Kulturelle Bildung im Kindergarten: Kunst und Kultur für die Kleinsten

Egal ob ein Theater- oder ein Museumsbesuch – damit Kinder zu kulturinteressierten Jugendlichen heranwachsen, sollten sie früh in Kontakt mit verschiedenen Bereichen der Kultur kommen. Neben bildnerischem Gestalten und Musik bietet es sich deshalb an, auch Literatur und die sprachliche Bildung bereits im Kindergarten zu einem Thema zu machen. Als Erzieherin oder Erzieher können Sie einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass die Jungen und Mädchen den Spaß an kultureller Bildung und kulturbezogenen Aktivitäten entdecken.

Kultur: Was ist das eigentlich?

Der Begriff Kultur scheint oft abstrakt und damit auch zu schwierig, um ihn Kindergartenkindern näherzubringen. Gerade deshalb ist es interessant, einmal zu überlegen, was man darunter eigentlich versteht. Zahlreiche Definitionen sehen die Kultur in einem engen Zusammenhang mit dem Menschen selbst. Alle Errungenschaften der menschlichen Zivilisation lassen sich unter dem Oberbegriff der Kultur zusammenfassen: Glauben und Bräuche sind also ebenso essenzieller Bestandteil einer Kultur wie sprachliche Bildung und verschiedene Kunstformen.

Damit den Kindern in der Schule der multikulturelle Austausch leichter fällt, müssen sie erst einmal einiges über die eigene Kultur lernen. Dabei ist es Ihre Aufgabe, im Kindergarten zunächst grundlegende Lernprozesse anzuregen und das generelle Interesse der Kinder zu wecken. Es geht nicht darum, die Gruppenmitglieder in kleine Künstler zu verwandeln oder musikalische Ausnahmetalente zu fördern.

Kinder lernen über andere Kulturen im Kindergarten
Es ist interessant für Kinder die andere Kultur des anderen Kindes kennen zu lernen © Rawpixel.com - Shutterstock

Vielmehr ist ein fachübergreifender Ansatz sinnvoll, der den Kindern wichtige Kompetenzen in verschiedenen Bereichen der Kultur verschafft. Das spielerische Entdecken von Kunst und Gestaltung sowie weiteren Bereichen steht dabei an erster Stelle. Nur wenn diese Kernkompetenzen schon im jungen Alter erworben werden, kann die Jugendbildung hier später ansetzen, um ein tiefergehendes Verständnis für die eigene und andere Kulturen zu vermitteln.

Kulturelle Bildung: Die musikalische Seite der Kultur entdecken

Wer Kinder sachte an kulturelle Themen heranführen möchte, kann einen Zugang über die Musikförderung wählen. Sie spiegelt verschiedene Traditionen und Zeitgeister wider. Somit ist sie bestens geeignet, um mit der Gruppe im frühkindlichen Bildungsbereich und Entwicklungsziel über das Thema Kultur ins Gespräch zu kommen. Dabei greifen Sie am besten auf verschiedene Musikstile aus dem deutschen Kulturraum zurück. Dazu eignen sich vor allem Volkslieder mit eingängiger Melodie. Diese bleiben schnell im Ohr und lassen sich einfach nachsingen.

Musikkultur U6: Gesang und Tanz als Teil der Bildungsprozesse

Gestalten Sie im Kindergarten doch einmal einen Projekttag zum Thema Musik in Deutschland. Um eine ganzheitliche Sichtweise zu fördern, ist es sinnvoll, auch den Tanz miteinzubeziehen. Die musikalischen Fähigkeiten wie Rhythmusgefühl und Co. erfahren so ganz nebenbei eine Stärkung, während die Kinder gleichzeitig etwas über die Lieder ihrer Kultur lernen.

Fordern Sie die Gruppe doch dazu auf, sich an einer vereinfachten Form des bayrischen Schuhplattlers zu versuchen. Außerdem können Sie Matrosenkostüme zur Verfügung stellen und gemeinsam mit den Jungen und Mädchen nordische Seemannslieder einstudieren. Der Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt!

Um den kulturellen Wandel über die Zeit zu verdeutlichen, ist es auch eine Überlegung wert, gemeinsam mit den Kindern Lieder aus vergangenen Jahrhunderten anzuhören. Das lässt sich im Anschluss mit aktueller Popmusik vergleichen. Verschiedene Tanzspiele und Verkleidungen passend zu den Epochen helfen, um das Interesse an der Musik zu steigern. Natürlich dürfen die Mädchen und Jungen auch ihre eigene Meinung einbringen: Hatten sie mehr Spaß, zur klassischen Musik zu spielen? Haben ihnen die modernen Lieder besser gefallen?

