneignen. Auf diese Weise dienen musikalische Bewegungsgeschichten einerseits der Unterhaltung und andererseits der zielgerichteten Weiterentwicklung der Mädchen und Jungen.

Was sind Bewegungsgeschichten und wofür sind sie gut?

Neues Wissen und komplexe Zusammenhänge können Sie Kindern am besten vermitteln, indem Sie sie anschaulich darstellen. Durch greifbare Beispiele können die Mädchen und Jungen die Inhalte besser verknüpfen. Die Veranschaulichung der Informationen lässt sich unter anderem durch Bildmaterial verwirklichen. Geschichten zu bestimmten Traditionen können Sie beispielsweise anhand von Bilderbüchern darstellen. So verdeutlicht eine Bildergeschichte über das Wirken Sankt Martins, wer der Bischof war und warum er noch heute von Bedeutung ist.

Nicht nur Bildmaterial trägt zu einer anschaulichen Präsentation neuer Informationen bei. Auch Spiele und Übungen ergänzen diese und wirken sich positv auf die Entwicklung der Kinder aus. Sobald die Mädchen und Jungen aktiv in Projekte und Aufgaben eingebunden werden, beginnen sie, sich selbst Gedanken zu den jeweiligen Themen zu machen. Ganz automatisch binden sie Fakten in ihr bereits vorhandenes Wissen ein. So lernen die Kinder nachhaltig und können sich Informationen besser merken.

Auf diese Weise wirken auch Bewegungsgeschichten. Die Kinder hören eine Geschichte und bewegen ihren Körper passend zum Inhalt. Die Texte werden so nicht nur über die Ohren wahrgenommen, sondern durch verschiedenartige Bewegungen mit Händen und Beinen auch mit dem ganzen Körper erlebt. Einmal geübt, bleiben die Bewegungsabläufe und Geschichten den Kindern lange im Kopf. Indem Sie die Geschichten musikalisch ausgestalten, entwickelt sich zusätzlich auch das Rhythmus- und Taktgefühl der Kleinen weiter – Liedvermittlung auf eine kreative Art und Weise.

Was sind die pädagogischen Vorteile von musikalischen Bewegungsgeschichten?

Bei der Ausführung von Bewegungsgeschichten steht nicht nur die musikalische Früherziehung der Mädchen und Jungen im Vordergrund. Die Übung wirkt auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Einerseits lernen die Kinder, ihre Fantasie und ihre eigenen Ideen zu nutzen und so Geschichten zum Leben zu erwecken. Andererseits trainieren die musikalischen Bewegungsgeschichten auch die motorische Koordination der Kinder.

Im Kita-Alltag stehen Erzieherinnen und Erziehern verschiedene Möglichkeiten offen, den Kindern ein Gefühl für ihren Körper, für Rhythmus und Klang und für unterschiedliche Bewegungsabläufe zu vermitteln. Musikalische Bewegungsgeschichten sind dabei besonders vielseitig, da sie den Mädchen und Jungen gleichzeitig inhaltliches Wissen mitgeben.

Rhythmus lernen Kinder durch musikalische Bewegungen
Den richtigen Rhythmus lernen Kinder durch musikalische Bewegungen © Oksana Kuzmina - Shutterstock

Die Kinder haben großen Spaß dabei, Lieder und Texte durch Bewegungen zu begleiten. Zum einen gibt es Bewegungsspiele, bei denen die Kleinen einen Tanz erlernen, den sie anschließend zu einem bestimmten Lied präsentieren können. Zum anderen existieren Bewegungsgeschichten, die den Fokus auf die inhaltliche Ausgestaltung der Erzählungen legen. So erfahren die Kinder beispielsweise Neues über die Weihnachtszeit oder die Ernte im Herbst. In Form eines Liedes wird den Mädchen und Jungen dann neues Wissen vermittelt, das sich durch passende Bewegungen verfestigt. Je nach Präferenz können Erzieherinnen und Erzieher die Bewegungsgeschichten individuell gestalten und an die Fähigkeiten der Kleinen anpassen.

Bewegungsgeschichten richtig einsetzen

Bei der Umsetzung von Bewegungsgeschichten sollten Sie auf verschiedene Faktoren achten, die die Wirkung der Übung beeinflussen. Zum Beispiel können die Geschichten je nach Alter der Kinder mehr oder weniger komplex ausfallen. Gerade für die ganz kleinen Kinder sollten die Texte noch möglichst einfach gehalten werden.

Facetten, die an den Bewegungsgeschichten variiert werden können, sind zum Beispiel:

  • Nutzung zusätzlichen Materials
  • Komplexitätsgrad
  • Anzahl und Wiederholungen von Bewegungen
  • thematisch abgestimmte Ausgestaltung

Um die Kinder nicht zu überfordern, ist es sinnvoll, nicht zu viele Materialien in das Bewegungsspiel einzubinden. Nutzen Sie jeweils die Gegenstände und Hilfsmittel, die zur Veranschaulichung beitragen – und dabei nur das Nötigste. Gerade in jungen Jahren hilft es Mädchen und Jungen, wenn Inhalte oft wiederholt und gemeinsam durchgesprochen werden. Im Kindergartenalter unterstützen Sie die Kleinen durch Wiederholungen bei wichtigen Lernprozessen.