Musikalische Früherziehung U3: Die Grundsteine für frühkindliche Bildung legen

Selbst in der Krippe haben Sie als pädagogische Fachkraft schon einen Gestaltungsfreiraum, um die Allerkleinsten an das Thema Kultur heranzuführen. In dem jungen Alter geht es vor allem erst einmal darum, die musikalische Wahrnehmung und Sinne zu schulen und die Sinne anzusprechen. Noten und ein differenziertes Musikverständnis stehen für die U3-Kinder noch nicht auf dem Programm der Frühförderung. Vielmehr dürfen Sie am Anfang durch Eigenerfahrung lernen, wie sie selbst verschiedene Klänge erzeugen können und wie vielfältig die Musik sein kann.

Klanggeschichten stellen eine gute Möglichkeit dar, um die Kinder für verschiedene Geräusche und Rhythmen zu sensibilisieren. Dabei lesen Sie der Gruppe eine altersgerechte Geschichte vor.

Diese wird dann mithilfe von verschiedenen Materialien und Geräuschen zum Leben erweckt:

  • raschelndes Papier
  • klappernde Schüsseln
  • ein Stampfen auf dem Boden
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Klanggeschichten können von Kindern in verschiedene Formen produziert werden © DGLimages - Shutterstock

Erlaubt ist alles, was den auditiven Sinn der Krippenkinder anspricht. Eine echte Erfahrung ist es, wenn sich die Kinder auch das erste Mal selbst mit einfachen Instrumenten ausprobieren dürfen. Dabei kommen zum Beispiel Klanghölzer oder ein Glockenspiel zum Einsatz. Die Jungen und Mädchen erfahren so, wie sie selbst Töne und Klänge erzeugen. Dieser frühe Kontakt zur Musik erleichtert später den Einstieg, um den Zusammenhang von Musik und Kultur zu verstehen.

Bildnerisches Gestalten: Künstlerisches Interesse fördern

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Infografik Kultur im Kindergarten © Prokita-Portal

Ebenso wie die Musik sind auch die Kunst und das bildnerische Gestalten ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Bildungsbereichs und Entwicklungsziels. Basteln und kreative Aktionen sind in vielen Einrichtungen an der Tagesordnung. Und das ist auch gut so – denn das frühe Heranführen an ästhetische Aufgaben ist für die Entwicklung der Mädchen und Jungen sehr wichtig. Sie lernen, wie es sich anfühlt, eigene Werke zu erschaffen und die eigene Kreativität zu nutzen. Das ist nicht nur für den Kunstunterricht in der Schule wichtig, sondern öffnet auch die Tür zur künstlerischen Seite einer Kultur.

Malprojekte im Kindergarten

Aus der Elementarpädagogik sind künstlerische Projekte kaum wegzudenken. Die Kinder färben zu Ostern bunte Eier, basteln im Herbst mit Naturmaterialien und malen im Winter eine Weihnachtslandschaft. Um die ästhetische Bildung hier ansetzen zu lassen, eignet sich zum Beispiel ein Museumsbesuch. Die Gruppe darf in Ruhe die ausgestellten Bilder betrachten. Dann darf sich jedes Kind ein Gemälde aussuchen, welches es nachmalt. Auf diese Art und Weise setzen sich die kleinen Künstler intensiv mit den verschiedenen Kunstwerken auseinander.

Alternativ bieten auch viele Kunstschulen Kooperationen mit Kindergärten an. Eine Zusammenarbeit ist deshalb gewinnbringend, weil die Möglichkeiten für bildnerisches Gestalten in den Kunstschulen weit größer sind als in der Kita. Hier dürfen die Kinder das erste Mal töpfern oder sich an einfachen bildhauerischen Arbeiten versuchen. Wichtig ist hier nicht das Ergebnis, sondern das Interesse für den kulturellen Teilbereich der bildnerischen Kunst zu wecken. Deshalb sollten alle Teilnehmenden auch eine Anerkennung für ihre Werke erhalten. Dieses Erfolgserlebnis trägt zur Persönlichkeitsentwicklung bei und kann die Begeisterung für die Kunst nachhaltig wecken.