Generell gilt: Bewegungsspiele können zentrale Themen im Kindergarten veranschaulichen. Passend zur Weihnachtszeit, dem Frühling oder einem konkreten Feier- oder Festtag lassen sich Bewegungsgeschichten gut in den Alltag einbauen. So werden die Kinder körperlich aktiv und verarbeiten die jeweiligen Inhalte vielschichtig. Mottos und Leitthemen prägen sich gut ein.

Geschichten für Groß und Klein: Wo liegen die Unterschiede?

Musikalische Bewegungsgeschichten für große und kleine Kinder in der Kita
Infografik Um die musikalische Fähigkeiten
der Kinder zu fördern, muss man das Alter unbedingt berücksichtigen © Prokita-Portal

Während die älteren Kinder (U6) in der Kita-Gruppe bereits komplexere Zusammenhänge verstehen können, müssen Inhalte für die kleineren (U3) Mädchen und Jungen besonders klar und einfach aufgearbeitet und dargestellt werden. Wie beim Vorlesen, Basteln und Ankleiden brauchen die Kinder je nach Alter mehr oder weniger Unterstützung.

Pädagogische Fachkräfte sollten auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingehen, um sie bestmöglich fordern und fördern zu können. Für Kinder unter drei Jahren bietet es sich an, die Bewegungsgeschichten möglichst kurz zu halten. Die Mädchen und Jungen sind noch nicht in der Lage, sich über einen langen Zeitraum hinweg auf eine einzige Übung zu konzentrieren. Kurze Einheiten sind daher ideal, um sie für die Bewegungsabfolgen und die musikalischen Erzählungen zu begeistern.

Kinder über drei Jahre und vor allem Vorschulkinder, können den Erzieherinnen und Erziehern schon über eine größere Zeitspanne hinweg konzentriert zu hören. Natürlich sollte das Verhältnis relativ gesehen werden: Auch Kinder im Vorschulalter dürfen nicht mit einer Bewegungsgeschichte überfordert werden, die zu lange dauert. Je mehr Zeit für das Bewegungsspiel benötigt wird, desto öfter müssen die Bewegungen wiederholt werden, bis sie die Kinder verinnerlicht haben.

Zu beachten ist außerdem, dass die kleinsten Kinder in der Krippe viele der Inhalte noch nicht genauso verarbeiten und einordnen können wie die älteren. Betreuer haben demnach gerade bei den älteren Kindern mehr Möglichkeiten, aktuelle Geschehnisse und Themen in Bewegungsgeschichten einzubinden als bei den kleinen Mädchen und Jungen.

Bewegungsgeschichten entdecken: „Komm, wir gehen zur Apfelwiese“

Musikalische Bewegungsgeschichten bereiten Kindern in jedem Alter große Freude. Beispielhaft zeigt die Spielidee „Komm, wir gehen zur Apfelwiese“ wie eine Bewegungsgeschichte funktionieren kann und wie Mädchen und Jungen dabei gleichzeitig ihren Kopf und ihren Körper einsetzen müssen.

Musikalische Bewegung in Form von Spielen umsetzen
Musikalische Bewegung kann auch in Form von Spielen umgesetzt werden © Oksana Kuzmina - Shutterstock

Prinzipiell sind Sie in der Wahl und in der Ausführung der musikalischen Übungen völlig frei. Lassen Sie sich zum Beispiel von Vorschlägen aus der Sachliteratur inspirieren. So kommen Sie schnell auf eigene Ideen und finden Wege, Bewegungsgeschichten in Ihrer Gruppe erfolgreich umzusetzen.

Je nach Kapazitäten und Mitteln, die Ihnen zur Verfügung stehen, können Sie beispielsweise auch Fortbildungen zum Thema Liedvermittlung und musikalische Früherziehung besuchen. So erhalten Sie zusätzlichen Input, der Sie auf neue Spielideen bringt.

Vorbereitung der musikalischen Bewegungsgeschichte

Im Beispiel gehen Sie mit den Kindern Äpfel pflücken. Zur Musik und zu Ihrer Geschichte machen die Kinder passenden Bewegungen. Dadurch fördern Sie das Sprachverständnis der Kinder und deren Koordinationsfähigkeit. Für die Bewegungsgeschichte benötigen Sie:

  • eine Schüssel mit Wasser
  • eine Hüfttasche
  • einen Apfel
  • ein Taschenmesser
  • ein Taschentuch
  • ruhige und flotte Instrumentalmusik (und ein Gerät dafür)

Stellen Sie die Schüssel mit Wasser und die Musik bereit. Ziehen Sie die Hüfttasche an, in die Sie Apfel, Taschenmesser und Taschentuch stecken. Anschließend können Sie circa zehn Kinder zusammenrufen und sich mit ihnen in einen Kreis setzen. Laden Sie die Kinder ein, mit Ihnen Äpfel zu pflücken. Dazu legen sich erst einmal alle hin. Schalten Sie die ruhige Musik ein. Dann erzählen Sie den folgenden Text und machen dazu passende Bewegungen, die die Kinder nachmachen:

 Text und Bewegung

Die Sonne geht auf und wir werden langsam wach. Wir rekeln und strecken uns, setzen uns hin und stehen auf. Heute geht’s zum Apfelpflücken zur Wiese beim Bauern. Schnell etwas Wasser ins Gesicht gespritzt und los geht’s.Rekeln und strecken Sie sich. Spritzen Sie den Kindern mit den Händen etwas Wasser in ihr Gesicht. Schalten Sie nun die flotte Musik ein und erzählen Sie weiter.
Wir wollen uns beeilen und laufen schnell bis zur Wiese. Nehmt euren Korb zum Sammeln auf den Rücken. Aber Vorsicht: Es liegen viele Steine und Stöcke auf dem Weg, über die wir springen müssen.Nehmen Sie den imaginären Korb auf den Rücken. Laufen und springen Sie ein paar Runden mit den Kindern durch den Raum.
Endlich sind wir angekommen. Ich bin außer Atem und muss erst einmal Luft holen. Dazu stelle ich meinen Korb neben mich.Stellen Sie den Korb ab. Schalten Sie die Musik aus und holen Sie ein paar Mal tief Luft.
Da sehe ich auch schon die Apfelbäume. Seht ihr sie auch? Da hängen ganz viele dicke rote Äpfel an den Ästen.Schirmen Sie mit einer Hand die Augen ab und zeigen Sie auf die imaginären Bäume.
Kommt, wir wollen sie pflücken. Ganz da oben hängen welche. Und an den Seiten auch. Und da liegen auch welche auf dem Boden. Wir legen die Äpfel immer vorsichtig in den Korb, damit sie keine Druckstellen bekommen.Schalten Sie wieder die flotte Musik ein. Greifen Sie ein paar Minuten oben, an den Seiten und unten nach den Äpfeln und legen Sie sie in Ihren Korb. Schalten Sie die Musik wieder aus.
Nun ist mein Korb ganz schwer. Wie schwer ist euer Korb? Kommt, wir stellen unsere Körbe zusammen in die Mitte.Stellen Sie die Körbe in die Mitte des Raums. Tun Sie so, als wären sie sehr schwer. Schnaufen Sie dabei.
Auweia. Da hat wohl schon vor uns jemand die leckeren roten Äpfel entdeckt. Schaut mal, die Äpfel haben Wurmlöcher. Kommt, wir müssen sie aussortieren.Knien Sie sich alle um die Körbe in einen Kreis. Sortieren Sie die Äpfel aus und werfen Sie sie weit hinter sich.
Oh, wie schade. All unsere Äpfel waren wurmstichig. Aber zum Glück habe ich noch einen Apfel in meiner Tasche. Den teilen wir.Holen Sie den Apfel und das Taschenmesser aus der Hüfttasche und teilen Sie ihn unter den Kindern auf. Wischen Sie die Klinge des Messers mit dem Taschentuch sauber und stecken Sie es in die Tasche zurück. Die Apfelreste packen Sie ins Taschentuch und in die Tasche.
Es ist schon spät. Wir müssen zurück nach Hause. Packt eure Körbe und los geht’s.Schalten Sie die flotte Musik wieder an und laufen und hüpfen Sie ein paar Runden durch den Raum.
Endlich sind wir zu Hause. Tür auf, Schuhe aus und Hände waschen nicht vergessen.Spritzen Sie den Kindern ein bisschen Wasser auf die Hände.
Das war ein anstrengender Vormittag und ich bin jetzt ganz müde. Ich mache jetzt eine Mittagspause.Schalten Sie die ruhige Musik ein und legen Sie sich alle wieder hin.

Bewegungsgeschichten: Klatschen, Stampfen, Singen

Generell lassen sich Bewegungsgeschichten auf ganz unterschiedliche und kreative Weise ergänzen und ausschmücken. Aus einer musikalischen Bewegungserzählung kann beispielsweise ein Tanz werden – oder eben auch eine ruhige Bewegungsabfolge. Die Kinder können ihre Hände auch in Socken stecken und mit dem Sockentheater eine kleine Tanz-Choreografie einstudieren. Ihren Ideen sind keine Grenzen gesetzt!

Wichtig ist, dass die Kinder ihre Sinne nutzen, Geräusche zuordnen und in Melodien einstimmen. Durch gemeinsames Klatschen und Stampfen erfahren die Mädchen und Jungen zum Beispiel, wie sie den Grundschlag eines Liedes erkennen können. Dabei setzen die Kinder sowohl ihre Arme als auch die Beine ein. So wird die Liedvermittlung im Kindergarten zu einer abwechslungsreichen und spaßigen Übung, die den Klang von Musik mit spannenden Inhalten und viel Bewegung kombiniert.

Redaktion Prokita-Portal


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