Spielerisches Malen in der Krippe

Auch die Kleinsten haben schon eine Menge Spaß daran, kreativ zu werden. Deshalb lässt sich auch die U3-Gruppe im Bereich Kunst an die kulturelle Bildung heranführen. Natürlich verstehen die Krippenkinder noch nichts von unterschiedlichen Stilrichtungen oder bekannten Künstlern. Dafür begeistern sie sich für die Sache an sich. Die Jungen und Mädchen experimentieren gerne mit den Farben und nutzen alle Sinne, um die Kunst erfahrbar zu machen. Eine Förderung dieses Interesses an der Kreativität sollte in jeder Einrichtung fest verankert sein.

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Schon die kleinsten Kinder kann man für Klangspiele begeistern © Marco Govel - Shutterstock

Ein Beispiel für das kreative Gestalten in der Krippe ist das Malen mit Fingerfarben. Hierfür brauchen die Kleinen kein Vorwissen, sondern können sich voll und ganz auf ihre Sinne verlassen. Auf diese Weise ist die Kunst im wahrsten Sinne des Wortes spürbar. In der künstlerischen Erziehung von Kindern im Krippenalter kann man auf Vorgaben getrost verzichten. Die kleinen Künstler sollen sich frei ausprobieren können und so ein erstes Gefühl im ästhetischen Bereich erhalten.

Sprache und Spiel: Literatur und Theater in der Kita

Ein weiterer elementarer Bestandteil der kulturellen Bildung ist es, verschiedene Bereiche der Sprache zu erkunden. Dazu zählt neben der Literatur auch das gesprochene Wort in einem Theater. Hierbei eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten für viel Spiel und Spaß im Kindergarten.

Literarische Bildung im Kindergartenalter

Ohne Sprache wäre ein kultureller Austausch unmöglich. Umso wichtiger also, dass schon Kinder im Alter von jünger als sechs Jahren Grundlegendes über die Sprache lernen. Dabei geht es nicht etwa darum, grammatikalische Regeln zu pauken. Vielmehr ist es Ihre Aufgabe als Erzieherin oder Erzieher, den Kindern durch Geschichten zu zeigen, wie Sprache zum Leben erwachen kann. Spannende Erzählungen vorzulesen, sollte deswegen fester Bestandteil des Kindergartenalltags sein. Entdecken die Jungen und Mädchen in jungen Jahren die Begeisterung für Bücher, ist es wahrscheinlicher, dass sie auch als Jugendliche öfter zu einer Lektüre greifen.

Doch nicht nur durch das Vorlesen wird der Sprache Leben eingehaucht. Auch Theatervorführungen machen Geschichten besser greifbar. Erkundigen Sie sich, ob es ein Theater in der Nähe gibt, welches Kooperationen mit Kindertageseinrichtungen anbietet. Es ist wichtig, dass die Vorführungen kindgerecht gestaltet sind und die Aufmerksamkeit der kleinen Zuschauer fesseln. Doch auch wenn es keine Kultureinrichtungen mit passendem Angebot in Ihrer Nähe gibt, können Sie das Theater im Kindergarten thematisieren. Stellen Sie doch einfach eine eigene Theateraufführung auf die Beine.

Dabei dürfen die Gruppenmitglieder zum Beispiel durch ein Rollenspiel an einer bekannten Geschichte teilhaben. Alternativ zeigen Sie den Jungen und Mädchen, wie sie mithilfe einer Taschenlampe Schatten an die Wand werfen können. Anschließend darf sich die Gruppe bei einem Schattentheater austoben. Egal, für welche Form Sie sich entscheiden: Das spielerische Auseinandersetzen mit der Sprache ist von unschätzbarem Wert für die kindliche Entwicklung.

Sprachförderung in der Krippe

Besonders Kinder, die jünger als drei Jahre sind, erfahren eine rasante Entwicklung der eigenen Sprache. Zu diesem Zeitpunkt ist eine Förderung durch Sie als pädagogische Fachkraft unverzichtbar. In der Kita legen Sie den Grundstein für spätere sprachliche Kompetenzen.

Betrachten Sie mit den Krippenkindern deshalb zum Beispiel ein Bilderbuch. Die visuellen Reize fesseln die Aufmerksamkeit der Allerkleinsten. Je nach Alter der Kinder nennen Sie entweder gezielt die Namen von bestimmten Gegenständen oder erzählen eine leicht verständliche Geschichte. Auf diese Weise sammeln die Jungen und Mädchen erste Erfahrungen mit Büchern. Dies ist für ein späteres Interesse an der Literatur sehr wichtig.

Aber auch ReimeLieder und Fingerspiele lassen sich schon bei den U3-Kindern einsetzen. Das Ziel ist es, Lernprozesse anzustoßen, die später in einem soliden Sprachverständnis münden. Schon Kleinkinder können die Melodie von einfachen bekannten Liedern wiedererkennen. Je öfters Sie einen Song mit der Gruppe einstudieren, desto eher erinnern sich die Jungen und Mädchen auch an den Text. Damit erfährt nicht nur der Wortschatz eine Förderung. Auch das Gedächtnis wird gestärkt.

Kulturelle Ausdrucksformen kombinieren: Ganzheitliches Interesse wecken

Besonders bei den Kindergartenkindern ist es wichtig, die kulturellen Bereiche nicht getrennt voneinander zu betrachten, sondern die Kulturvermittlung zu einem Gesamtbild zu integrieren. Denn nur so laufen die Bildungsprozesse auf mehreren Ebenen ab und führen zu einer ganzheitlichen Sichtweise auf die Kultur. Dazu eignen sich zum Beispiel Feiertage hervorragend. Sie können gemeinsam mit anderen Erzieherinnen und Erziehern der Einrichtung Projekttage gestalten, die ganz im Sinne der jeweiligen Festivität gehalten sind. Dabei vermitteln Sie den Kindern ein grundlegendes Verständnis über die (religiösen) Hintergründe des jeweiligen Festtags. Auf diese Weise lernen die Jungen und Mädchen verschiedene Glaubensweisen und Bräuche kennen.

Um das religiöse Verständnis mit den anderen Bereichen der kulturellen Bildung zu verbinden, bieten sich verschiedene Aktionen an. Das Weihnachtsfest ist ein hervorragendes Beispiel für eine ganzheitliche kulturelle Bildung: Sie singen gemeinsam mit der Gruppe weihnachtliche Lieder, basteln Adventsdekoration und lesen Weihnachtsgeschichten vor. Beim gemeinsamen Backen sprechen Sie zudem noch den Geruchs- und Geschmackssinn der Kinder an. Außerdem können Sie auch die Gefühle wie Vorfreude und Nächstenliebe thematisieren, die zu Weihachten gehören.

Auf diese Art und Weise wird ein einziger Anlass auf viele verschiedene Wege greifbar und fördert zahlreiche Fähigkeiten. Gerade das macht die Arbeit im Kindergarten so abwechslungsreich! Durch Ihre pädagogische Arbeit entsteht am Ende ein komplexes Verständnis davon, was Weihnachten eigentlich ist. In ähnlicher Weise lassen sich auch andere Projekte gestalten: So zeigen die Kinder ihr Wissen nicht nur in einem einzigen kulturellen Bereich, sondern verstehen, wie die einzelnen Aspekte der Kultur zusammenhängen.

Interkulturelle Erziehung: Die Multikulti-Kita

Haben die Kinder erst einmal verstanden, was die eigene Kultur ausmacht, ist auch der Austausch über andere Kulturen gewinnbringend. Vor allem in Städten kommt im Kindergarten der Nachwuchs aus vielen Herkunftsländern zusammen. Daher ist es schon in dem jungen Alter wichtig, das gegenseitige Verständnis und den Respekt füreinander zu lernen. Ist diese Wertvorstellung einmal gefestigt, wachsen die Kinder zu toleranten und respektvollen Jugendlichen heran. Lassen Sie die Jungen und Mädchen von ihrem Leben im Heimatland erzählen und fragen sie gezielt nach landestypischen Spielen oder Speisen.

Möchten Sie visualisieren, wie bunt es in Ihrer Kita zugeht? Dann hängen Sie doch eine Weltkarte im Eingangsbereich Ihrer Einrichtung auf. Bitten Sie die Kinder, die Flaggen ihrer Heimatländer auszumalen. Hängen Sie diese neben und unter die Weltkarte. Nun nehmen Sie einen Faden und Reißzwecke zur Hand. Verbinden Sie alle Flaggen mit den entsprechenden Hauptstädten. Auf diese Art und Weise machen Sie auf einen Blick deutlich, wie vielfältig die Herkunftsländer der Kinder sind.

Um den kulturellen Austausch zu fördern, können Sie auch zu internationaler Musik tanzen oder Mittagessen aus wechselnden Ländern servieren. Hierbei bieten die Eltern bestimmt gerne ihre Hilfe an. Generell gilt: Je früher die Kinder mit anderen Kulturen in Kontakt kommen, desto eher sind sie später auch in der Schule bereit, Fremdes kennenzulernen. Die interkulturelle Frühförderung ist also eine wichtige Voraussetzung für eine tolerante und weltoffene Gesellschaft.

Redaktion Prokita-Portal


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